Nach der Landtagswahl Landespolitiker auf Jobsuche: Wie geht es für Dennis Birnstock weiter?

Die Zeit von Dennis Birnstock als Landtagsabgeordneter endet am 30. April nach nur fünf Jahren. Foto: Archiv Caroline Holowiecki

Fünf Jahre lang hat der FDP-Politiker den Wahlkreis Nürtingen im Landtag vertreten, nun fliegen seine Partei und er aus dem Parlament. Verdaut hat der 35-Jährige das noch nicht.

Es ist ein sonniger Morgen. Der Regen hat sich verzogen, der Himmel ist blau und wolkenlos. Dennis Birnstock kann sich am Wetterumschwung vermutlich aber nur wenig freuen. Er ist an diesem Vormittag in seinem Wahlkreisbüro in Nürtingen – und räumt aus. Die Zeit des 35-Jährigen als Landtagsabgeordneter endet am 30. April nach nur fünf Jahren. „Bis dahin muss alles abgegeben sein“, sagt er.

 

Dennis Birnstocks Partei, die FDP, hat bei der jüngsten Landtagswahl ein geradezu desaströses Ergebnis eingefahren und nur 4,4 Prozent der Zweitstimmen (minus 6,1 Prozentpunkte) geholt. Damit scheiterten die Liberalen an der Fünf-Prozent-Hürde und sind in ihrem Stammland Baden-Württemberg aus dem Parlament geflogen. Dennis Birnstock mit ihnen – auch wenn er in seinem Wahlkreis mit 5,4 Prozent Zweitstimmenanteil ein besseres Ergebnis für die FDP erzielen konnte.

Einige Tage ist diese Nachricht nun alt, doch „die reichen nicht, um das zu verdauen“, bekennt er. Mehr noch als sein eigenes Ausscheiden aus dem Landtag mache ihm das Abschneiden der FDP zu schaffen. Ihn treibe die Sorge um, „wie es mit dem Liberalismus im Land und in Deutschland weitergeht“, sagt Birnstock. Hinzu komme, dass die AfD in Baden-Württemberg künftig „die einzige richtige Opposition“ sei.

„Ich war überzeugt, dass wir besser abschneiden.“

Dennis Birnstock, FDP-Landtagsabgeordneter

Dass die FDP landesweit derart schlecht abschneiden würde, habe er nicht erwartet. „Für mich war es durchaus realistisch, in den Landtag zu kommen“, sagt er rückblickend. Für ihn selbst, so habe er es im Vorfeld ausgerechnet, hätten auf Listenplatz 16 acht oder neun Prozent Stimmenanteil für die Partei gereicht, um eine zweite Amtszeit anzutreten zu können.

„Ich war überzeugt, dass wir besser abschneiden“, resümiert Birnstock. Immerhin: In seiner Heimatstadt Filderstadt lief’s tatsächlich besser. Dort hat der Kandidat aus Harthausen, den eine KI für ein Online-Dating-Vergleichsportal im vergangenen Jahr zum attraktivsten männlichen Mitglied der deutschen Landesparlamente gekürt hatte, 8,2 Prozent der Erststimmen geholt. Bei den Zweitstimmen für die FDP waren es 5,6 Prozent.

Dennis Birnstock ist verheiratet, hat zwei kleine Töchter. Nun muss er sich einen neuen Job suchen. Vor seinem Landtagsmandat hat der studierte Biotechnologe bei einem Start-up in Reutlingen gearbeitet. Ob er dort wieder unterkommt, ist trotz des grundsätzlichen Rechtsanspruchs unklar, wie er einräumt. „Ich bin dabei, mich mit meinem Arbeitgeber zusammenzusetzen“, berichtet er.

So oder so sei er zuversichtlich, dass sich irgendwo neue Türen öffnen werden. Die Politik jedenfalls sei für ihn nicht gestorben. Angefangen hat Dennis Birnstock einst als Jugendgemeinderat in Filderstadt, dann saß er bis 2024 für zwei Legislaturperioden im Gemeinderat. Seit 2023 ist er Vorsitzender des FDP-Kreisverbands Esslingen, und das will er auch bleiben. „Die Politik kriegt man nicht aus mir raus.“

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