Nach der Mosbach-Wahl Freude und Bedauern in Salach

Der Wahltriumph in Mosbach löst bei Julian Stipp und seinen Anhängern riesige Freude aus. Foto: Heiko Schattauer

Der Erfolg Julian Stipps in Mosbach hat Folgen für die Gemeinde Salach. Eine Bürgermeisterwahl muss vorbereitet werden. Der scheidende Schultes will noch Projekte voran bringen.

Respekt und Demut“ empfindet Julian Stipp nach seinem fulminanten Wahlerfolg in Mosbach. Der Salacher Bürgermeister hat sich am Sonntag in der Kreisstadt des Neckar-Odenwald-Kreises mit 80 Prozent der Stimmen gegen Amtsinhaber Michael Jann durchgesetzt. In Salach findet vermutlich Mitte Oktober eine Bürgermeisterwahl statt.

 

Niederlage des Amtsinhabers in der Deutlichkeit nicht zu erwarten

Dass Stipp, der aus Limbach stammt, in seinem Heimatkreis gute Chancen haben würde, habe sich im Verlauf des Wahlkampfs abgezeichnet, sagt Heiko Schattauer, der für die Rhein-Neckar-Zeitung die Lokalpolitik in Mosbach beobachtet. Dass allerdings der 62-Jährige Amtsinhaber Jann (CDU) so deutlich verlieren würde, war nicht zu erwarten und kam auch für Stipp (SPD) überraschend. Der 36-Jährige hatte im Wahlkampf ein gutes Gefühl, aber „Stimmungen sind noch keine Stimmen“, sagte Stipp am Montagnachmittag als er auf dem Rückweg nach Salach war. Das Ausmaß des Wählerauftrags habe ihn doch überrascht. Der Erfolg war am Sonntagabend gefeiert worden. Auch viele Salacher waren vor Ort. Stipp: „Es war sehr schön, bei gutem Wetter, bis spät abends.“

„Die Leute trauen es ihm offenbar zu“, meint Schattauer. Offenbar habe die Parteipolitik in Mosbach, das CDU-nah geprägt ist, keine große Rolle gespielt. Schattauer vermutet, dass die Wählerinnen und Wähler auch einen Generationenwechsel anstrebten. Mit großen Versäumnissen, die seine Abwahl begründen würden, sei Jann nicht aufgefallen.

Julian Stipp will nun bis 1. September in Salach „Dinge abschließen, was geht“. Noch am Montagnachmittag stand in Salach die Gründung des Vereins „Sorgende Gemeinschaft“ an, am Abend hatte er einen Termin bei der Feuerwehr. „Ich bin zutiefst beeindruckt, wie die Salacher mir den Rücken freigehalten haben.“ Die Bürgerinnen und Bürger hätten großes Verständnis für die Kandidatur gezeigt.

Grundsatzentscheidungen für das Schachenmayer-Areal geplant

Bis zu seinem Wechsel in die Kurpfalz will Stipp viele kleinere Projekte voranbringen. Fürs Schachenmayr-Areal sollen städtebauliche Grundsatzentscheidungen fallen. In Salach habe er bei den Vorhaben stets versucht, die Bürger mitzunehmen. „Ich denke, das ist gut gelungen.“ Das soll auch in Mosbach so sein. „Lachendes und weinendes Auge“, ist eine Aussage, die in Salach gerade häufiger zu hören ist. Einerseits freut man sich über den Erfolg den Rathauschefs, andererseits wird der Abgang Stipps als Verlust empfunden. „Es tut allen wahnsinnig leid“, sagt Hauptamtsleiterin Gabriele Dory. Das sei zu spüren. Jetzt gelte es, die verbliebene Zeit zu nutzen. Für die Gemeinde Salach hängt der weitere Zeitplan davon ab, ob das Regierungspräsidium Karlsruhe die Wahl bestätigt. Dies ist zu erwarten. Dann soll die Stelle am 29. Juli ausgeschrieben werden. Die Bürgermeisterwahl könnte am 16. Oktober stattfinden. Das seien aber nur Überlegungen der Verwaltung betont Dory. Der Gemeinderat entscheide.

Kommunalpolitiker lassen Bürgermeister nur ungern ziehen

„Ich denke, er hat erkannt, was die Menschen umtreibt“, bewertet die örtliche SPD-Vorsitzende Ingrid Katz-Hofelich den Erfolg. Den Weggang ihres Parteifreunds aus Salach bedauert sie. Im SPD-Vorstand werde nun über die Kandidatensuche beraten: „Wir sind eine attraktive Gemeinde“, sagt Katz-Hofelich. Auch die politische Konkurrenz sieht „einen Verlust für Salach“, so Björn Schmid. Der Vorsitzende des CDU-Ortsverbands bezeichnet ihn als „umgänglichen und hochqualifizierten Bürgermeister“.

Sprungbrett für OB-Karrieren

Beteiligung
In der 25 000-Einwohner-Stadt Mosbach lag am Sonntag die Wahlbeteiligung bei 41,3 Prozent. Das war immerhin etwas besser als in Geislingen, wo am Sonntag sogar nur 34,2 Prozent der Wahlberechtigten bei der OB-Wahl abgestimmt haben.

Amtsinhaber
Michael Jann war Beigeordneter in Mosbach, als er vor 16 Jahren zum OB gewählt wurde. Vor acht Jahren wurde der CDU-Politiker ohne Gegenkandidat wiedergewählt.

Sprungbrett
Der Bürgermeisterposten in Salach scheint eine gute Grundlage für weitere Karrieren zu sein. Bernhard Ilg (CDU) war von 1986 bis 1999 Rathauschef in Salach. Dann wurde er als OB von Heidenheim gewählt. Der SPD-Politiker Julian Stipp wurde 2016 zum Bürgermeister von Salach gewählt.

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