Nach der Schlägerei in Kassel Polizeigewerkschaft fordert Trennung nach Religionen

Von  

Nach einer Massenschlägerei in einer Flüchtlingsunterkunft in Kassel-Calden, an der bis zu 370 Menschen beteiligt gewesen sein sollen, fordert die Gewerkschaft der Polizei, Asylbewerber nach Religionen getrennt unterzubringen.

Ein Flüchtling im Polizeiauto – 370 Menschen waren an der Prügelei beteiligt. Foto: dpa
Ein Flüchtling im Polizeiauto – 370 Menschen waren an der Prügelei beteiligt. Foto: dpa

Berlin - Nach der Massenschlägerei unter Flüchtlingen in einer Notunterkunft in Kassel-Calden zeigt sich die Bundesregierung alarmiert. Ein Sprecher von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) sagte: „Wir beobachten das mit großer Sorge, dass es Gewalttätigkeiten gibt.“ Der stellvertretende SPD-Chef Ralf Stegner zeigte sich wenig überrascht von den sich zuletzt häufenden Konflikten in den Erstaufnahmelagern.

Die gewalttätigen Übergriffe seien nicht zu entschuldigen, sagte Stegner. Wer hierzulande lebe, habe sich an Gesetze zu halten. Klar sei jedoch auch, dass die lange Verweildauer in den Massenunterkünfte solche Spannungen befördere, weshalb die schleppende Bearbeitung der Asylanträge ja auch so dringend beschleunigt werden müssten, so der SPD-Vize: „Was soll dabei heraus kommen, wenn junge Männer über Wochen in Einrichtungen sind und ewig lange warten auf ihr Verfahren?“ Bei der Schlägerei gab es nach Angaben der Polizei 14 Verletzte. Zu der Auseinandersetzung kam es am Sonntag auf einem ehemaligen Gelände des Flughafens Kassel-Calden. Dort sind in Zelten und Containern etwa 2000 Flüchtlinge aus 20 Nationen untergebracht. An der Schlägerei sollen vor allem Flüchtlinge aus Pakistan und Albanien beteiligt gewesen sein.

Streit zwischen Alt und Jung

Die Polizei nennt als Auslöser für den Konflikt einen Streit zwischen einem Jugendlichen und einem etwa 80-jährigen Flüchtling. Der Jugendliche soll sich bei der Essensausgabe vorgedrängelt haben. Nach einem Wortgefecht habe er dann dem alten Mann ins Gesicht geschlagen. Der Konflikt, an dem zunächst rund hundert Flüchtlinge beteiligt gewesen sein sollen, flammte im Laufe des Tages immer wieder auf. Am Abend trennte die Polizei die zwei zerstrittenen Lager. Am Ende sollen 370 Menschen in die Schlägerei verwickelt gewesen sein. Aus einer der beiden Gruppen ist laut Polizei Tränengas versprüht worden, die Flüchtlinge gingen auch mit Gegenständen aufeinander los. 70 Menschen wurden zur Beruhigung der Lage in eine andere Einrichtung gebracht. Die Polizei ermittelt wegen des Verdachts auf Landfriedensbruch, Körperverletzung und Sachbeschädigung.

Der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke sagte dem Radiosender hr-info, dass er die Zahl der in Kassel-Calden untergebrachten Flüchtlinge bis zum Winter auf 1250 senken und eine ethnische Trennung in den Zelten erreichen wolle. Die Zeltstadt war zunächst für 1000 Flüchtlinge ausgelegt und wurde dann erweitert.

Getrennte Unterbringung

Das Land Hessen prüft ebenfalls Möglichkeiten der Deeskalation, das Sozialministerium zieht in Erwägung, die Essensausgabe gruppenweise zu organisieren. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) bringt die getrennte Unterbringung nach Religionen ins Spiel. Christen und Muslime müssten an unterschiedlichen Orten versorgt werden, forderte der Vize-GdP-Chef Jörg Radek der Zeitung „Die Welt“. „Wir müssen alles tun, um weitere Gewaltausbrüche zu verhindern, eine getrennte Unterbringung auch nach Religionen halte ich für absolut sinnvoll“, so Radek. Unterstützung erfährt die GdP vom ehemaligen Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU). Der Vizefraktionschef der Union im Bundestag sagte dem Sender N24, eine getrennte Unterbringung der Flüchtlinge sei „dringend notwendig“. „Wenn jemand glaubt, dass die Konflikte, die sie in ihren Herkunftsländern haben, nicht hierher gebracht werden, dann täuscht der sich gewaltig und ist sehr blauäugig“, so Friedrich.