Gut zwei Wochen später teilt Anja Sauer mit, dass sie sich nach reiflicher Überlegung entschieden habe, die Oberbürgermeisterwahl in Eislingen anzufechten. Den Einspruch habe sie fristgerecht und in Begleitung eines Fachanwalts eingereicht. Dass sie sich zu diesem Schritt möglicherweise entscheiden würde, hatte Anja Sauer bereits im Vorfeld angekündigt.
Kandidatin fühlt sich von der Presse angegriffen
„Es liegen mehrere belegbare Tatsachen vor, die aus meiner Sicht die Wahl anfechtbar machen und mich zu diesem Schritt bewogen haben“, erklärt Anja Sauer nun. Grundlage hierfür seien unter anderem Unregelmäßigkeiten im Zusammenhang mit dem Ablauf der Wahl sowie der begleitenden Kommunikation, die einer rechtlichen Überprüfung bedürften. Sie stehe diesbezüglich im Kontakt mit dem Regierungspräsidium Stuttgart, und es hätten auch schon einige Telefonate stattgefunden, sagte Sauer auf Nachfrage.
Einen Vorwurf macht sie aber auch der örtlichen Presse, die „mehrfach“ versucht habe, „mich gezielt zu diskreditieren.“ Wenige Tage nach der Wahl am 8. März wurde bekannt, dass Sauer in ihren Informationsmaterialien, etwa auf ihrer Homepage, keine Angaben zur Wahlfinanzierung und möglichen Geldgebern gemacht hatte. Das ist seit Oktober 2025 nach der TTPA-Verordnung (Transparenz und das Targeting politischer Werbung) der EU Pflicht. Darüber wurde ebenso berichtet wie über die Tatsache, dass auf Sauers Wahlkampf-Homepage Cookies nicht abgelehnt werden konnten. Auch das ist rechtlich vorgeschrieben. Römersteins Bürgermeisterin holte das Versäumnis zeitnah nach, sah darin aber auch zu diesem Zeitpunkt, kurz vor der Ziellinie, einen Angriff auf sich.
„Die Pattsituation in der Stichwahl noch einmal reflektieren“
„Es geht mir nicht primär darum, die Wahl zu gewinnen, sondern um die Einhaltung unserer Rechtsstaatsprinzipien und das Vertrauen in unsere staatlichen Institutionen – konkret in die Presse vor Ort sowie die Stadtverwaltung Eislingen“, betont Anja Sauer bezüglich ihrer Motivation, die Wahl anzufechten. Zudem wolle sie die Pattsituation in der Stichwahl noch einmal reflektieren. Die Entscheidung sei immens knapp gewesen. „Ich gehe davon aus, dass bei einer höheren Wahlbeteiligung von mehr als 41 Prozent die Wahl für mich entschieden worden wäre.“
In ihren Augen habe auch ein großer Brand in der Innenstadt am Wahltag eine Rolle gespielt. Vor all diesen Hintergründen sehe sie es als ihre Verpflichtung und als Auftrag aus der Eislinger Bürgerschaft, die Einhaltung zentraler demokratischer Grundsätze bei der Wahl einzufordern. „Es geht hier um unsere Rechtsstaatlichkeit, Ehrlichkeit, Fairness, Neutralität, Chancengleichheit, Dienst- und Privatinteressen sowie moralische Aspekte“, erklärt Sauer. Weiter gehe es darum, dass die Große Kreisstadt Eislingen einen Oberbürgermeister erhalte, der nicht bereits im Vorfeld unlautere Mittel angewendet habe, um die Wahl für sich zu entscheiden. „Auch diesen Aspekt muss das Regierungspräsidium Stuttgart im Rahmen seiner Prüfung explizit bewerten“, stellt Anja Sauer in ihrer Mitteilung klar.
Wahlsieger Oliver Marzian bleibt gelassen
Auf Nachfrage erklärte Oliver Marzian: „Die Bürgerinnen und Bürger von Eislingen haben mich am 22. März demokratisch zu ihrem Oberbürgermeister gewählt.“ Er könne verstehen, dass Anja Sauer enttäuscht ist. Warum sie allerdings die Wahl jetzt anfechten will, sei ihm ein Rätsel. „Ich sehe dieser Wahlprüfung jedoch mit großer Gelassenheit entgegen, da an den – auch gegen meine Person – erhobenen Vorwürfen, Mutmaßungen und Spekulationen nachweislich nichts dran ist“, sagte Marzian. „Nach einem langen und anstrengenden Wahlkampf sehnen sich die Eislingerinnen und Eislinger nach Ruhe, klaren Verhältnissen und einem geordneten Übergang.“
Mit mehr als 30 Jahren Erfahrung in der öffentlichen Verwaltung und damit in staatlichen Strukturen sei sie überzeugt, dass das Vertrauen in den Rechtsstaat und die Demokratie nur dann nachhaltig gestärkt werde, „wenn rechtsstaatliche Prinzipien nicht nur in Büchern formuliert, sondern konsequent von allen Organen des Staates angewendet werden“. Die Anfechtung der Wahl habe sie in ihrer Freizeit in die Wege geleitet, erklärt Anja Sauer, die Bürgermeisterin in Römerstein ist, und betont erneut, dass die Entscheidung diesen Schritt zu gehen, nichts damit zu tun habe, dass sie nicht verlieren könne. Im Rahmen der Wahlanfechtung habe sie die zuständige Aufsichtsbehörde, das Regierungspräsidium Stuttgart, gebeten, die vorgetragenen Punkte rechtlich zu bewerten. „Darüber hinaus schließe ich eine gerichtliche Klage nicht aus“, sagte Sauer.