Nach der Verhaftung von Salah Abdeslam Die Spur des Terrors führt wieder einmal nach Ulm

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Salah Abdeslam, einer der Pariser Attentäter, ist schon zuvor in Ulm aufgefallen. Laut Staatsanwaltschaft soll Abdeslam rund sechs Wochen vor den Anschlägen mit einem Komplizen in Ulm gewesen sein.

Der Terrorverdächtige Salah Abdeslam ist am 19. März in Brüssel verhaftet worden. Foto: AP
Der Terrorverdächtige Salah Abdeslam ist am 19. März in Brüssel verhaftet worden. Foto: AP

Ulm - Der Terrorverdächtige Salah Abdeslam könnte bei der Vorbereitung der Anschläge von Paris Unterstützer aus Ulm gehabt haben. Wie der Pariser Staatsanwalt Francois Molins am Samstag erklärte, ist der 26-jährige Abdeslam am 3. Oktober, also rund sechs Wochen vor den Paris-Anschlägen, zusammen mit einem Komplizen in Ulm gewesen. Dieser habe sich mit gefälschten syrischen und belgischen Papieren mal als Munir Ahmed Alaadsch, mal als Amine Choukri ausgegeben. Der Komplize wurde am Freitag zusammen mit Abdeslam in Molenbeek gefasst. Fast zeitgleich machte am Samstag ein Sprecher der belgischen Staatsanwaltschaft gleichlautende Angaben.

Was Abdeslam in Ulm gemacht hat, ist unklar. Der Südwestrundfunk berichtete am Samstag, ein von den Verdächtigen angemietetes Auto sei in der Nähe einer Ulmer Flüchtlingsunterkunft geparkt worden. Dort habe Abdeslam drei Männer abgeholt, die sich als Syrer ausgegeben hätten. Bei einer Anwesenheitskontrolle in der Unterkunft am 3. Oktober hätten die drei Männer gefehlt. Wer sie sind, werde derzeit unter anderem vom Bundeskriminalamt geprüft. Abdeslams Aufenthalt in Ulm habe nur rund eine Stunde gedauert. Eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft sagte am Sonntag: „Es besteht der Verdacht, dass der Beschuldigte Abdeslam in Ulm gewesen ist.“ Einzelheiten des SWR-Berichts wollte sie mit Verweis auf laufende Ermittlungen nicht bestätigen.

Die Ulmer Spur wurde durch Fingerabdrücke aufgedeckt

Gegen den 26-Jährigen läuft schon länger ein deutsches Ermittlungsverfahren. Schon kurz nach den Anschlägen in Paris am 13. November war es eingeleitet worden, weil sich unter den Getöteten auch zwei Deutsche befanden. Offenbar ist die Ulmer Spur durch einen Abgleich von Fingerabdrücken aufgedeckt worden. Nach Angaben der belgischen Staatsanwaltschaft vom Samstag sind Abdeslam und sein Komplize am 3. Oktober in Ulm in eine Polizeikontrolle geraten. Dabei seien die Fingerabdrücke genommen worden.

Ulm rückt damit erneut in den Zusammenhang mit Terrorismus. Aus der Donaustadt und dem bayerischen Neu-Ulm heraus haben radikalisierte Islamisten sowie Terroristen jahrelang Ermittler in Atem gehalten. So hatte sich die so genannte Sauerland-Gruppe an der Donau zu Attentaten auf US-Soldaten zusammengefunden. Zudem waren seit der Jahrtausendwende vor allem deutsche Konvertiten durch radikalisierte Prediger für den bewaffneten Kampf angeworben worden. Belegt sind auch Zeugenhinweise, wonach sich schon vor 2001 der 9/11-Attentäter Mohammed Atta in Neu-Ulm aufgehalten haben soll.

Die Ermittlungsgruppe Donau wurde 2014 aufgelöst

Die Länderpolizeien Baden-Württembergs und Bayerns hatten seinerzeit lange gebraucht, die Strukturen zu durchschauen und die gemeinsame Ermittlungsgruppe „Donau“ zu gründen. Sie bekam ihren ständigen Sitz in den Räumen der Polizeiinspektion Neu-Ulm. Aber Ende 2014, nachdem die Islamistenszene an der Donau nach einer ganzen Reihe von Verhaftungen und Gerichtsverfahren zerschlagen schien, wurde die Sondereinheit aufgelöst – mit dem Hinweis, dass der Platz in der Dienststelle anderweitig gebraucht werde. Die frühere Neu-Ulmer Oberbürgermeisterin und heutige bayerische Europaministerin Beate Merk (CSU) hatte die Auflösung als ein „verheerendes Signal“ bezeichnet.

Aus Polizeikreisen verlautete dagegen, ab 2013 habe es praktisch keine Ermittlungsansätze mehr in Richtung Islamismus gegeben. Die Einschätzung, die Radikalenszene sei besiegt, könnte sich nun als falsch herausstellen. Kaum zu glauben, sagte am Wochenende ein Insider der Polizei, dass Ulm zufällig zur Netzwerk-Landkarte der Paris-Attentäter gehörte. Das Innenministerium Baden-Württemberg wollte sich am Sonntag nicht äußern. Alle Verlautbarungen zur Sache, sagte ein Sprecher, steuere jetzt der Generalbundesanwalt.