Zwei Jahre haben uns Masken nicht nur bei der Eindämmung des Coronavirus geholfen, sondern auch die Zahl anderer Atemwegsinfektionen gesenkt. Mit dem Wegfall der Maskenpflicht könnten sie jetzt wieder verstärkt auftreten.

Digital Unit : Jana Matisowitsch (jam)

Zwei Jahre lang haben Masken in diversen Ausführungen unseren Alltag begleitet. Seit vergangenem Sonntag ist das Tragen in vielen Bereichen, etwa beim Einkaufen, keine Pflicht mehr. Nicht nur bei der Eindämmung des Coronavirus ist die Mund-Nasen-Bedeckung effektiv. Sie bietet auch Schutz vor der Weitergabe von Erkältungskrankheiten und der Grippe. In der Saison 2020/2021 ist eine Grippewelle ausgeblieben – eine Begleiterscheinung von Kontaktbeschränkungen und Maskenpflicht. Auch in diesem Jahr bewegen sich die Zahlen bislang auf niedrigem Niveau.

Doch ein Umstand hat sich nun geändert. Die Politik setzt beim Tragen der Masken inzwischen in vielen Bereichen auf Freiwilligkeit. „Der Einzelne sollte sich von den Lockerungen jetzt nicht irritieren lassen: Die Pandemie ist noch nicht vorbei“, sagte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach kurz vor der Aufhebung der Deutschen Presse-Agentur. Sein Appell: „Bitte tragen Sie freiwillig Masken in Innenräumen.“

Hygiene-Experte hält Aufhebung für verfrüht

Ernst Tabori, ärztlicher Direktor des Deutschen Beratungszentrums für Hygiene in Freiburg, hält die Aufhebung der Maskenpflicht aus infektiologischer Sicht für verfrüht. „Weshalb wird gerade in der Phase mit täglich mehr als 200.000 Neuinfektionen und über 300 Todesfällen pro Tag sowie einer bundesweiten Sieben-Tage-Inzidenz von über 1300 ein solch wirksames, wenig belastendes und bereits gut etabliertes Instrument abgeschafft?“, fragt sich der Experte und ergänzt: „Insbesondere da die zurzeit dominierende Virusvariante zusätzlich noch deutlich ansteckender ist als ihre Vorgänger.“

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Nach Angaben des Hausärzteverbands Baden-Württemberg sind die Hausarztpraxen derzeit immer noch sehr stark ausgelastet. Das liege an den vielen Coronainfizierten und den saisonal bedingten Erkältungskrankheiten. Laut Pressesprecher Manfred King ist die Belastung mit Beginn der Omikron-Welle massiv gestiegen. „Die Praxisteams arbeiten am Rande ihrer Belastungsgrenzen und nicht selten auch auf Kosten ihrer Gesundheit“, sagt King.

Arztpraxen erwarten erhöhtes Patientenaufkommen

Der Hausärzteverband des Landes rechnet damit, dass die Corona-Infektionszahlen durch den Wegfall der Maskenpflicht nun langsamer sinken werden. Zwar würden die steigenden Temperaturen helfen, die Zahlen der Grippe- und Erkältungskrankheiten zu reduzieren. Doch viele Arztpraxen erwarten durch die Aufhebung der Maskenpflicht in den meisten Bereichen nun ein erhöhtes Patientenaufkommen wegen Atemwegsinfektionen. „Ob eine weitere Krankheitswelle bevorsteht, lässt sich noch nicht sagen“, so Manfred King. „Es wird auch davon abhängen, wie sich die Menschen verhalten. Ob sie im Sinne der Eigenverantwortung weiter die Masken tragen, oder gänzlich darauf verzichten“, sagt der Pressesprecher.

Dass zum jetzigen Zeitpunkt der Pandemie das Verantwortungsbewusstsein eines jeden einzelnen stark gefragt ist, bekräftigt auch Tabori. Der Experte rät dazu, die bewährten Hygienemaßnahmen beizubehalten und in allen Bereichen in denen Menschen zusammenkommen, vor allem im öffentlichen Raum, weiterhin konsequent eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen. „Das Maskentragen stellt eine sehr einfache und in Ergänzung zur Impfung gegen COVID-19 die wirksamste Präventionsmaßnahme gegen eine Infektion und schwere Erkrankung dar“, so Tabori.

Immunsystem ist auch im Alltag ständig gefordert

Auf die Frage, ob es negative Auswirkungen für das Immunsystem gibt, wenn man über einen langen Zeitraum jeder Infektion aus dem Weg geht, hat der Experte eine klare Antwort: „Nein“. Denn mit der Maske und sozialer Distanzwahrung verhindere oder senke man in erster Linie das Übertragungsrisiko für Atemwegsinfektionserreger, wie zum Beispiel Influenza- und SARS-CoV-2-Viren. „Das führt aber gewiss nicht dazu, dass nun unser Immunsystem im gewöhnlichen Lebensalltag nichts mehr zu tun hätte“, betont Tabori. Und: Auch jede Impfung stelle eine sinnvolle Beschäftigung des Immunsystems dar und sorge so für eine dauerhafte Stärkung.