Nach Flugzeugabsturz Boeing 737 Max 8 bleibt in vielen Ländern am Boden

Von red/AP 

Viele Länder verbieten Starts und Landungen von Flugzeugen des Typs Boeing 737 Max. Zu sehr ähnelt das Unglück vom Sonntag dem Absturz einer baugleichen Maschine vor fünf Monaten. Sind die Schlüsse voreilig?

Flugzeuge des Typs Boeing 737 Max bleiben in weiten Teilen der Welt am Boden. Foto: YONHAP
Flugzeuge des Typs Boeing 737 Max bleiben in weiten Teilen der Welt am Boden. Foto: YONHAP

Hejere - In weiten Teilen der Welt bleiben Flugzeuge des Typs Boeing 737 Max am Boden. Nach dem Absturz einer zweiten Maschine dieses Typs innerhalb von nur fünf Monaten verboten viele Länder den Start und die Landung oder sperrten ihren Luftraum für die Maschinen. Die USA waren eines der wenigen Länder, in denen am Dienstag keine Verbote galten.

Die Europäische Flugsicherheitsbehörde EASA verhängte ein Start- und Landeverbot, ebenso wie viele Regierungen in Asien und dem Nahen Osten. Verbote galten unter anderem auch für Irland und Australien. Singapur, die Vereinigten Arabischen Emirate, Neuseeland und Fidschi verbannten alle Flugzeuge dieses Typs aus ihrem Luftraum.

Eine Boeing des Typs Boeing 737 Max 8 der Gesellschaft Ethiopian Airlines war am Sonntag sechs Minuten nach dem Start abgestürzt. Alle 157 Insassen kamen ums Leben. Hinweise deuten auf Ähnlichkeiten des Unglücks in Äthiopien mit dem Absturz einer Boeing des gleichen Typs über Indonesien im Oktober hin. Damals kamen 189 Menschen um.

FAA unterstreicht Flugtauglichkeit

Turkish Airlines, Oman Air, Norwegian Air Shuttle, Icelandair und die südkoreanische Gesellschaft Easter Jet setzen ebenfalls die Nutzung der Flugzeuge aus. Ein Mitarbeiter von Turkish Airlines sagte, zwei Flugzeuge auf dem Weg nach Großbritannien seien nach Istanbul zurückgekehrt, nachdem der Luftraum gesperrt wurde.

Der in den USA ansässige Flugzeugbauer Boeing teilte mit, es gebe keinen Grund für ein Startverbot der populären Maschine. Boeing beabsichtige keine neuen Empfehlungen gegenüber Kunden hinsichtlich der Funktionsweise. In einem Gespräch mit US-Präsident Donald Trump versicherte Boeing-Chef Dennis Muilenburg, dass die 737 Max 8 sicher sei. Technische Mitarbeiter schlossen sich dem internationalen Team von Experten unter anderem aus den USA, Israel und Kenia an, um die von Äthiopien geleiteten Ermittlungen zu unterstützen.

Die US-Luftfahrtbehörde FAA unterstrich die Flugtauglichkeit. Die Behörde ging davon aus, dass Boeing ein automatisches System gegen Strömungsabriss bald verbessern werde, von dem vermutet wird, es könne zu dem Absturz im Oktober beigetragen haben. „Bisher zeigen unsere Überprüfungen keine Probleme der Systemleistung“, teilte der Leiter der FAA Daniel K. Elwell mit. Auch andere Luftfahrtbehörden hätten keine Daten übermittelt, die Startverbote rechtfertigten.

Einige US-Fluggesellschaften zeigten Unterstützung für Boeing. American Airlines und Southwest flogen weiterhin mit der Maschine. Der Vizepräsident einer der weltweit größten Speditionsgesellschaften American, die 24 Maschinen des Typs 737 Max 8 besitzt, teilte mit, die Gesellschaft habe „volles Vertrauen in das Flugzeug“.

Experten fordern Konsequenzen

Einige Sicherheitsexperten warnten vor zu vielen, zu frühen Vergleichen mit dem Absturz der Lion-Air-Maschine im Oktober. Andere forderten Konsequenzen. Der Berufsverband der Flugbegleiter, der mehr als 26 000 Mitarbeiter von American Airways repräsentiert, rief dessen Chef Doug Parker auf, ein Startverbot „dringend zu erwägen“ bis eine Untersuchung eingeleitet werden kann. Die größte US-Verbraucherschutzorganisation rief Fluggesellschaften und die FAA ebenfalls zu einem vorläufigen Startverbot auf.

Trump meldete sich auf Twitter zu Wort. Zusätzliche „Komplexität erschafft Gefahr“ bei modernen Flugzeugen und hindere Piloten, Entscheidungen in Sekundenbruchteilen zu treffen, schrieb der Präsident.

Ein Pilot, der die Absturzstelle wenige Minuten nach dem Unglück sah, sagte der Nachrichtenagentur AP, das Flugzeug schien direkt „in die Erde gerutscht“ zu sein. „Es gab nichts zu sehen“, sagte Solomon Gizaw. „Es sah aus, als hätte die Erde das Flugzeug verschluckt.“ Das Wrack wurde von der äthiopischen Luftwaffe entdeckt. Einige Experten gehen davon aus, dass es Monate dauern wird, den Grund des Absturzes zu untersuchen.

Ethiopian Airlines wird als die am besten geführte Airline Afrikas betrachtet. Die Gesellschaft beschloss, alle Flugzeuge des Typs am Boden zu halten. Sie nutzt normalerweise 5, und hat 25 weitere bestellt.