Blindgänger aus dem 2. Weltkrieg Wer kennt die Zahl der Bomben in Stuttgarts Untergrund?

Allein im Jahr 2024 hat der Kampfmittelbeseitigungsdienst in ganz Baden-Württemberg 13 Bombenblindgänger wie diesen entschärft. Foto: SDMG

In Stuttgart werden regelmäßig Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden. Warum mit ähnlichen Funden zu rechnen ist und wie viele Bomben damals abgeworfen wurden.

Nach getaner Arbeit wird die 250 Kilogramm schwere Fliegerbombe von den Feuerwerkern noch einmal zur Schau gestellt. Der rostige Haufen aus Metall und Sprengstoff war am Dienstagabend die Ursache dafür, dass Einsatzkräfte im Bereich der Augsburger Straße in Stuttgart-Untertürkheim im großen Stil Wohnungen evakuiert, Einwohner in Sicherheit gebracht und wichtige Verkehrswege gesperrt haben. Funde wie diese sind inzwischen fast zur Routine geworden. Sie sind die späten Folgen aus einem der 53 Luftangriffe, die die Alliierten während des Zweiten Weltkriegs auf die Landeshauptstadt geflogen haben. Doch wie viele Bomben liegen noch im Untergrund der Stadt?

 

Die Antwort darauf ist schwierig, um nicht zu sagen: unmöglich. Denn es fehlen die Daten. Was man weiß: Allein im Jahr 2024 hat der Kampfmittelbeseitigungsdienst (KMBD) in ganz Baden-Württemberg 13 Bombenblindgänger aus den beiden Weltkriegen entschärft. Im Jahr zuvor waren es 16 gewesen. Daneben muss der KMBD auch dann ausrücken, wenn alte Granaten, Minen oder Munition gefunden werden. Insgesamt waren es im vorigen Jahr 16,6 Tonnen an Kampfmitteln und Munition, die der KMBD einsammelte und vernichtete.

130 000 Brandbomben auf Stuttgart abgeworfen

Bei den Luftangriffen auf Stuttgart wurden laut dem gemeinnützigen Verein Schutzbauten Stuttgart e.V. zusammengerechnet 12 000 Sprengbomben und 130 000 Brandbomben abgeworfen. Besonders betroffen waren die Industriegebiete, wo auch Rüstungsgüter hergestellt wurden – wie etwa Bad Cannstatt. Dort kam es vor ungefähr einem Monat zu einem spektakulären Fund.

In Bereich Birkenäcker in Bad Cannstatt mussten am 10. Juli Bewohner in Sicherheit gebracht und der Bereich um eine Baustelle weiträumig gesperrt werden. Damals war es eine 500 Kilogramm schwere Bombe, die gefunden und ebenfalls an Ort und Stelle entschärft werden musste. Auch hier muss man davon ausgehen, dass es nicht der letzte Fund dieser Art gewesen ist.

Keine belastbaren Schätzungen zu Blindgängern in Stuttgart und Baden-Württemberg

„Da schätzungsweise 10 bis 15 Prozent der Abwurfmunition in den Kriegstagen nicht zur Umsetzung kam, muss auch weiterhin mit Sprengbombenfunden dieser Art gerechnet werden“, erklärt ein Sprecher des Regierungspräsidiums. Es sei bekannt, wie viel abgeworfen worden ist und wie viel der KMBD im Laufe der Jahre beseitigt hat. „Was uns wiederum nicht bekannt ist, ist wie viele Entschärfungen und Sprengungen von Blindgängern bereits in den Kriegstagen und in der unmittelbaren Nachkriegszeit erfolgt sind. Daher können wir zu den aktuell im Boden verbleibenden Kampfmitteln keine belastbare Schätzung abgeben.“

Wegen dieses kaputten Zünders ist die Bombe vor über 80 Jahren nicht hochgegangen. Foto: SDMG

Beim KMBD lagern alte Luftbildaufnahmen, anhand derer die Experten Bereiche identifizieren, in denen sich noch Blindgänger befinden könnten. Dort finden auch regelmäßig Untersuchungen statt. Im vergangenen Jahr suchte der KMBD eine Fläche ab, die insgesamt der Größe von rund 70 Fußballfeldern entspricht. Insbesondere auf Baustellen werden immer neue Blindgänger ans Licht befördert.

Dass die Bombe, die am Dienstag in Untertürkheim gefunden wurde, vor 80 Jahren nicht hochgegangen ist, lag an einem beschädigten Zünder. Die Bombe wurde nach der Bergung per Lastwagen auf das Gelände des KMBD bei Sindelfingen gebracht, wo die Überreste vernichtet werden. Für ähnliche Einsätze stehen die Mitarbeiter rund um die Uhr bereit.

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