Nach gelber Karte des Regierungspräsidiums Matthias Knecht legt konkrete Sparmaßnahmen vor
Der Ludwigsburger Oberbürgermeister ist mit den Sparfortschritten zufrieden. Auch das bislang kritische Regierungspräsidium sieht großes Bemühen.
Der Ludwigsburger Oberbürgermeister ist mit den Sparfortschritten zufrieden. Auch das bislang kritische Regierungspräsidium sieht großes Bemühen.
Die Zeiten, in denen nur über das Sparen gesprochen wurde, sind endgültig vorbei. Das ist die Botschaft, die Ludwigsburgs Oberbürgermeister Matthias Knecht während eines Termins am Montagvormittag ausgesendet hat. Jetzt gilt: Priorisieren, Ausgaben streichen, Kosten drücken und Subventionen gewinnen. Mittlerweile gibt es mehrere konkrete Maßnahmen, durch die Millionen Euro gespart werden – für den kommenden Haushalt kündigt Knecht einen weiteren großen Sprung an. Das Regierungspräsidium hat die Bemühungen registriert und spricht ein Lob aus.
Zur Erinnerung: Wegen des Haushaltsplans 2024 mit tiefroten Zahlen zückte das Regierungspräsidium Stuttgart Anfang März die Gelbe Karte. Ludwigsburg müsse endlich anfangen zu sparen. Wegen großer Investitionen könnte der Schuldenstand der Stadt bis 2027 auf mehr als 200 Millionen Euro steigen. Das Regierungspräsidium forderte Ergebnisse – und das bis Mitte des Jahres. Dieser Schuss vor den Bug wirkt offenbar.
Nicht ganz ohne Stolz führten Matthias Knecht und die Mitarbeiter des Fachbereichs Hochbau am Montag durch die frisch renovierten Zimmer des Verwaltungsgebäudes an der Wilhelmstraße. Ursprünglich wollte die Stadt fast 19 Millionen Euro für die Arbeiten ausgeben, am Ende waren es nur 2,5 Millionen Euro. „Natürlich konnten wir nicht so viel machen, wie eigentlich gedacht“, sagt Knecht. Beispielsweise blieb die Wärmeeffizienz auf der Strecke. „Wir konnten hier aber trotzdem etwas bewegen.“
Durch die Renovierung konnten 50 Mitarbeiter zurück in die Wilhelmstraße ziehen. Die waren jahrelang in einem Mietobjekt in der Uhlandstraße untergebracht. Laut Stadtverwaltung spare man durch die Rückkehr der Mitarbeiter jährlich rund 185 000 Euro. Weitere teure Mietverhältnisse sollen in den kommenden Jahren gekündigt werden – und die städtischen Mitarbeiter enger zusammenrücken. Da sowieso viel im Homeoffice gearbeitet wird, kommen in Zukunft auf zehn Mitarbeiter nur noch sieben Schreibtische, das sogenannte Desksharing.
Auch der Kreisverkehr an der Sternkreuzung wird die Stadt kaum etwas kosten. Mehr als 90 Prozent der 1,7 Millionen Euro Baukosten werden gefördert. 80 Prozent sind es bei der Aufwertung des Ehrenhofs. Hinzu kommen die Sparmaßnahmen an der Venezianischen Messe und die Flüchtlingssozialarbeit, die an den Landkreis übergeben wurde. Mit einem Schlag werden 18,5 Stellen aus der städtischen Rechnung gestrichen.
Das Sparziel der Stadtverwaltung ist seit Längerem bekannt: 15 Millionen Euro sollen mithilfe des Projekts WIN (wirtschaftlich, innovativ, neu denken) pro Jahr im laufenden Betrieb eingespart werden. Dafür wurden 1800 Sparvorschläge aus der Verwaltung und Politik gesammelt, 240 davon werden in den Haushalt 2025 eingearbeitet. „Die 240 Vorschläge haben ein jährliches Sparvolumen von 34 Millionen Euro“, sagt Knecht. Soweit wird es aber nicht kommen, der Gemeinderat wird diskutieren, Sparvorschläge aufweichen und streichen. Knecht schätzt, dass nächstes Jahr zwei Millionen Euro der 15-Millionen-Zielmarke eingespart werden könnten.
Die Stadt habe verschiedene kurz- und mittelfristig umsetzbare Maßnahmen dargelegt, sagt eine Sprecherin des Regierungspräsidiums Stuttgart auf Nachfrage. „Die Stadt ist sehr bemüht, der negativen finanzwirtschaftlichen Entwicklung entgegenzuwirken und hat auch den Handlungsbedarf erkannt.“ Ein Lob, das im Rathaus für Freude sorgen dürfte. Denn noch steht der leiser werdende Vorwurf im Raum, dass die Verwaltung den Rotstift scheut.