Während am neuen Busdepot in Gaisburg gebaut wird, sind die Fahrzeuge auf einem EnBW-Areal an der B 10 abgestellt. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
In Gaisburg bauen die Stuttgarter Straßenbahnen nach dem verheerenden Großbrand 2021 ein neues Busdepot. Bis das fertig ist, müssen die Busse auf einer Ersatzfläche abgestellt werden – mit Folgen für das Personal und die Abläufe.
Wo die Energie Baden-Württemberg einst ihren Kohlenvorrat fürs benachbarte Kraftwerk gebunkert hat, parken die Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) nun einen Teil ihrer Busflotte. Auf dem Areal an der Bundesstraße 10 im Neckartal sind die großen gelben Fahrzeuge fein säuberlich aufgereiht. Und nur die Tatsache, dass es statt eines großen Personalgebäudes lediglich ein paar Container gibt, deutet auf den vorübergehenden Charakter der Lösung hin. „Aber wir haben uns quasi dort einen neuen Betriebshof gebaut“, sagt Markus Wiedemann, der bei den SSB den Unternehmensbereich Kraftfahrzeuge leitet.
Busparkplatz statt Kohlenbunker
Die Fläche – eingerahmt von Bundesstraße, Kraftwerksgelände und Industriegebiet – nutzen zu können, ist für die SSB so etwas wie Glück im Unglück. Keine zehn Gehminuten entfernt ist das eigentliche Busdepot des Nahverkehrsunternehmens vor knapp drei Jahren in Flammen aufgegangen. Das Gros der Busse brachten SSB-Mitarbeiter in Sicherheit, das Depot aber musste abgerissen werden. Längst drehen sich die Kräne für den Neubau, der knapp 30 Millionen Euro kosten soll. Doch bis der bezugsfertig ist, benötigen die Busse ein Ausweichquartier. Auf der Suche nach einem Standort sind die SSB auf die brachliegenden, ehemaligen Kohlehalden gestoßen.
Die rund 15 000 Quadratmeter große Asphaltfläche ist weit mehr als nur ein Parkplatz. Lampen sorgen in den Nachtstunden für soviel Helligkeit, dass die Mitarbeiter ihren Job sicher erledigen können. An den Masten hängen zudem gut sichtbar Antennen fürs mobile Internet. Die sorgen nicht etwa dafür, dass die SSBler vor Ort keine wichtige Nachricht verpassen, sondern sie bringen die Busse selbst auf den neusten Stand. Wenn wegen einer Baustelle die Linie umgeleitet wird, eine Haltestelle nicht angefahren werden kann oder sich sonst etwas ereignet, das einen normalen Betrieb unmöglich macht, wird das per Datenübertragung in die Software der Busse eingepflegt.
Markus Wiedemann (l.) und Nils Himmelmann von den SSB auf dem Interims-Busdepot in Sichtweite des Gaskessels. Foto: Max / Kovalenko
Die Updates sind aber auch schon alles, was auf dem Interimsabstellplatz an den Bussen gemacht werden kann. Für die Reinigung, das Tanken oder fürs Erledigen kleinerer Reparaturen müssen die Fahrzeuge wieder in den Teil des Depots Gaisburg gebracht werden, der vom Feuer verschont geblieben ist. Deswegen wird die Flotte der 80 Busse jede Nacht zwischen den benachbarten Standorten hin und her bewegt. Das ist aber nicht die einzige Besonderheit, mit der die Mitarbeiter zurecht kommen müssen. „Wir haben nun auch zwei separate Dienstpläne, je nachdem, auf welchem Betriebshof die Schicht beginnt“, sagt Nils Himmelmann, Betriebsleiter bei den SSB.
Neues Depot mit Anschluss an Wasserstoff-Pipeline
Der Zustand wird wohl noch knapp zwei Jahre andauern. Im Frühjahr 2026 wollen die SSB den Neubau am alten Standort in Betrieb nehmen. Der ist dann auch für die sich wandelnde Busflotte gerüstet. Ladesäulen mit einer Leistung von bis zu 180 Kilowatt sorgen für neue Energie bei den Elektrobussen. Ein Anschluss an eine geplante Wasserstoff-Pipeline versorgt die Flotte, bei der die SSB auf diesen Antrieb setzen und die Anfang kommenden Jahres um zehn Gelenkbusse wachsen wird. Nach dem Umzug aufs bisherige Areal werden die SSB – Stand heute – den Interimsabstellplatz wieder in den Zustand zurückversetzen, in dem sie ihn von der EnBW übernommen haben.