Von Großbrand betroffen Schorndorfer Familie sucht dringend eine neue Bleibe

Sassa Xylouri auf ihrer Terrasse – direkt neben ihrem Wohnzimmerfenster wütete das Feuer. Foto: Phillip Weingand

Bei einem Feuer in Schorndorf ist ein Millionenschaden entstanden. Eine Betroffene berichtet von traumatischen Erfahrungen für sie und ihre beiden Kinder.

Rems-Murr: Phillip Weingand (wei)

Der Brandgeruch hängt überall. Er ist in den Sofas und der Tapete, und er hat sich auch in den Polstern der Stühle festgesetzt. „Und das, obwohl ich gerade erst gelüftet habe“, sagt Sassa Xylouri. Wie knapp sie und ihre beiden Kinder vor rund zwei Wochen mit dem Leben davonkamen, wird bei einem Gang auf die Terrasse deutlich. Direkt am Wohnzimmerfenster der Familie hängt herausgerissene Isolierung, überall Ruß und verkohlte Baustoffe. Der Anbau, nur einen Schritt weiter, ist ein Raub der Flammen geworden. Der Blick aus fast jedem Fenster gleicht einem Katastrophengebiet. An dem Bauzaun, der einige Meter vor ihrer Haustür aufgestellt ist, hängen Zettel mit der Aufschrift „Zutritt verboten, Explosionsgefahr“.

 

Am Morgen des 19. Januar, kurz nach 7 Uhr, schreckte die 46-Jährige durch eine Explosion auf. „Der Knall war wirklich heftig“, erinnert sich die Schorndorferin. „Mein 17 Jahre alter Sohn und ich sind runter ins Wohnzimmer gerannt.“ Die 14 Jahre alte Tochter hat dagegen einen festen Schlaf – „deswegen macht ihr die Sache jetzt auch umso mehr Angst. Sie hätte nichts bemerkt“, sagt ihre Mutter.

Der Großbrand in Schorndorf – ein traumatisches Erlebnis

Nur wenige Meter vor der Haustüre hängen diese Schilder. Foto: Weingand

Die Sache – gemeint ist der Großbrand, wegen dem sich die Familie jetzt eine neue Bleibe suchen muss. Zwar ist Familie Xylouri körperlich nichts passiert. Aber die Wohnung ist unbewohnbar. „Wir haben uns hier immer sehr wohlgefühlt“, sagt Xylouri. Alles ist – abgesehen von den Spuren des Brandes und der Löscharbeiten – sauber, gepflegt, geschmackvoll und hochwertig eingerichtet. Doch in der Ecke stehen bereits die Umzugskartons; die Familie sucht jetzt eine neue Bleibe. „Es war jemand von der Versicherung da, er meinte, es sei unzumutbar hier. Man muss nicht lange hier sein, dann bekommt man schon Kopfschmerzen von dem Brandgeruch.“ Aber auch der Anblick des völlig zerstörten Nebengebäudes ist nur schwer auszuhalten. Und die Erinnerungen, die damit verbunden sind.

Die alleinerziehende Mutter, die als Assistentin einer Bereichsleitung im Landratsamt arbeitet, erzählt von drei Männern, wohl Mitglieder einer türkischen Gemeinde, die sich angesichts des Infernos barfuß über das Dach zu ihr auf die Terrasse retten. Von Feuerwehrleuten, die von ihrer Terrasse aus Brandwache halten, weil das Feuer in der Nacht immer wieder aufflammt. Davon, wie sie und ihre beiden Kinder zunächst nur mit dem Schlafanzug unter den Jacken, die Tochter nicht einmal mit Socken, von einer nahen Tankstelle aus zusehen, wie die Flammen sich immer weiter fressen.

„Wir waren erst überzeugt, dass da auch unsere Wohnung gerade abbrennt. Man hat es von der Tankstelle aus nicht besser gesehen“, sagt Xylouri. Besonders für ihre Tochter sei das Erlebte traumatisierend gewesen. „Ich war mit den Kindern noch mal hier in der Wohnung, um einige Sachen zu holen – da habe ich gemerkt, sie wollen eigentlich gar nicht mehr hierher zurück.“

Die Familie sucht dringend eine neue Wohnung

Für die Einsatzkräfte hat ihre Mutter trotz des schlimmen Erlebnisses viel Lob übrig. „Die Feuerwehr und die Polizei waren wirklich sehr schnell da, nach vielleicht sechs oder sieben Minuten. Die Polizisten haben uns ganz schnell nach draußen geschickt – ich glaube, sie haben noch weitere Explosionen befürchtet“, sagt Xylouri. Auch ihr Auto wurde durch den Brand beschädigt, durch die Hitze platzte die Heckscheibe. Durch die Einsatzkräfte der Feuerwehr sei die Familie gut betreut worden. „Bei ihnen haben wir uns schon sicher gefühlt.“

Derzeit ist die dreiköpfige Familie bei Xylouris Schwester in Stuttgart untergekommen – dafür ist die 46-Jährige sehr dankbar, jedoch ist dies natürlich keine Dauerlösung. „Ich möchte doch, dass meine Kinder es schön haben – ich trage doch für sie eine Verantwortung“, sagt die Schorndorferin. Infrage kämen Wohnungen mit dreieinhalb oder vier Zimmern, vor allem in Stuttgart, Waiblingen oder Fellbach und Umgebung – wichtig wäre ein S-Bahn-Anschluss in der Nähe. „Wir leben jetzt zwar auf 200 Quadratmetern, aber wir können auch reduzieren“, sagt Xylouri.

Die Ursache des Feuers in Schorndorf ist noch ungeklärt

Bei dem Brand entstand ein Millionenschaden. Foto: Weingand

Wie genau der Brand in dem Wohn- und Geschäftshaus entstanden ist, ist nach wie vor ungeklärt. Die Kriminalpolizei ermittelt weiter. Weil auch eine Brandstiftung nicht ausgeschlossen werden kann, haben die Ermittler einen Zeugenaufruf veröffentlicht. Wer Beobachtungen gemacht oder Fotos und Videos beisteuern kann, wird darin gebeten, diese der Polizei zukommen zu lassen.

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