Nach Großbrand in Stuttgart Wie Busdepots brandsicherer werden sollen

Provisorium: Noch bis Februar 2022 darf ein Teil der SSB-Busflotte auf dem Wasen abgestellt werden. Foto: 7aktuell/Andreas Werner

Wie können Busdepots brandsicherer werden? Während ein Daimler-E-Bus als Auslöser des Feuers in Gaisburg gilt, bemüht sich der Konzern um mehr Brandschutz – allerdings in Wiesbaden.

Lokales: Wolf-Dieter Obst (wdo)

Stuttgart - Wartet auf Stuttgarts Linienbusfahrer nun ein harter Winter mit verstärktem frühmorgendlichem Eiskratzen? Nach dem Großbrand am 30. September im Busdepot Gaisburg, bei dem 25 Fahrzeuge ein Raub der Flammen wurden und Millionenschaden entstand, bleibt es auch in absehbarer Zeit bei einem Provisorium. Dass die Elektro-, Hybrid- und Dieselbusse je wieder unter ein Hallendach kommen, ist dabei noch nicht ausgemacht. Denn das könnte wohl eher ein Unsicherheitsfaktor sein – wie jetzt zu hören ist.

 

Im Busdepot der Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) an der Ulmer Straße im Stuttgarter Osten sollen nun erst einmal die Reste und Ruinen beiseitegeräumt werden. „Die Ausschreibung für die Arbeiten ist erfolgt“, sagt SSB-Sprecher Hans-Joachim Knupfer, „der Beginn des Abbruchs des Hallendachs ist laut dieser Ausschreibung im Dezember vorgesehen.“ Die Hallenkonstruktion, die zuvor etwa 100 Bussen Unterschlupf geboten hatte, gilt nach den massiven Brandschäden als einsturzgefährdet.

Der Wasen ist nur bis Februar eine Alternative

Noch immer muss der Großteil der 140 Gaisburger Linienbusse nachts auf einem Provisorium unterkommen – dem Cannstatter Wasen. Das wird auch erst einmal so bleiben, aber begrenzt: „Die Nutzungsmöglichkeit endet am 28. Februar 2022“, sagt Knupfer, „Alternativstandorte sind ins Auge gefasst, aber noch nicht spruchreif.“ Man sei auf der Suche nach freien Flächen in relativer Nähe zum Busdepot, dessen Verwaltungs- und Werkstattgebäude weiter in Betrieb sind.

Die Suche nach dem Auslöser des Feuerinfernos ist noch nicht abgeschlossen. „Die Ermittlungen dauern an“, sagt Polizeisprecherin Elena Marino. Nach den bisherigen Erkenntnissen ist der Brand an einem Elektrobus ausgebrochen, an einem Daimler-Fahrzeug des Typs e-Citaro mit Festkörperbatterien. Diese waren auch schon im Februar bei einem Brand in der Produktionshalle von Evobus in Mannheim beteiligt gewesen.

Reaktion in Wiesbaden: ein neuer Brandschutz

Die Brände haben das Unternehmen Daimler Truck mit seiner Elektrobussparte nicht nur wegen des anstehenden Börsengangs in die Bredouille gebracht. Die Verantwortlichen mussten auch die Verunsicherung von Verkehrsunternehmen von Reutlingen über Hannover bis München eindämmen. Und vor allem in Wiesbaden: Dort sind 110 E-Busse des Typs e-Citaro im Fuhrpark – die meisten sind im Einsatz, ein Teil steht noch vor der Auslieferung.

In Wiesbaden kam es daher vor ein paar Tagen zu einer Ortsbesichtigung im Busdepot der ESWE-Verkehrsgesellschaft mit Vertretern von Kommunalpolitik, Aufsichtsrat, Feuerwehr und Daimler. „Nun soll es ein verbessertes Brandschutzkonzept geben“, sagt ESWE-Sprecher Christian Giesen zum Ergebnis auf Anfrage.

Die Sache mit dem Hallendach

Dem Vernehmen nach hat der Vertriebschef des Bereichs Flotten Daimler Buses Deutschland, Rüdiger Kappel, „ein höheres Level“ an Sicherheit angekündigt. Seine Idee: Beim Wiesbadener Busdepot soll das Dach des 100 Meter langen Busports vorsorglich abgerissen werden. Denn ohne Dach könne die Feuerwehr auch von oben löschen, es gebe bei einem Brand auch keine Einsturzgefahr – und umgekehrt schade die Witterung im Freien den Elektrobussen auch nicht. „Eigentlich war das Dach zum Ausgleich der Wetterverhältnisse gedacht“, sagt ESWE-Sprecher Giesen, „aber da müssen wir wohl umdenken.“

Ein Vorbild auch für Stuttgart? Daimler ist in Wiesbaden, im Gegensatz zu Stuttgart, der Generalunternehmer nicht nur für die E-Busse, sondern auch für die gesamte Ladeinfrastruktur. Für die ESWE (Abkürzung für Stadtwerke Wiesbaden) ist die Idee deshalb bestechend, weil auf diese Weise kein wirtschaftlicher Schaden entstehe – und weil Daimler die Abrisskosten übernehme. Auch wenn das eine Daimler-Buses-Sprecherin so nicht stehen lassen will: „Es ist seitens Rüdiger Kappel keine Zusage zur Kostenübernahme getätigt worden“, sagt sie auf Nachfrage, „die Verhandlungen dazu laufen.“ In Wiesbaden glaubt man freilich, dass Daimler keine Begehrlichkeiten in anderen Städten wecken will.

Wie ist das nun mit dem Eiskratzen vor dem Start?

Die SSB in Stuttgart jedenfalls sehen keinen Grund, Daimler für den Dachschaden zu belangen. Die Rechtslage sei eine andere, so SSB-Sprecher Knupfer. Ob das Gaisburger Busdepot aus Brandschutzgründen auch künftig ohne Dach bleibt, ist noch nicht entschieden. Feuerwehrsprecher Daniel Anand verweist darauf, dass bei Neubauten das Baurechtsamt federführend sei und die Feuerwehr eine beratende Funktion habe.

Freilich stehen in Stuttgart auch jetzt schon viele Busse im Freien. „Die Fahrer kennen das, es ist ein überschaubarer Aufwand“, sagt Knupfer. Das heißt auch nicht Eiskratzen, sondern: „Den Motor starten und die Scheibenheizung einschalten“, weiß ein erfahrener Busfahrer. Zehn Minuten vor dem Start muss alles bei laufendem Motor gecheckt werden – von den Türen über den Druckluftausgleich bis zur Beleuchtung.

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