Heftige Beschwerden Jetzt doch kein „oben ohne“-Baden in Freudenstadt
Erst hieß es Ja zum Schwimmen ohne Bikini-Oberteil, nun Nein: Nach zahlreichen Beschwerden hat der Gemeinderat in Freudenstadt gegen eine Änderung der Bäderordnung gestimmt.
Erst hieß es Ja zum Schwimmen ohne Bikini-Oberteil, nun Nein: Nach zahlreichen Beschwerden hat der Gemeinderat in Freudenstadt gegen eine Änderung der Bäderordnung gestimmt.
Frauen sollen wie Männer mit unbedeckten Brüsten baden können – so wollte es der Gemeinderat in Freudenstadt noch im März und stimmte für „oben ohne“ in den Schwimmbädern. Nun, zwei Monate später, sollte am vergangenen Dienstag die Änderung der Bäderordnung durchgewunken werden, damit Frauen tatsächlich ihr Bikini-Oberteil zu Hause lassen könnten. Doch plötzlich gab es im Gemeinderat eine Zweidrittelmehrheit gegen „oben ohne“. Das Vorhaben wurde gekippt.
Die Initiatoren sind enttäuscht: „Der Gemeinderat ist eingeknickt, weil es eine lautstarke Minderheit gab, die gegen das ‚oben ohne’ gewettert hat“, sagt Bärbel Altendorf-Jehle, die Vorsitzende der Fraktion „Bürgeraktion“, die den Antrag für eine entsprechende Regelung in den Gemeinderat eingebracht hatte. „Andere Bäder machen das auch. ‚Oben ohne’ bedeutet Gleichberechtigung. Ich dachte, wir sind modern“, sagt sie. Altendorf-Jehle berichtet von heftigen Beschwerden seit der Zustimmung zum „oben ohne“-Baden im März: „Es sei eine Entwürdigung des weiblichen Geschlechts und unser Antrag sei menschenverachtend“, zitiert sie aus Zuschriften.
Auch die Freudenstädter Stadtverwaltung blieb nicht verschont: Um die 50 schriftliche Beschwerden seien im Rathaus eingegangen, berichtet Volker Rath, Sprecher von Oberbürgermeister Julian Osswald. „Für Freudenstädter Verhältnisse sind das sehr viele, es gab auch zahlreiche Protestanrufe“, sagt Rath. Familien mit Kindern hätten gedroht, im Panorama-Bad in Freudenstadt nicht mehr schwimmen zu gehen, sollte „oben ohne“ erlaubt werden.
Auch für die Stadtverwaltung selbst passe „oben ohne“ nicht zu einem Familienbad, so Rath. Oberbürgermeister Julian Osswald sagte: „Ich begrüße die klare Entscheidung des Gemeinderats, die Badeordnung in ihrer jetzigen Form beizubehalten.“ Möglichkeiten, nackt zu baden und sich zu sonnen, biete etwa der Saunabereich des Panoramabads. Die Freudenstädter Bäder könnten mit dem jetzigen Beschluss gut leben, sagt deren Geschäftsführer Tobias Degout und meint: „Es ist viel Aufregung um etwas, das in der Praxis vermutlich sowieso nicht oft genutzt worden wäre.“