Nach Hochwasser im Rems-Murr-Kreis Endlich wieder Leben in der „Bullerbü-Schule“ in Schlechtbach

Fähnchenschwingende Kinder, begeisterte Kultusministerin Theresa Schopper (Mitte, mit pinkem Schal) auf dem Schulhof der renovierten Grundschule in Schlechtbach. Foto: Jan Potente

Der Starkregen vom Juni 2024 hatte auch die Grundschule in Rudersberg-Schlechtbach fast weggespült. Zur Eröffnung nach der Renovierung kommt auch die Kultusministerin.

Welche verheerenden Folgen es haben kann, wenn der Himmel seine Pforten öffnet, Starkregen herunterpeitscht und aus einem eigentlich unscheinbaren Bach einen reißenden Strom macht, haben die Menschen im Wieslauftal (Rems-Murr-Kreis) Anfang Juni 2024 schmerzhaft erfahren.

 

Autos wurden damals von den Wassermassen weggespült, Heizungskeller liefen voll, Wohnzimmer waren von Schlammlawinen völlig verdreckt, ganze Häuser völlig ruiniert. In vielen Bereichen stand das Wasser ein bis zwei Meter hoch.

Rückkehr in die angestammte Schule in Schlechtbach

Auch die Grundschule in Rudersberg-Schlechtbach war nach der Flutkatastrophe nur noch ein Schlammbad. Jetzt, rund 20 Monate später, erstrahlt das Gebäude jedoch wieder in vollem Glanz. Zwischenzeitlich waren die Schülerinnen und Schüler eineinhalb Jahre im Schulzentrum des Hauptorts Rudersberg untergebracht. In diesen Tagen nun durften die Kinder die Rückkehr in ihr angestammtes, aber renoviertes und verschönertes Domizil feiern.

Und zwar gleich zweimal: Zunächst gab es den Einzug der 93 Kinder in die Klassenräume – für die Erstklässler war es das erste Mal, dass sie in ihrer richtigen, eigenen Schule Unterricht haben durften. Wenige Tage danach folgte die nächste Feier, dieses Mal mit offiziellem Charakter. Denn die baden-württembergische Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) stattete der Schule in Würdigung der gelungenen Anstrengungen und als aufmunternde Geste einen Besuch ab.

Die Erst- bis Viertklässler empfingen auf den Stufen des Pausenhofs den hohen Gast aus Stuttgart mit vielen bunten Fähnchen, Herzchen und einem gesungenen Willkommensgruß: „Eine neue Schule, endlich ist es soweit! Wir heißen euch willkommen, das wird eine schöne Zeit. Hier werdet ihr erfahren, was für das Leben gilt: In Schlechtbach zählt Gemeinschaft, die uns alle fest umhüllt.“

Bürgermeister Raimon Ahrens erinnerte an den Besuch des Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann wenige Wochen nach der Katastrophe und seine Zusage: „Wir stehen zu diesem Schulstandort.“ Das war ein wichtiges Signal der Landesregierung in Richtung der Wieslauftal-Kommune, dass diese vom Bürgermeister als „kleine, aber feine“ bezeichnete Grundschule im 1760 Einwohner zählenden Teilort doch eine Zukunft hat.

Kultusministerin Theresa Schopper besichtigt eines der renovierten Klassenzimmer in der Grundschule in Schlechtbach. Foto: Jan Potente

Zudem wurde der Bereich neben dem Pausenhof zu einem prächtigen Kinderspielplatz ausgestaltet, der außerhalb der Schulöffnungszeiten auch von der Allgemeinheit genutzt werden kann. Finanziert wurde dies durch die Unterstützung von je 30 000 Euro durch den Förderverein Grundschule Schlechtbach rund um den Vorsitzenden Daniel Traub und einer Stiftung sowie weiteren 30 000 Euro aus der Gemeindekasse.Ein Haus in Richtung Hauptstraße wurde Opfer der Wassermassen und ist mittlerweile abgerissen worden, dort soll nach Ahrens Angaben ein neuer Dorfplatz entstehen, ein Ortsmittelpunkt, „wo sich nicht nur Schlechtbacherinnen und Schlechtbacher treffen – und wo das Leben pulsiert“, wie es der Schultes formuliert.

Schulleiterin Silke Olbrich blickt zurück auf jenen 3. Juni 2024, „als unsere kleine Grundschule Schlechtbach durch Starkregen und Hochwasser schwer beschädigt und letztlich zerstört wurde“. Eine „neue Heimat“ fanden die Schlechtbacher Schüler im Schulzentrum Rudersberg.Wobei es dort gelegentlich Überraschungen gab, so die Schulleiterin: „Denn ja, manchmal waren die Kühe vom Bauern interessanter als der Unterricht – und wir mussten auf Kindersuche gehen. Aber auch das haben wir gemeinsam gemeistert.“

Ministerin Schopper: „Heute ist ein schöner Tag!“

Doch wie sollte es nun weitergehen mit dem Gebäude in Schlechtbach? Nach einer Zeit des Hoffens kam sie endlich, so Olbrich, „diese wunderbare Nachricht: Unsere kleine Bullerbü-Schule wird wieder aufgebaut“.Olbrich bedankt sich überdies für die großzügigen Spenden, die der Schule zu einem neuen „traumhaften erlebnispädagogischen Spielplatz verholfen“ hätten. Ihr Fazit: „Gemeinsam bringen wir wieder Leben nach Schlechtbach.“

Ministerin Schopper erinnert in ihrer kurzen Ansprache an das schlimme Hochwasser der Wieslauf, die nur wenige Meter neben der Schule fließt: „Man kann gar nicht glauben, dass so ein kleines Bächle so viel Unheil anrichten kann. Man denkt, das ist so ein Flüssle, da kann gar nichts passieren – und dann ist hier Land unter, im wahrsten Sinne des Wortes.“Doch in Schlechtbach hätten alle gezeigt, „wie aus einer Katastrophe etwas Positives entstehen und man den Kindern wieder eine Zukunft geben kann, wenn der Zusammenhalt da ist und alle miteinander anpacken“. Schoppers Erkenntnis: „Heute ist ein schöner Tag!“

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