Nach Hochwasser in Eislingen Kostenlos Sandsäcke für die Bürger

Das Sandsacklager hat sich etwas geleert. Um gegen künftige Wassermassen gewappnet zu sein, lässt der stellvertretende Leiter des Eislinger Bauhofs, Cornelius Beck, weitere Sandsäcke füllen. Foto: Grupp

Eislingen gibt an seine Bürger kostenlos Sandsäcke zum Schutz des Eigentums im Falle eines Hochwassers ab. Ebersbach organisiert dazu Aktionstage. Welche Lagerplätze eignen sich?

Wie ein Messbecher sieht der hellrote Behälter aus, den der Bauhofmitarbeiter Steffen Oehlschläger füllt. Für den alltäglichen Gebrauch in der Küche ist der Becher allerdings nicht geeignet. Er fasst immerhin zehn Liter oder, wenn er wie in diesem Fall mit Sand gefüllt wird, etwa 15 Kilogramm. Der Eislinger Bauhof nutzt das Gefäß, um Sandsäcke zu füllen, die eine Barriere gegen Überschwemmungen bilden sollen.​ Sie sind für die Bürger gedacht: Die Große Kreisstadt ermöglicht ihnen, sich auf dem Bauhof oder dem Wertstoffhof mit gefüllten Sandsäcken zu versorgen, um Hab und Gut besser gegen Überschwemmungen schützen zu können.

 

Oehlschläger sticht das Gefäß in den Sand, der in der Schaufel eines Radbaggers liegt. Ein voller Becher ist das richtige Maß für einen der weißen Kunststoffsäcke, die der Eislinger Betriebshof verwendet. Schließlich darf der Sack nicht unhandlich werden. Cornelius Beck, der stellvertretende Leiter des Bauhofs, führt zu einem Schuppen, in dem zahlreiche Gitterboxen mit gefüllten Sandsäcken stehen. Zusammen dürften es 500 bis 600 Füllungen sein. Allmählich sei es wieder an der Zeit, nachzufüllen, bespricht Beck mit Oehlschläger.

Verhaltene Nachfrage

​Das liegt allerdings nicht am aktuellen Bedarf. Die Nachfrage sei derzeit eher verhalten, erklärt Beck. Derzeit komme „nicht einmal täglich“ eine Person. Vermutlich hätten sich die Meisten, die sich eindecken wollten, schon bedient. Nach der Bekanntgabe der Aktion vor zwei Wochen war das Interesse groß: „Am ersten Tag standen die Leute schon um 7.30 Uhr da.“ Bisher habe der Betriebshof etwa 500 Säcke ausgegeben.

​Dass jetzt wieder aufgefüllt wird, liegt am Eigenbedarf. Denn aus diesem Depot bedienen sich auch die Mitarbeiter der Stadtverwaltung, wenn es gilt, bestimmte Bereiche gegen Hochwasser oder Überschwemmungen zu schützen. Für Notfälle sollen 750 Säcke bereitliegen. Die Stadt ist bei der Abgabe der handelsüblichen Kunststoffsäcke vergleichsweise großzügig. Die Säcke sind schon gefüllt, es gebe keine Mengenbegrenzung, teilt Linda Meier, Pressesprecherin der Stadt, mit. „Im Durchschnitt werden 10 bis 20 Sandsäcke pro Haushalt abgeholt.“ Teilweise werde das Material verwendet, das anfällt, wenn bei städtischen Spielplätzen der alte gegen neuen Sand getauscht wird.

Sandsackabfüllstationen in Göppingen bei „Großlage“

Auch die Stadt Göppingen hatte der Einwohnerschaft gefüllte Säcke angeboten. Die Bürger konnten sich nach dem Hochwasser vor einem Jahr dort bedienen, wo Säcke nach der Überflutung noch nicht aufgeräumt waren. Ein zusätzliches Angebot gibt es derzeit nicht: „Die Stadt – vertreten durch die Feuerwehr – hält für den Grundschutz für kritische Bereiche Sandsäcke vor, die ausschließlich der ersten Gefahrenabwehr dienen“, teilt die stellvertretende Pressesprecherin Andrea Rothfuß mit. Wenn sich allerdings eine Großlage anbahne, richte Göppingen „Sandsackabfüllstationen“ ein – an gut zugänglichen Orten. „An diesen Füllaktionen können die Bürger teilnehmen und ihren Bedarf im angemessenen Umfang decken.“ Denen, die körperlich nicht zu der Arbeit in der Lage sind, werde geholfen, versichert Rothfuß.​

Die Stadt Ebersbach organisiert seit einigen Jahren Sandsack-Abfüllaktionen. Zuletzt war dies am 12. April der Fall. „Bereits in den Vorjahren gab es mindestens einmal jährlich eine ähnliche Aktion“, teilt Pressesprecherin Anke Linder mit. Entweder wurden volle Sandsäcke kostenfrei ausgegeben oder es wurde, so wie dieses Jahr, Sand zum Selbsteinfüllen in bereitgestellte leere Säcke zur Verfügung gestellt. Linder: „Bei beiden Varianten ist die Abgabemenge auf maximal zehn Säcke pro Ebersbacher Haushalt begrenzt.“ Die Stadt trägt die Kosten.

Weil die Nachfrage nach der Hochwasserkatastrophe vom Juni 2024 so hoch gewesen sei, hat Ebersbach schon im April die Aktion organisiert. Im Oktober 2024 hatte es ebenfalls die Möglichkeit gegeben, sich Sandsäcke zu besorgen. „Außerhalb der genannten Aktionen stellt der Baubetriebshof keinen Sand und keine Säcke für die Bürgerschaft bereit“, so Linder.​

Wer sich bedient hat und 10 oder 15 volle Sandsäcke bereithält, muss sie auch lagern. Zusammen ergibt das ein Volumen von rund 150 Litern. Nicht alle Plätze sind dazu geeignet. „Direktes Sonnenlicht vertragen sie nicht“, sagt Cornelius Beck vom Eislinger Bauhof. Dann altere der Kunststoff und reiße. Für geeignet hält Beck „entweder die Garage oder den Keller“.​

Zeiten zum Abholen der Säcke

Vorsorge
 Zum Eigenschutz vor Starkregen und Überflutungen können Eislingerinnen und Eislinger kostenfreie Sandsäcke im Betriebshof abholen. Die Zeiten dafür sind von Montag bis Donnerstag von 7 bis 16 Uhr und Freitag von 7 bis 13 Uhr.

Alternative
Zusätzlich gelten im Juni 2025 erweiterte Abholmöglichkeiten zu den Öffnungszeiten des Wertstoffhofes, und zwar Montag und Mittwoch von 16 bis 18 Uhr, Freitag von 15 bis 18.30 Uhr und Samstag von 9 bis 16 Uhr.​

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