Im April 2024 demonstrierten Hundeliebhaber in Esslingen für ihre Anliegen. Es ging um Hundekotbeutel und Hundewiesen: Was ist seitdem passiert?
Es ist der 24. April 2024. Vor dem Alten Rathaus in Esslingen versammeln sich mehr als 50 Hundehalterinnen und -halter zu einer Demonstration. Ihr Anliegen: mehr Aufmerksamkeit für die Belange von Hundeliebhabern. Hauptsächlich fordern die Demonstrierenden Hundekotbeutelstationen in öffentlichen Bereichen und eine eingezäunte Hundewiese, um den Tieren mehr Freilauf in der Stadt zu gewähren. Eines der beiden Themen wurde seitdem angegangen, das andere liegt brach.
Die Organisatorinnen der Demo, Julia Zimmermann und Sandra Stark, verständigten sich nach der Aktion im Gespräch mit der Stadt auf zunächst zwei Stationen für Hundekotbeutel. Seit September 2024 gibt es diese in der Schilleranlage und im Merkelpark. Im Mai 2025 folgte eine Station auf der Burg in der Nähe des Bouleplatzes und eine Station im Maille-Park. Hundebesitzerinnen und Hundebesitzer dürfen sich dort kostenlos bedienen, um mit den Tüten die Hinterlassenschaften ihrer Tiere aufzusammeln. „Wir bekommen einen Jahresvorrat an Tüten von der Stadt, müssen die Stationen aber selbst befüllen“, erklärt Julia Zimmermann, die zusammen mit Stark für die Initiative „Pfoten in Esslingen“ spricht. Und: „Die Stationen werden super dankbar angenommen.“
Einige Hundehalterinnen und Hundehalter wünschen sich deshalb noch mehr Stationen, verteilt im Stadtgebiet. In Berkheim etwa gebe es nur wenige Hundekot-Abfalleimer und keine Tüten, sagt Carmen Richter. Sie ist Hundetrainerin in Esslingen, lebt allerdings in Wernau. Dort sei die Lage ganz anders: „Hier gibt es viele aufgefüllte Tütenstationen und überall Mülleimer.“ Die Stadt Esslingen erklärt auf Nachfrage: Momentan seien keine weiteren Stationen geplant, „da angesichts der aktuellen Haushaltssperre alle nicht gesetzlich vorgeschriebenen Maßnahmen auf dem Prüfstand stehen“.
Freiflächen für Hunde in Esslingen
Das zweite Anliegen der Hundefreunde – öffentliche Flächen zum Freilauf für die Haustiere – ließe sich nahezu kostenlos umsetzen. In Esslingen gilt, dass Hunde „innerhalb geschlossener Ortslage auf allen öffentlichen Straßen, Gehwegen und öffentlichen Grün- und Erholungsanlagen sowie Sportplätzen an der Leine geführt werden“ müssen, teilt die Stadt auf ihrer Homepage mit. Im Maille-Park etwa können sowohl Julia Zimmermann als auch Carmen Richter das Verbot verstehen. Viele Menschen, eine Straße in der Nähe: zu viel Risiko. „Aber es gibt genug andere Freiflächen, die nutzbar wären“, sagt Zimmermann. „Zum Beispiel hinter dem Freibad am Neckar. Da ist niemand. Man müsste die Wiese nur freigeben und vielleicht einzäunen.“ Auch im Merkelpark gebe es genügend Raum, finden die beiden Hundefreunde.
„Viele Hundebesitzer haben aber kapituliert, weil sie über das Thema schon oft mit der Stadt gesprochen haben“, sagt Zimmermann. „Wir sind an einem Punkt, wo wir nicht weiterwissen.“ Die Stadt macht ihren Standpunkt klar: Esslingen habe im landesweiten Vergleich deutlich weniger öffentliche Grünflächen als der Durchschnitt. „Vor diesem Hintergrund ist es nicht zielführend, die wenigen vorhandenen Grünflächen für die Allgemeinheit zu separieren, einzuzäunen und für einzelne Zielgruppen, wie hier die Hundehalter, aufzugliedern.“ Die Lösung liege eher in einer „gemeinschaftlichen Nutzung vom öffentlichen Grün und vor allem dem sehr ausgedehnten Esslinger Stadtwald.“
Trainingsplätze für Hunde in Esslingen
Wo Hunde und Menschen zusammenkommen, ergibt sich Potential für Konflikte. Um diese zu vermeiden, ist Carmen Richter mit ihrer Hundeschule bereits seit einiger Zeit auf der Suche nach einem Trainingsplatz in Esslingen. Mit Hunden arbeitenden Menschen werde jedoch das Leben damit schwer gemacht, „dass die Stadt strenge Regelungen zur Nutzung der Flächen hat und es so nahezu unmöglich ist, als Hundetrainer einen Trainingsplatz zu finden“. Sie habe mangels Rückmeldung nicht das Gefühl, dass ihr Anliegen die Stadt Esslingen interessiere. Dabei sei es doch im Interesse der Stadt, dass Hunde gut erzogen sind. „In Wernau ist das anders – die Gegensätze zwischen den Kommunen sind groß.“
Auf Nachfrage verweist die Stadt Esslingen auf mehrere private Hundesportvereine im Landkreis, „die entsprechende Trainingsplätze vorhalten“. Für Hundeschulen ist das aber keine Hilfe, sagt Richter. „Das Einmieten auf solch einen Hundesportvereinsplatz ist laut Satzung leider untersagt.“ Auf einer Obstbaumwiese hatte man sich bereits mit dem Besitzer geeinigt – bis das Esslinger Ordnungsamt die gewerbliche Nutzung verhindert habe, erklärt die 59-Jährige.
Trotz allem sieht die Stadt einen „sehr hundefreundlichen Rahmen“ in Esslingen. Weitere Maßnahmen seien „derzeit nicht vorgesehen – sowohl aus inhaltlichen Gründen als auch wegen der aktuellen Haushaltslage.“ In Esslingen seien die Grünflächen für alle offen, „ohne Abgrenzungen nach Interessen oder Gruppen“. Julia Zimmermann und Sandra Stark sind ebenfalls an einer gemeinsamen Lösung interessiert, vor allem auch in guter Zusammenarbeit mit der Stadt. Doch dort hake es derzeit bei den genannten Themen. Eine neue Demo könnten sich die beide vorstellen, allerdings „in einer anderen Art und Weise“. Konkrete Pläne gibt es offenbar noch nicht.