Nach Kaufhof-Abriss Wie die Signa mit der Bundesbank Kasse macht
Die Commerz Real übernimmt die Mehrheit am Neubau-Projekt in der Eberhardstraße. 2024 soll Baubeginn sein.
Die Commerz Real übernimmt die Mehrheit am Neubau-Projekt in der Eberhardstraße. 2024 soll Baubeginn sein.
Der Projektentwickler Signa Real Estate hat in Stuttgart in jüngster Zeit vor allem mit seinem geplanten Neubau an der Ecke König-/Schulstraße (nicht immer positive) Schlagzeilen produziert und das deutlich größere Vorhaben an der Eberhard- und an der Steinstraße - das Kaufhofgebäude und das Parkhaus – in den Hintergrund treten lassen. Nun gibt es aber neue Nachrichten: Das Unternehmen Commerz Real, mit dem die Signa seit Jahren partnerschaftlich verbunden ist, will mit dem offenen Immobilien-Publikumsfonds Hausinvest bis zu knapp 90 Prozent des von Signa geplanten Neubaus in der Stuttgarter Innenstadt übernehmen. Das Vermögen des seit 1972 bestehenden Fonds belief sich zum 31. März 2021 auf 16,6 Milliarden Euro, rund 800 000 Anleger waren seinerzeit investiert. Er ist hauptsächlich in den Bereichen Handel und Büro und überwiegend in Deutschland investiert.
Laut einer Mitteilung des Bundeskartellamts hat die Commerz Real Investmentgesellschaft einen Anteilserwerb an der Kaufhof Stuttgart GmbH angemeldet. Dabei geht es um eine Aufstockung um weitere 69,9 Prozent, sagte ein Kartellamtssprecher auf Nachfrage des Branchendiensts Thomas Daily (TD). Seit 2019 hält der Fonds 20 Prozent an der Kaufhofimmobilie Eberhardstraße 28. Damals war der Hausinvest mit 20 Prozent an einem Paket aus zehn Kaufhof-Immobilien eingestiegen. An den anderen neun Objekten ist laut Informationen von TD derzeit keine Aufstockung vorgesehen.
Tobias Sauerbier, Deutschland-Chef von Signa, sagte auf Anfrage, man bleibe trotz der sich anbahnenden Änderung der Eigentumsverhältnisse für die Projektentwicklung weiter verantwortlich. Spekulationen, das Projekt „Fünf hoch Zwei“ anstelle der ehemaligen Sportarena an der Ecke König-/Schulstraße würde genauso schnell veräußert, widersprach Sauerbier. Daran sei derzeit nicht gedacht.
Anstelle des Kaufhofgebäudes Eberhardstraße 28, wo der Lebensmittelmarkt bereits dicht gemacht hat, sich aktuell die Regale leeren, die Rolltreppen teils außer Betrieb genommen wurden und die Mitarbeiter überlegen, ob sie sich zu schlechteren Konditionen für Stellen in anderen Filialen bewerben, soll von 2024 an bis 2026 ein neues Gebäude mit Handel, Büro und Gastronomie entstehen. Der Ankermieter ist die Deutsche Bundesbank mit ihrer Hauptverwaltung für Baden-Württemberg. Dafür soll es einen Beschluss des Vorstands der Deutschen Bundesbank geben, aber noch keinen unterschriebenen Mietvertrag.
Es waren zuletzt Spekulationen über das Haltbarkeitsdatum der für das Institut kostspieligen Zusage aufgekommen, nachdem der den Umzug der Hauptverwaltung an diesen prominenten hochpreisigen Standort forcierende Vorstand Johannes Beermann in den Ruhestand gegangen war. Publikumsverkehr hat die Verwaltung nicht, die heute in der Marstallstraße untergebracht ist. Der findet in der Filiale in der Theodor-Heuss-Straße statt, wo Kunden vormittags Geld tauschen, Ersatz für beschädigtes Bargeld erhalten, Bareinzahlungen zu Gunsten von Bundesbankkonten einer öffentlichen Verwaltung gegen ein Entgelt von drei Euro leisten oder deutsche 2-Euro-Gedenkmünzen und Sammlermünzen kaufen können.
Hinter der Bundesbank soll ebenfalls durch Signa Real Estate ein Neubau an Stelle des oberirdischen Teils des Parkhauses errichtet werden, den die Stadt kaufen oder mieten wird. Die Nutzung ist noch offen, im Gespräch ist ein Haus der Kulturen. Außerdem hat sich die Signa verpflichtet, an zwei anderen Standorten in der Innenstadt bis zu 75 bezahlbare Wohnungen zu bauen.
Das war das Ergebnis eines Vergleichsvorschlags in der Debatte um ein Vorkaufsrecht der Stadt für die Areale hinter dem Rathaus. CDU, SPD, FDP, Freie Wähler, AfD und OB Frank Nopper (CDU) hatten nach langwierigen Verhandlungen für den zwischen dem Rathauschef und der Signa ausgehandelten Vergleichsvorschlag gestimmt. Grüne, das Linksbündnis und die Puls-Fraktionsgemeinschaft votierten dagegen – unter anderem mit Verweis auf den ungeliebten Kaufhauskönig René Benko, zu dessen „Bauchladen“ die Signa gehört.