Nach Kritik an Werbekampagne So reagiert das Kultusministerium

Blickfang und Ärgernis: das Lehrer-Plakat auf dem Stuttgarter Flughafen. Foto: LICHTGUT/Max Kovalenko

Mangelnde Wertschätzung für den Lehrerberuf? Das werfen Lehrerverbände und Parteien derzeit dem Kultusministerium vor. Sie stören sich an einer neuen Werbekampagne für Lehrkräfte. Was nun mit dem umstrittenen Plakat passiert.

Stadtleben/Stadtkultur: Jan Sellner (jse)

Das Kultusministerium hat seine von den Lehrerverbänden stark kritisierte Werbekampagne nachdrücklich verteidigt, jedoch eine „missverständliche Formulierung“ auf einem Plakat am Stuttgarter Flughafen eingeräumt. Dort heißt es unter Verzicht auf Kommasetzung: „Gelandet und gar keinen Bock auf Arbeit morgen? Mach, was dir Spaß macht und werde Lehrer*in.“ Lehrerverbände sehen dadurch die Arbeit von Lehrkräften diskreditiert.

 

Die werbliche Ansprache der Kampagne sei ausdrücklich auf eine Zielgruppe ausgerichtet, die derzeit noch nicht als Lehrkraft arbeitet, sagte ein Ministeriumssprecher am Mittwoch auf Nachfrage: „Wir arbeiten dabei mit verschiedenen Slogans – und das funktioniert. Bereits nach der ersten Woche hatten wir über die Landingpage der Kampagne 8000 Weiterleitungen auf unsere Webseite zur Lehrkräfteeinstellung.“

Die Slogans sollen Aufmerksamkeit erregen

Der Sprecher betonte, Menschen mit anderer Berufsbiografie würden die Botschaften anders lesen. Auf sie ziele die Kampagne ab: „Eher grell, eher bunt, eher laut – aber positiv, einladend und Interesse weckend.“ Die Slogans seien bewusst so gewählt, dass sie Aufmerksamkeit bei potenziellen Quereinsteigern erregten. Verwendet würden unter anderem folgende Sprüche: „Deine Arbeit ist boooring? Whoop! Whoop! Such die Herausforderung. Werde Lehrer*in,“ oder: „Kinder lassen sich nicht mit deinem Beruf vereinbaren? Niiice! Mach einen Job, zu dem Familie passt. Werde Lehrer*in“ oder auch: „In deinem Job hast du schon alles gesehen. Hurraaa! Dann lerne jeden Tag was neues, werde Lehrer*in.“ Das zeige, dass in der Kampagne ein positives Lehrerbild vermittle. Lediglich die Formulierung auf dem Flughafenplakat könne missverständlich gelesen werde. Das Plakat bleibe jedoch hängen.

Nach Angaben des Sprechers wurden die Verbände und Schulen zum Start der Kampagne informiert, dass darin „mit frischen Aussagen“ auf die Attraktivität des Lehrerberufs aufmerksam gemacht werde. Er wies Kritik zurück, durch das Plakat würden der Lehrerberuf in ein falsches Licht gerückt und das Klischee von arbeitsunwilligen Lehrern bedient: „Unser Blick auf die Lehrkräfte in Baden-Württemberg ist grundsätzlich von Respekt und Achtung geprägt. Das ist selbstredend“, betonte das Ministerium. Man wisse um die enormen Leistungen und den täglichen Einsatz der Lehrkräfte. „Auf die Idee, dass Lehrkräfte faul seien, kommt hier überhaupt niemand.“ Auch im Interesse der Lehrerverbände sei es, mehr Lehrkräfte zu gewinnen: „Und dafür ist die Kampagne ein Mittel.“

Staatsministerium sieht Notwendigkeit, für den Lehrerberuf zu werben

Auf Anfrage nahm auch das Staatsministerium Stellung. Ein Regierungssprecher erklärte: „Das Staatsministerium steht ausdrücklich hinter dem Ziel, Quereinsteiger für den Lehrerberuf zu gewinnen. Die engagierte Arbeit der Lehrerinnen und Lehrer – auch in der unterrichtsfreien Zeit - wissen wir und das Kultusministerium sehr zu schätzen.“

Die Kosten für die Werbemaßnahmen belaufen sich laut Kultusministerium einmalig auf 250 000 Euro. Erstellt wird die Kampagne von der Agentur Thjnk, die seit Jahreswende auch für die „The Länd“-Kampagne verantwortlich zeichnet. Die Lehrerwerbung sei Teil dieser Kampagne, sagte der Sprecher. Als Folge der Werbemaßnahmen sei bereits ein deutlicher Anstieg bei der Zahl der Vertretungslehrer festzustellen. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum hätten sich drei Mal so viele Personen registriert – 370 statt 100.

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