Nach Kritik von Minister Hermann Flughafen verteidigt Billigflieger

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Unanständig, verantwortungslos – scharf hatte Verkehrsminister Hermann Ticketangebote für wenige Euro von Fluglinien wie Lauda gerügt. Doch der Flughafen Stuttgart verteidigt die Billigflieger.

Die Airline Lauda will in Stuttgart kräftig wachsen. Foto: dpa
Die Airline Lauda will in Stuttgart kräftig wachsen. Foto: dpa

Stuttgart - Sind Billigstflüge für 19,90 Euro, wie sie die Fluggesellschaft Lauda auch in Stuttgart anbietet, „unanständig und verantwortungslos“? Diese Kritik von Verkehrsminister Winfried Hermann kontert der Flughafen Stuttgart mit einem Lob für die Low-Cost-Airlines. Auch auf die Aufforderung des Grünen-Politikers und Aufsichtsratsvorsitzenden, die Gesellschaften zum Verzicht auf solche Angebote zu bewegen, reagiert der Flughafen reserviert.

Vor dem Hintergrund der Debatte um das Wachstum des Flughafens Stuttgart hatte sich Hermann auf die Frage unserer Zeitung geäußert, wie er die – etwa von Lauda angebotenen – Flüge für wenige Euro bewerte. Die österreichische Airline bietet von Stuttgart aus One-Way-Tickets zu diversen europäischen Zielen bereits für 9,90 Euro an. Solche Offerten seien „nicht in meinem Sinne“ und ein „völlig falsches Signal“, sagte der Minister. Sie erweckten den Eindruck, dass der Flugverkehr nichts koste und nichts für die Umwelt bedeute. „Ich finde es persönlich unanständig und verantwortungslos, so ein Angebot zu machen“, rügte er. Es handele sich um „Lockvogelangebote“, die nur die ersten Kunden bekämen; Extras und weitere Tickets seien dann deutlich teurer. Er habe die zuständige Geschäftsführerin gebeten, mit den Airlines zu reden.

Kein Kommentar zu Lockangeboten

Eine Sprecherin des Flughafens ließ offen, ob und inwieweit das erfolgt. „Wir stehen in ständigem Austausch mit allen Airlines, die Stuttgart anfliegen“, teilte sie mit. „Zu einzelnen Marketing-Aktivitäten der Fluggesellschaften äußern wir uns nicht.“ Zugleich verteidigte der Flughafen die Low-Cost-Linien, die auch in Stuttgart etabliert seien. Ihr Angebot werde „von den Fluggästen gewünscht und umfassend genutzt“. Gemeinsam sorgten alle Fluggesellschaften – auch die Billig-Airlines – für ein dichtes Streckennetz und viele Verbindungen. Dies sei gut für den Wirtschaftsstandort und den Flughafen, dem Gesellschaften „aus unterschiedlichen Segmenten willkommen“ seien.

Von der österreichischen Gesellschaft Lauda, die ihr Angebot in Stuttgart massiv ausbaut, war auf mehrere Anfragen zunächst keine Stellungnahme zu erhalten. Der Lauda-Chef Andreas Gruber wird am Donnerstag bei einer Pressekonferenz des Flughafens erwartet. Gemeinsam mit dem Chef von Ryan-Air, Michael O’Leary, wird er über die Wachstumspläne in Stuttgart berichten. Die 2018 von dem Ex-Rennfahrer Niki Lauda gegründete Airline (früher: Laudamotion) gehört inzwischen zu 100 Prozent zu Ryanair.

Grünen-Abgeordneter bremst Airport

Verkehrsminister Hermann verteidigte das Wachstum des Flughafens, der die Passagierzahlen binnen zehn Jahren von knapp 12 auf 17 Millionen jährlich steigern will. Als Chefaufseher sehe er seine Aufgabe nicht darin, dafür zu sorgen, „dass weniger Flieger kommen“. Man setze aber auf nachhaltiges Wachstum. Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Matthias Gastel warnte den Flughafen derweil, zu sehr auf Wachstum zu setzen. „Darauf hinzuarbeiten, die Kapazitäten möglichst schnell auszuschöpfen, wäre höchst unklug und umweltpolitisch nicht vertretbar“, sagte er. Klar sei und bleibe, dass es keine zweite Startbahn gebe. Politik und Gesellschaft seien dafür verantwortlich, „den Flugverkehr nicht weiter ausufern zu lassen“.

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