Nach massiver Kritik von Verbänden Kultusministerin korrigiert Lehrer-Plakat
Der Protest war erfolgreich: Kultusministerin Theresa Schopper reagiert und fügt dem umstrittenen Plakat für Lehrerwerbung am Flughafen zwei entscheidende Wörter hinzu.
Der Protest war erfolgreich: Kultusministerin Theresa Schopper reagiert und fügt dem umstrittenen Plakat für Lehrerwerbung am Flughafen zwei entscheidende Wörter hinzu.
Die massive Kritik von Lehrer- und Bildungsverbänden hat Wirkung gezeigt: Am Montagabend gab das baden-württembergische Kultusministerium bekannt, dass ein umstrittenes Plakat am Stuttgarter Flughafen korrigiert wird. Statt „Gelandet und gar keinen Bock auf Arbeit. Hurraaa! Mach was dir Spaß macht und werde Lehrer*in!“ soll es jetzt heißen: „Gelandet und gar keinen Bock auf deine jetzige Arbeit? Hurraaa! Mach was dir Spaß macht und werde Lehrer*in“. Sobald wie möglich werde ein entsprechender Aufkleber an dem Plakat angebracht. Nicht korrigiert wird offensichtlich die fehlende Kommasetzung.
Lehrer hatten dem Ministerium in den vergangenen Tagen vorgeworfen, mit dem Ursprungsplakat würde es das Klischee vom angeblich faulen Lehrer transportieren und dies als Schlag ins Gesicht von Lehrkräften empfunden. Zuletzt hatte auch der Grundschullehrerverband dagegen protestiert.
Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) erklärte dazu am Montagabend: „Bei uns ist niemand überhaupt nur auf die Idee gekommen, Lehrkräfte mit dem Attribut faul in Verbindung zu bringen.“ Es sei nie das Ansinnen des Ministeriums gewesen, auch nur eine Lehrkraft mit diesem Plakat zu diskreditieren. „Wir am Kultusministerium wissen ganz genau, wie viel Engagement unsere Lehrkräfte täglich für unsere Kinder und Jugendlichen aufbringen und wie aufreibend gerade auch die vergangenen Jahre waren.“
Das Ministerium betonte, die Kampagne mit acht verschiedenen Plakatslogans richte sich gezielt an potenzielle Quereinsteiger und mache darauf aufmerksam, dass man auch ohne originäre Lehramtsausbildung in den Lehrerberuf wechseln kann. Sie sei ein Mittel im Bemühen, den Lehrermangel zu beheben.
Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) begrüßte die Klarstellung der Kultusministerin. Der VBE-Landesvorsitzende Gerhard Brand erklärte: „Das alte Plakat war eine ständige Provokation!“ Eine Flut von Protestschreiben sei die Folge gewesen. „Wir sind erleichtert, dass unsere Anstrengungen dazu geführt haben, dass das Kultusministerium das Plakat korrigiert. Der Schrecken hat ein Ende!“
Die Bildungsgewerkschaft GEW stellte fest: „Es ist gut, dass das Kultusministerium das umstrittene Plakat ändert. ‚Ohne Bock auf den Beruf‘ geht die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen nicht.“ Schopper habe auf die Argumente der GEW und auf die Stimmen der vielen zu Recht empörten Lehrer reagiert. Die Landesregierung müsse vor allem auch durch eine bessere Bildungspolitik Werbung für pädagogische Berufe machen.
Karin Broszat, Vorsitzende des Realschullehrerverbands, die als erste auf das Plakat aufmerksam gemacht hatte, begrüßt Schoppers Einlenken ebenfalls. Ihr fehlt in der Erklärung des Kultusministeriums allerdings etwas: „Man hätte sich vielleicht noch das schlichte wie auch wichtige Wörtchen ‚Entschuldigung‘ gewünscht“, erklärte sie. Dass es fehle, sei bedauerlich, „hat doch dieser ungeheuerliche Vorfall einen großen Schaden im Vertrauensverhältnis angerichtet“.
Auch für Ralf Scholl, den Landesvorsitzenden des Philologenverbandes, bleiben Fragen offen: „Wie konnte dieses Plakat überhaupt aufgehängt werden? Gab es keine interne Kontrolle?“, will er wissen. Außerdem: „Wieso dauerte es eine Woche, bis auf den sinnentstellenden Fehler reagiert wurde?“ Und: „Wann erfolgt eine Entschuldigung bei den Lehrkräften, die von der Aussage auf diesem Plakat verletzt wurden?“
Der bildungspolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, Timm Kern, erklärte, die Kultusministerin versuche, „zu retten, was noch zu retten ist“. Ihre Richtigstellung komme spät und lasse gegenüber den Lehrkräften eine Entschuldigung vermissen.