Nach Meghans Vorwürfen Warum Archie keinen Titel hat
Dass Mitglieder von Königshäusern keine Titel tragen, ist nicht ungewöhnlich. Denn Europas Höfe stellen ihre „Firmenleitung“ zunehmend knapper auf.
Dass Mitglieder von Königshäusern keine Titel tragen, ist nicht ungewöhnlich. Denn Europas Höfe stellen ihre „Firmenleitung“ zunehmend knapper auf.
Stuttgart - Für seine Eltern ist er „unser kleiner Mann“, für die Öffentlichkeit offiziell Archie Harrison Mountbatten-Windsor – versehen mit einem Master, der vornehmen Anrede eines Jungen im Englischen. Einen Titel trägt der bald zweijährige Sohn von Prinz Harry und seiner Frau Meghan jedoch nicht. Das missfällt seiner Mutter. Sie fühlt sich benachteiligt. In dem viel beachteten Interview, dass das Paar am Sonntag dem US-Talkstar Oprah Winfrey gab, beklagte sich die Herzogin bitterlich darüber, deutete sogar seufzend an, dies habe mit der Hautfarbe ihres Kindes zu tun. Doch stimmt das? Kann es sein, dass dem kleinen Archie aus rassistisch motivierten Gründen die Anrede „Prinz“ verweigert wurde?
Gut möglich, dass bei Hof so mancher Vorurteile gegen dunkelhäutige Menschen hat. Die Sache mit dem Titel verhält sich allerdings so: Nur die Kinder des amtierenden Monarchen, in dem Fall also von Königin Elizabeth II., ihre männlichen Enkel sowie alle Kinder des ältesten Sohnes des Thronfolgers Charles, also die Kinder von Harrys Bruder William, haben per Geburt den Anspruch auf die Anrede Prinz oder Prinzessin.
So will es ein Dekret von 1917, das die Queen 2012 ergänzte. Archie hat somit genauso wenig Anspruch auf einen Titel wie viele andere Urenkel der Queen, etwa der kürzlich geborene Sohn von Prinzessin Eugenie. Was zeigt, dass Meghan entweder bis heute keine Ahnung vom Protokoll hat – oder gern Anlass für Spekulationen gibt.
Überhaupt ist es nicht ungewöhnlich, dass Mitglieder des Königshauses keine Titel tragen. Die Queen-Tochter Anne etwa verzichtete darauf bereits in den 70er Jahren für ihre Kinder und Enkel – um ihnen eine Bürde zu nehmen. Der Trend geht in den vergangenen Jahren generell zu schlankeren Palästen. So hat der schwedische König Carl Gustaf 2019 fünf seiner Enkel den Rang „königliche Hoheit“ entzogen. Nur die beiden Kinder der Thronfolgerin Victoria sind noch Prinzessin und Prinz – und werden royale Pflichten haben. Wer keine offiziellen Termine übernimmt, bekommt auch keine Apanage, womit der Steuerzahler entlastet wird.
Andere Königshäuser haben sich schon früher wie ein Wirtschaftsunternehmen gesund geschrumpft. Obwohl damit am übrig gebliebenen Personal mehr Arbeit hängen bleibt. Spaniens Felipe wollte von Anfang an ein moderner Monarch sein: Bei seiner Thronbesteigung 2014 legte er fest, dass der Casa Real neben ihm nur noch seine Frau Königin Letizia, die beiden Töchter sowie das emeritierte Königspaar Juan Carlos und Sofia angehören. In den Niederlanden gab ebenfalls der Thronwechsel Anlass fürs Abspecken: Seit 2013 gelten nur noch Verwandte ersten Grades von König Willem-Alexander als Mitglieder der „Firmenleitung“. Ähnlich läuft es seit Anfang des Jahres bei den Briten: Die Queen hat nur sieben ihrer direkten Nachkommen als so genannte Senior Royals auserkoren. In ihrem Interview bekannten Harry und Meghan, dass sie gern Mitglieder des inneren Zirkels geblieben wären. Nur halt ohne allzu viele Pflichten.
Der Vorteil für Archie ist, dass er so seine Zukunft unabhängig vom Hof gestalten kann. Was Harry und Meghan verschwiegen: Von der Thronfolge ausgeschlossen ist ihr Kleiner deshalb keinesfalls. Nach seinem Opa Charles, Onkel William, dessen Kindern und seinem Vater Harry steht er an siebter Stelle. Es ist somit zwar unwahrscheinlich, dass Archie mal König von Großbritannien wird – theoretisch besteht aber die Chance. Auch bei seiner Urgroßmutter Elizabeth II. war niemand davon ausgegangen, dass sie je Königin würde. Weder ihr Vater noch ihr Großvater waren zunächst als Thronfolger vorgesehen. Doch das Schicksal wollte es anders. Nun ist sie schon seit 69 Jahren Queen und somit das derzeit am längsten amtierende Staatsoberhaupt der Welt.