Nach OB-Wahl in Esslingen Wie es jetzt in Schorndorf weitergeht

Nicht nur beim Spiel „Schere, Stein, Papier“ hat sich Matthias Klopfer gegen Daniel Töpfer durchgesetzt. Foto: Ines Rudel/Ines Rudel

Matthias Klopfer hat die OB-Wahl in Esslingen gewonnen. Das Schorndorfer Rathaus wird er vermutlich im Spätherbst verlassen. Sein Blick auf die Daimlerstadt hat sich verändert.

Schorndorf - Die große Freude über seinen Sieg, die ist Matthias Klopfer (SPD) am Tag nach seiner Wahl zum neuen Oberbürgermeister von Esslingen noch nicht anzusehen. Sie ist überdeckt von der vielleicht noch größeren Müdigkeit, die nun nach einem kräftezehrenden Wahlkampf durchschlägt. „Ich bin gestern mit dem Fahrrad nach Esslingen gefahren, so langsam war ich noch nie“, erzählt der 53-Jährige. Viel Zeit zum Ausruhen bleibt jedoch erst einmal nicht: Die Woche ist durchgetaktet. „Aber das Wochenende habe ich mir frei gehalten.“

 

Zwischen den Terminen bleibt am Montagmorgen wenigstens ein halbes Stündchen Zeit für einen Umtrunk, mit dem die Rathausmannschaft ihren Chef überrascht. „Wir wollen jetzt jeden Tag mit Ihnen genießen“, meint eine langjährige Mitarbeiterin. Und das beruht offensichtlich auf Gegenseitigkeit: Eine gewisse Wehmut, die mache sich schon breit, wie Matthias Klopfer erzählt. Beim Gang durch den Schlosspark, beim Anblick des alten Rathauses. „Nicht nur, weil das ein schönes Gebäude ist, sondern vor allem wegen der Menschen.“

15 perfekte Jahre in Schorndorf

Der Blick auf Schorndorf, der habe sich durch den Wahlkampf noch einmal verändert. Bei der Digitalisierung, beim Zustand der Schulen oder Straßen, beim Bürgerservice, in vielen Bereichen stehe die Daimlerstadt im Vergleich gut da. „Es ist oft an mich herangetragen worden, dass Schorndorf ein Juwel sei.“ Und auch er selbst nennt die vergangenen 15 Jahre in Schorndorf perfekt, beruflich wie persönlich. Vermissen werde er seine Stammkneipe, aber auch die Beschicker auf dem Wochenmarkt, zu denen sich beim regelmäßigen Einkaufen ein persönliches Verhältnis entwickelt hat.

Und trotzdem: „Ich bin überzeugt, dass Politik vom Wechsel lebt. Das ist immer eine Chance für eine Stadt“, sagt Matthias Klopfer. Wann er die Tür zu seinem Büro am Schorndorfer Marktplatz für immer schließen wird, das soll sich in den kommenden Tagen klären. Aber es wird vermutlich Spätherbst werden, bis der Wechsel ins Neckartal vollzogen sein wird. Zum einen dauert die Amtszeit des bisherigen Esslinger Oberbürgermeisters Jürgen Zieger bis Ende September. Zum anderen wird die Neuwahl in Schorndorf voraussichtlich am 7. November stattfinden, so wird es die Verwaltung dem Gemeinderat vorschlagen.

OB-Wahl in Schorndorf vermutlich Anfang November

Das Gremium trifft sich am 4. August zu einer Sondersitzung, in welcher es nicht nur um die Terminierung der OB-Wahl, sondern auch um die Stellenausschreibung gehen wird. Eine nötige Stichwahl könnte dann am 28. November stattfinden. Zwischen den beiden Wahlgängen liegen drei Wochen, weil an Volkstrauertag und Totensonntag keine Wahlen stattfinden dürfen.

„Ich werde normal weiterarbeiten“, sagt Matthias Klopfer mit dem Blick auf die kommenden Wochen. Der Schorndorfer Rathauschef hofft, dass er den Baubeschluss zur neuen Stadtbücherei noch miterlebt, der in der Oktobersitzung des Gemeinderats auf der Tagesordnung stehen soll. Ansonsten gebe es keine großen Themen mehr, „und Neues anzuschieben, das wäre eh falsch“. Genauso falsch wäre es aus seiner Sicht, bereits Termine in Esslingen wahrzunehmen: „Schließlich ist dort der Oberbürgermeister noch im Amt.“

Der knappe Wahlausgang in Esslingen als Hypothek?

Mit dem Büro in Esslingen werde es ein paar Sachen zu klären geben, ansonsten lässt Matthias Klopfer sein neues Amt auf sich zukommen. „Über die anstehenden Themen werde ich mich mit dem Führungsteam in Esslingen austauschen.“ Ist der knappe Wahlausgang eine Hypothek? „Natürlich wäre mir ein deutlicheres Ergebnis lieber gewesen“, sagt Matthias Klopfer. Ganz neu sei die Situation allerdings nicht: 2006, bei seiner ersten OB-Wahl in Schorndorf, hatte er mit nur zwei Prozent Vorsprung gewonnen.

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Über die Gründe für das knappe Abschneiden in Esslingen habe er sich noch keine großen Gedanken gemacht, dafür habe die Zeit gefehlt, sagt er. Klar sei aber, dass eine Wahlempfehlung nicht wahlentscheidend sein müsse, meint Matthias Klopfer im Hinblick darauf, dass die Grünen ihn nach dem Rückzug des eigenen Kandidaten indirekt den Esslingern ans Herz gelegt hatten. Und aufgefallen sei auch, dass sein Konkurrent Daniel Töpfer (CDU) im Endspurt keine Kosten gescheut habe, viel Geld in die Kampagne gesteckt habe.

Matthias Klopfer ist allerdings optimistisch, dass er trotzdem ein OB für alle Esslinger sein kann, zumal es aus seiner Sicht im Wahlkampf keine persönlichen Konflikte oder gar Verletzungen gegeben habe. „Und ich reiche allen die Hand.“

Das Wahlergebnis und Reaktionen

Wahlergebnis
Matthias Klopfer ist im zweiten Wahlgang mit 49,49 Prozent der Stimmen zum neuen Oberbürgermeister von Esslingen gewählt worden. Sein größer Konkurrent, der CDU-Kandidat Daniel Töpfer, erhielt dagegen 48,12 Prozent der Stimmen. Letztendlich machten damit nur 363 Stimmen den Unterschied aus. Die Wahlbeteiligung lag bei 38,25 Prozent.

Reaktionen
Schorndorfs Bürgermeister Thorsten Englert freut sich sehr: „Er hat es mehr als verdient“, sagt Englert, der den Weggang seines Amtskollegen aber auch bedauert: „Wir haben sehr gut zusammengearbeitet und uns blind verstanden.“ Glückwünsche gibt es via Facebook unter anderem von Tim Schopf, dem Vorsitzender der SPD-Gemeinderatsfraktion oder von Einzelstadträtin Andrea Sieber: „Ich habe viel von ihm gelernt in den letzten Jahren.“ Auch der Tübingen OB Boris Palmer gratuliert seinem Kollegen in den sozialen Netzwerken. Wenig Bedauern gibt es dagegen bei der örtlichen AfD-Fraktion. „Gut für Schorndorf. Schlecht für Esslingen“, unter dem Titel steht eine Pressemitteilung zur Wahl Klopfers.

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