Nach Peta-Video im Zoo Hannover Direktor der Wilhelma verteidigt ähnliche Elefantenhaltung

Im Zoo in Hannover sind die Elefanten eine Attraktion für Besucher. Doch ihre Behandlung durch Tierpfleger steht nun massiv in der Kritik. Und mit ihr eine Elefantenhaltung, die auch bei der Wilhelma in Stuttgart angewendet wird. Foto: dpa
Im Zoo in Hannover sind die Elefanten eine Attraktion für Besucher. Doch ihre Behandlung durch Tierpfleger steht nun massiv in der Kritik. Und mit ihr eine Elefantenhaltung, die auch bei der Wilhelma in Stuttgart angewendet wird. Foto: dpa

In den sozialen Netzwerken sorgt ein Video der Tierschutzorganisation Peta für Aufregung: Die Aufnahmen sollen zeigen, wie Pfleger des Zoos Hannover kleine Elefanten misshandeln. Der Direktor der Wilhelma verteidigt eine ähnliche Elefantenhaltung in Stuttgart.

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Stuttgart - Nach heimlichen Video-Aufnahmen der umstrittenen Tierschutzorganisation Peta im Zoo Hannover gerät eine Form der Elefantenhaltung in die Kritik, die auch in der Wilhelma Stuttgart angewendet wird. So werden die Elefanten im Zoo Hannover wie im Zoo Stuttgart nach der sogenannten „Direct-Contact-Methode“ gehalten, bei der der Tierpfleger in direktem Kontakt zu den Elefanten steht. Dabei kommen auch die im Video zu sehenden sogenannten Elefantenhaken zum Einsatz. Mit solchen Holzstangen mit Eisenspitze sollen die Elefanten im Hannoveraner Zoo bedroht und geschlagen worden sein.

Wilhelma verteidigt umstrittene Elefantenhaltung

Die Sendung „Report Mainz“, die gestern über das Peta-Video berichtete, zitiert dazu die Elefantenexpertin Carol Buckley: „Die Elefanten im Zoo Hannover leiden unter erlernter Hilflosigkeit und leben in täglicher Angst.“ Sie stünden unter „ständiger Bedrohung“, ein Versagen würde sofort mit „körperlichem Schmerz“ bestraft. Auch der Direktor des Frankfurter Zoos, Professor Manfred Niekisch, distanzierte sich gegenüber „Report Mainz“ von den Vorgängen im Hannoveraner Zoo. Eine Haltung nach der sogenannten „Direct-Contact-Methode“ sei nicht mehr zeitgemäß, so Niekisch: „Schläge und Ketten sind Dinge aus der Vergangenheit, wo der Mensch dachte, er müsse ein Tier beherrschen. Wir wissen heute, dass es sehr viel schöner ist für das Tier und auch für die Besucher, wenn sich die Tiere so verhalten, wie sie es auch in natürlicher Weise tun.“

Hier können Sie die Aufnahmen, um die es geht, nochmals ansehen:

Der Direktor der Stuttgarter Wilhelma, Dr. Thomas Kölpin, möchte sich zwar ausdrücklich nicht zu den Peta-Aufnahmen in Hannover äußern. Er bestätigt allerdings, dass auch die beiden 50 und 51 Jahre alten Elefantenkühe in der Wilhelma nach der kritisierten „Direct-Contact-Methode“ gehalten werden. Per se für Tierquälerei hält Kölpin diese Methode allerdings nicht: „Bei uns haben die Elefanten definitiv kein Angstverhältnis zum Tierpfleger, sondern eine sehr enge Zuneigung.“ Eine Aussetzung der „Direct-Contact-Methode“ hätte sogar ein „soziales Problem“ für die Tiere zur Folge, so der Zoodirektor: Die beiden indischen Elefanten hätten schließlich von klein auf unmittelbaren Umgang mit Pflegern, zu denen sie einen besonderen Bezug aufgebaut hätten.

„Unnatürliches System“ soll aufgegeben werden

Und was ist mit den umstrittenen Elefantenhaken? Auch die sind für Kölpin definitiv keine grausamen Folterwerkzeuge. Ein Pfleger, der einem Elefanten gegenüberstehe, müsse sich „durchsetzen“ können, so Kölpin: „Man muss wissen: Wenn der Elefant mit dem Fuß tritt, kann er den Pfleger auch töten.“ Der Elefantenhaken sei deshalb eher wie eine Hundeleine zu sehen, mit der man das Tier führe. Kölpin betont aber: „Unsere Elefanten sind gut erzogen und reagieren sehr gut auf Kommandos. Der Haken kommt deshalb relativ selten zum Einsatz.“ Und auch nur, wenn der Tierpfleger zur Blutabnahme, zum Abduschen oder zur Fußpflege zu den Elefanten gehe – und nicht um Kunststücke einzuüben, wie es auf den Peta-Aufnahmen aus Hannover zu sehen ist.

Der Stuttgarter Zoo-Direktor räumt allerdings mit Blick auf die „Direct-Contact-Methode“ ein: „Momentan ist das ein unnatürliches System.“ Ein System, das auch die Wilhelma nicht fortsetzen möchte, sobald – wie geplant – neue Elefanten in den Zoo kommen. Dann soll auf den sogenannten „Protected Contact“ umgestellt werden, bei dem der Pfleger stets durch Gitter von den Elefanten getrennt ist. „Es ist dann so, dass der Sozialverband der Elefanten in sich funktioniert“, erklärt Kölpin. Die Tiere werden bei dieser Haltungsform mit Belohnungen dazu motiviert, an das Gitter zu kommen und bei medizinischen Untersuchungen mitzumachen. Schon jetzt setzen viele deutsche Zoos auf diese „Protected-Contact-Methode“, zum Beispiel in Heidelberg, Köln, Erfurt oder Münster.




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