Nach Platzverweis für Alassane Plea Wie weit dürfen Emotionen im Fußball noch gehen?

Von red/ dpa 

Seit der Rückrunde gilt die Anti-Mecker-Regel auch in der Bundesliga. Zu spüren bekam das Gladbachs Alassane Plea, der dadurch vom Platz flog. Nun diskutierten die Beteiligten darüber, wie weit Emotionen auf dem Fußballplatz noch gehen dürfen.

Erst sah  Gladbachs Alassane Plea die Gelbe Karte wegen Meckerns, weil er seine Emotionen nicht im Griff hatte, zog Schiedsrichter Tobias Stieler auch noch die Rote Karte. Foto: AP/Jens Meyer
Erst sah Gladbachs Alassane Plea die Gelbe Karte wegen Meckerns, weil er seine Emotionen nicht im Griff hatte, zog Schiedsrichter Tobias Stieler auch noch die Rote Karte. Foto: AP/Jens Meyer

Leipzig - Leipzigs Sturz von der Tabellenspitze interessierte nach dem emotionalen Spitzenspiel nur am Rande. Als die Gladbacher Gemüter sich wegen des Platzverweises gegen Alassane Plea immer noch nicht beruhigt hatten, stand Schiedsrichter Tobias Stieler seelenruhig im Bauch der Red Bull Arena und erklärte sachlich den Stand der Dinge. „Der Spieler hatte die Gelbe Karte bekommen. Dann hat er zweimal eine abfällige Geste in meine Richtung gemacht. In der Konsequenz ist das Gelb-Rot. Das ist eine Respektlosigkeit und so nicht akzeptabel“, sagte der 38-Jährige nach dem 2:2 zwischen RB Leipzig und Borussia Mönchengladbach. Gleichzeitig bedeutete das Remis für RB den Verlust der Tabellenführung an den FC Bayern.

Die Gelb-Rote Karte gegen den Torschützen zum 1:0 nach gut einer Stunde war eine Schlüsselszene, deren Folgen weit über das Spiel hinausgingen. Der Platzverweis begünstigte den späten Leipziger Ausgleich durch Christopher Nkunku und führte auch dazu, dass der Rückstand auf den neuen Spitzenreiter Bayern München eine Woche vor dem Duell in der Allianz-Arena nur einen Punkt beträgt. „Das war die spielentscheidende Szene“, sagte Gladbachs Torschütze Jonas Hofmann.

Anti-Mecker-Regel gilt seit der Rückrunde

Darüber hinaus zeigte Stielers konsequentes Anwenden der seit der Rückrunde geltenden Anti-Mecker-Regel, wie ernst es den Schiedsrichtern ist. „Die Bundesliga hat Vorbildcharakter für den Amateurfußball und solch ein Verhalten ist nicht akzeptabel. In der Hinrunde hätte ich die Karte wahrscheinlich nicht gegeben. Aber wir Bundesliga-Schiedsrichter haben uns dazu verpflichtet und ich werde nicht der Erste sein, der dagegen verstößt“, sagte Stieler und stellte den Bezug zur europäischen Ebene her: „Die UEFA fährt die Linie schon viele Jahre. Wir in Deutschland waren da ein wenig nachlässig. Jetzt muss ein Umdenken stattfinden.“

Das trat bei Gladbach zumindest nicht sofort ein. Reflexartig wurde mehr Fingerspitzengefühl vom Schiedsrichter verlangt. „Die Gladbacher sollen sich erst mal ihren eigenen Spieler vornehmen“, entgegnete Stieler. Schließlich war Pleas Blackout nach einem nicht geahndeten Foul an ihm beim Stand von 2:1 für die Borussia - Patrik Schick hatte für RB verkürzt - an der Mittellinie fernab jeglicher Gefahr eingetreten.

Immerhin war Gladbachs Trainer Marco Rose bei seiner Gelben Karte einsichtig. Sein Verhalten sei „too much“ gewesen, gab er zu, das habe jeder gesehen. Allerdings warnte der 43-Jährige, das Thema Vorbilder zu hoch zu kochen. „Wir sind uns unserer Rolle bewusst. Schwierig wird es aber, wenn das Thema in eine Richtung gelenkt wird, in der wir mit unserem Verhalten dafür zuständig sein sollen, dass in unteren Ligen Schiedsrichter geschlagen werden“, mahnte Rose.