Der Polizeieinsatz am Milaneo am Wochenende wirft Fragen auf: Beamte hatten einen Mann mit Messer schon gestellt, doch dann flüchtete er.

Lokales: Wolf-Dieter Obst (wdo)

Vier Tage nach dem Messer-Vorfall in einer Tiefgarage des Einkaufszentrums Milaneo hat sich die Polizei erstmals zu den Hintergründen geäußert: So blieb zunächst die Frage offen, warum Polizeibeamte einen mit Messer bewaffneten Mann, den sie schon gestellt hatten, zunächst entkommen ließen – und so eine mögliche Gefährdung weiterer Unbeteiligter zugelassen hatten. Die Beamten waren am Samstag gegen 19.30 Uhr von dem Tatverdächtigen mit einem Messer bedroht worden. Hinterher stellte sich heraus, dass er sogar „weitere Messer“, so die Polizei, bei sich trug.

 

Der Vorfall im Bereich Mailänder Platz in der Innenstadt hat vor allem deshalb für Aufsehen gesorgt, weil die versuchte Kontrolle und Festnahme des 30-Jährigen von einem Zeugen per Handy gefilmt worden war. Dabei ist zu sehen, wie zwei Beamte mit ihren Dienstwaffen auf einen Mann zielen, der diese offenbar mit einem Messer bedroht. Der Mann rennt kurz darauf davon, am Zeugen vorbei, nach draußen auf die Wolframstraße. Der Bereich wird von mehreren Streifenwagenbesatzungen abgesperrt. „Im weiteren Verlauf“ sei der Verdächtige festgenommen worden, hieß es am Mittwoch per Mitteilung.

Schießen oder nicht? Einmal endete das tödlich

Doch wie lange war dieser „Verlauf“ – und wie weit kam der Verdächtige? Hätte er auf seinem Fluchtweg womöglich andere Passanten bedrohen oder gar verletzen können? Offenbar kam ein Schusswaffengebrauch für die beteiligten Beamten nicht infrage. In einem anderen Fall, bei einer Fahndung nach einem 29-Jährigen am 1. Juli im Stuttgarter Osten, hatte ein solcher Schuss tödliche Folgen.

Nach der Berichterstattung unserer Zeitung über den Vorfall am Samstagabend hat die Polizei am Mittwoch bekannt gegeben, dass Auslöser des Einsatzes ein Körperverletzungsdelikt gewesen sei. Demnach hatten Zeugen gegen 19.20 Uhr die Polizei verständigt, nachdem ein 28-Jähriger geschlagen worden sein soll. Wenige Minuten später sei ein Verdächtiger angetroffen worden. Als die Beamten ihn kontrollieren wollten, soll er ein Messer gezückt und diese bedroht haben.

Beschlagnahmt: Messer, Drogen, falsche Dokumente

Auf Nachfrage unserer Zeitung haben Polizei und Staatsanwaltschaft den Ablauf nunmehr präziser dargestellt. Der Mann sei um 19.30 Uhr an einer Tiefgaragenzufahrt angetroffen und unter Androhung des Schusswaffengebrauchs aufgefordert worden, das Messer wegzulegen. „Noch bevor die Beamten die Möglichkeit hatten den Mann festzunehmen, rannte der Mann plötzlich weiter zu einem Bauzaun an der Baustellenzufahrt Wolframstraße Ecke Nordbahnhofstraße“, erklärt Polizeisprecherin Charlotte Weller.

Die Beamten hätten ihn dort, knapp 200 Meter entfernt, gestellt und erneut aufgefordert, das Messer abzulegen. „Nachdem die Beamten mehrere Minuten auf ihn eingeredet hatten, legte er schließlich das Messer weg“, so die Sprecherin. Er habe sich gegen 19.45 Uhr widerstandslos festnehmen lassen. Der Tatverdächtige sei auch während der Fluchtphase die ganze Zeit im Blick der Beamten gewesen.

Warum der 30-Jährige ein Messer gezückt hatte und worum es bei dem vorangegangenen Streit beim Milaneo gegangen war, bleibt unklar. Allerdings könnten die bei ihm beschlagnahmten Gegenstände einen kleinen Hinweis auf die Richtung geben: Der Verdächtige hatte noch ein Klappmesser, ein Messer mit sieben Zentimeter langer Klinge, Kleinstmengen an Haschisch, Marihuana, einige Ecstasytabletten sowie gefälschte Dokumente dabei. Der 30-Jährige sitzt seit Sonntag auf Antrag der Staatsanwaltschaft in Untersuchungshaft.