Nach Prostitutions-Debatte Warum der CDU-Schatzmeister sein Amt aufgibt

Die demonstrative Eintracht  zwischen Karin Maag und Stefan Kaufmann (oben) war in der Diskussion übers Dreifarbenhaus (unten) Foto: Lichtgut/Willikonsky, STZW
Die demonstrative Eintracht zwischen Karin Maag und Stefan Kaufmann (oben) war in der Diskussion übers Dreifarbenhaus (unten) Foto: Lichtgut/Willikonsky, STZW

Soll der Besitzer einer Bordell-Immobilie CDU-Schatzmeister sein? Nach einer kurzen, aber heftigen Debatte um Prostitution und Werte beendet Eberhard Graf die Diskussion: er gibt sein Amt auf.

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Andreas Müller (mül)
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Stuttgart - Der Stuttgarter CDU bleibt eine Zerreißprobe wegen der Beteiligung ihres Schatzmeisters an einer Bordellimmobilie erspart. Nur einen Tag nach dem Bekanntwerden der internen Diskussion durch einen StZ-Bericht trat Eberhard Graf von diesem Amt zurück. „Ich habe meine Expertise der CDU sehr gerne zur Verfügung gestellt“, erklärte er nach Angaben des Kreisverbands. „Angesichts der presseöffentlichen Diskussion“ über seine Beteiligung am Dreifarbenhaus stelle er das Amt aber zur Verfügung. „Ich hätte mir gewünscht, dass mich die stellvertretende Kreisvorsitzende Karin Maag nach der ersten Veröffentlichung über meine Beteiligung vor vier Wochen persönlich kontaktiert, um mir ihre Probleme mitzuteilen“, fügte Graf hinzu.

Der CDU-Kreischef Stefan Kaufmann dankte dem scheidenden Schatzmeister „für diesen Schritt, der weiteren Schaden von der CDU Stuttgart fernhält“; er würdigte auch dessen „gute Arbeit für den Kreisverband“. Kommissarischer Nachfolger Grafs solle der Rechtsanwalt Matthias Scheible aus Möhringen werden, der bereits dem Kreisvorstand angehört. Er werde Scheible bei der nächsten Sitzung des Kreisvorstands am 4. Dezember vorschlagen, kündigte Kaufmann an.

Nicht am Bordellbetrieb beteiligt

Die Vize-Kreischefin Maag zollte dem Schatzmeister Respekt für seinen Schritt. Sie zeigte sich gegenüber unserer Zeitung erfreut über die „zügige Lösung“ des Konflikts. Damit könne sie weiterhin Stellvertreterin von Kaufmann bleiben. Maag hatte mit Rücktritt gedroht, sollte der Schatzmeister im Amt bleiben. Dessen Engagement beim Dreifarbenhaus sei für sie nicht mit den CDU-Werten vereinbar, sagte sie laut Teilnehmern bei einer internen Sitzung.

Durch StZ-Recherchen war Anfang Oktober bekannt geworden, dass Graf Anteile an einer Immobiliengesellschaft hält, der das Dreifarbenhaus gehört; dies ist das größte Bordell in der Landeshauptstadt. An Vermietung oder Betrieb sei er jedoch nicht beteiligt, wurde versichert. Zur Höhe seiner Beteiligung äußerte sich Graf ebenso wenig wie zu weiteren Fragen.

In der Partei gilt Graf als sehr beliebt

CDU-intern betonte er stets, das Engagement sei seine Privatsache. Der ehemalige Banker war erst im Dezember vorigen Jahres zum Schatzmeister gewählt worden. Nach einer Karriere bei mehreren Geldinstituten ist er im Ruhestand noch als Unternehmensberater tätig. In der Partei gilt er als sehr beliebt, er hatte eines der besten Wahlergebnisse erhalten. Über seine Rolle beim Dreifarbenhaus wussten viele Christdemokraten nichts – offenbar auch Kaufmann und Maag nicht.

Maag kritisierte die Beteiligung insbesondere vor dem Hintergrund ihres Kampfs gegen Missstände in der Prostitution. Bei der internen Debatte hatte sie zunächst keine Mehrheit für ihre Position gefunden. Kaufmann setzte sich dabei nach StZ-Informationen für den Verbleib des Schatzmeisters ein. Er wollte in den nächsten Wochen ein klärendes Gespräch mit Maag führen; dies dürfte sich nun erledigt haben.

Rückendeckung von der Frauenunion

Massive Unterstützung hatte Maag zuletzt von der Frauenunion erhalten. Die Landesvorsitzende und Europaabgeordnete Inge Gräßle zeigte sich über Grafs Beteiligung ebenso empört wie die Kreischefin Donate Kluxen-Pyta. Diese sei „mit unseren Werten keinesfalls vereinbar“, sagte Kluxen-Pyta. Die SPD-Landeschefin Leni Breymaier hatte Graf bescheinigt, er sei „Teil des menschenverachtenden Systems Prostitution“. Dies sei „unsäglich, auch für die CDU“.




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