Das Telefon klingelt die ganze Nacht durch, auf der Facebook-Seite hagelt es böse Kommentare und sogar unverhohlene Drohungen sind schon eingegangen: Die Mitwirkung an der Räumung eines Gnadenhofs für alte Hunde in der Eifel bei Bad Neuenahr-Ahrweiler hat den Betreiber einer Tierpension im oberschwäbischen Bad Waldsee zum Hassobjekt von vermeintlichen Tierschützern gemacht. „Es ist ein fast unerträglicher Zustand“, sagte der Betreiber, Horst Fallenbeck. Ein Anruf bestand nur aus gellenden Schreien. Bei einem anderen wurde ihm klar gemacht, dass die Benzinkanister schon bereit stünden. Seine Pension liege ja schön weit außerhalb.
Der Fall aus Rheinland-Pfalz hat eine Vorgeschichte. Mehrfach hatte das Veterinäramt des Kreises Ahrweiler offenbar Hinweise auf unhaltbare Zustände auf dem „Gnadenhof“ erhalten. Die 67 Jahre alte Leiterin versorge dort allein 61 Hunde, die sich teils in einem erbärmlichen Zustand befänden. Bei einer amtsärztlichen Kontrolle im Oktober 2023 seien „hygienische Missstände im Aufenthaltsbereich der Tiere und bei einem Teil der Hunde ein schlechter Pflegezustand“ festgestellt worden, heißt es in einer Mitteilung der Kreisbehörde. Verfilztes Fell, überlange Krallen, schmutzige Ohren – teilweise bissen sich die Hunde gegenseitig. Vom Veterinäramt wurde daraufhin eine Bestandsreduzierung auf fünf Tiere verfügt.
Petition mit 100 000 Unterzeichnern
Obwohl zwei Gerichte, darunter das Oberverwaltungsgericht in Koblenz, die Verfügung inzwischen bestätigten, formierte sich Widerstand. Eine Onlinepetition gegen die Schließung des Gnadenhofs sollen rund 100 000 User unterzeichnet haben. Der örtliche Amtsveterinär sah sich heftigen Vorwürfen ausgesetzt. Er führe „einen persönlichen Krieg“ gegen den Hof und könne es nicht ertragen, dass sich „eine Frau“ seinen Entscheidungen widersetze. Den Amtstierärzten wurde unterstellt, sie würden nach der Räumung die altersschwachen und teils chronisch kranken Tiere ohnehin nur „wegspritzen“, also einschläfern.
Entsprechend schwierig war es, in Rheinland-Pfalz Aufnahmestationen für die gerichtlich bestätigte Räumung zu finden. Einige Tierheime solidarisierten sich mit der gut vernetzten Gnadenhofleiterin, andere waren schon belegt, etliche dürften auch den drohenden Shitstorm vorausgeahnt haben. Deshalb fragte das Veterinäramt bei der Tierpension in Bad Waldsee nach. Wegen des Feiertagswochenendes war man dort zwar im Pensionsbereich gut belegt, allerdings hatte man gerade erst einen neuen Quarantänebereich eröffnet.
Vom Pinscher bis zum Herdenschutzhund
Während die Amtstierärzte offenbar wegen des beißenden Geruchs und der hygienischen Verhältnisse bei der Räumung Schutzmasken und Plastikschoner über den Schuhen trugen, witterten viele Kommentatoren auf Facebook schlicht einen Skandal. Dass 25 der beschlagnahmten Hunde eine 500 Kilometer lange Reise von Ahrweiler nach Bad Waldsee aushalten mussten, sei eine Schande.
Obwohl Fallenbeck unter anderem eine große, vom örtlichen Veterinäramt überwachte Pause in Pforzheim einplante, wird ihm der Transport nun als „Tierquälerei“ zum Vorwurf gemacht. Offenbar gehe es ihm nur ums Geld, hieß es in Kommentaren auf seiner Facebook-Seite. Tatsächlich kommt die Unterbringung der Tiere den Steuerzahler teuer. Die Tagessätze pro Hund lägen je nach Größe zwischen 15 und 30 Euro. Neben Pinschern, Terrier- und Beagle-Mischlingen sei auch ein Herdenschutzhund übernommen worden. Letzterer sei schlecht ernährt, wiege aber dennoch 42 Kilogramm.
Was wird nun aus den Tieren?
Nicht wenige der Hunde dürften aus dem Ausland stammen. Die Rettung von Straßenhunden aus Rumänien oder Spanien gilt als Geschäft, für das sich gut Spenden einsammeln lassen. „Da geht es auch um viel Geld“, glaubt Fallenbeck. Auch dies sei für ihn Hintergrund der Kampagne, der er nun ausgesetzt sei. Doch das müsse man ertragen, wenn der Rechtsstaat sich durchsetzen solle.
Die Tiere seien mittlerweile gut in seiner Pension angekommen, sagte Fallenbeck. Die Besitzerin kann sie nun veräußern. Tut sie dies nicht, könne er sie problemlos vermitteln. „Ich habe schon jetzt zehn bis zwölf Anfragen.“ Ein Boykott, wie ihn nun viele Tierfreunde erhoffen, droht ihm offenbar nicht. „Die Reaktion aus meiner Kundschaft ist sehr ermutigend.“