Nach Razzien wegen versuchtem Totschlag Stuttgarter Antifa-Gruppe ruft zu Demo für Verhaftete auf

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Nachdem die Polizei am Morgen neun Wohnungen wegen Landfriedensbruch und eine zusätzlich wegen versuchten Totschlags durchsucht hat, ruft eine Antifa-Gruppe am Rotebühlplatz zu einer Demo für die Tatverdächtigen auf. Andere Linke sehen das sehr kritisch.

Das Antifaschistische Aktionsbündnis Stuttgart und Region hat kein Verständnis für die Razzien am Donnerstagmorgen. (Symbolfoto) Foto: 7aktuell.de/F/lorian Gerlach
Das Antifaschistische Aktionsbündnis Stuttgart und Region hat kein Verständnis für die Razzien am Donnerstagmorgen. (Symbolfoto) Foto: 7aktuell.de/F/lorian Gerlach

Stuttgart - Die Polizei hat am Donnerstagmorgen wegen eines Angriffs auf Mitglieder der politisch rechts geltenden Arbeitnehmervertretung Zentrum Automobil Wohnungen mutmaßlich Linksextremer durchsucht. Jetzt kündigt das Antifaschistische Aktionsbündnis Stuttgart und Region (AABS) noch am selben Tag um 18 Uhr eine Kundgebung auf dem Rotebühlplatz an, um sich solidarisch mit den Tatverdächtigen zu erklären.

Das AABS bezeichnet die Razzien, die sich auch in Stuttgart ereignet hatten, als „Angriffe auf linke Aktivisten.“ Weiter sei „ein Angriff auf einen von uns ein Angriff auf uns alle.“ Das sehen aber offenbar nicht alle so, die prinzipiell eine klare Kante oder harte Gangart gegen Nazis und Rechtsradikale befürworten.

So schreiben ehemalige Sympathisanten unter den Aufruf, den das AABS in sozialen Netzwerken geteilt hat, beispielsweise: „Ich finde es leider zunehmend bedenklich, wie ihr offen zu Gewalt aufruft und diese legitimiert. Ich habe euch lange im Geist unterstützt, aber einen Menschen ins Koma zu prügeln, das geht nicht und lässt sich auch nicht mit eurer ,Aktionsform’ der körperlichen Konfrontation schön reden!“

Die Polizei will präsent sein

Am 16. Mai endete ein Überfall auf eine Gruppe einiger Zentrum-Automobil-Mitglieder in der Nähe des Cannstatter Wasens am Rande einer Demo gegen die Corona-Beschränkungen für eines von ihnen im Koma. Aus dem Koma soll der Daimler-Betriebsrat mittlerweile zwar aufgewacht, aber davon dauerhaft geschädigt sein. Ein 21-Jähriger aus Ludwigsburg ist nach Informationen unserer Zeitung dafür als Hauptverantwortlicher verdächtig, er befindet sich in Untersuchungshaft. Die anderen, die laut Polizei an dem Angriff ebenfalls beteiligt gewesen sein sollen, sind wohl wieder auf freiem Fuß. Gegen sie wird wegen Landfriedensbruchs ermittelt

Viele andere politisch eher links einzuordnende Gruppen verurteilten den Vorfall bereits damals, allerdings eher hinter vorgehaltener Hand – denn die Ermittler hielten sich zunächst recht bedeckt und sprachen lediglich von Hinweisen auf linksextreme politische Motive. „Das macht jahrelange Arbeit gegen Rassismus kaputt“, sagte jemand, der in der Präventionsarbeit gegen Extremismus tätig ist. Auch linke Gewerkschaften verurteilten Gewalt als Mittel und distanzierten sich von den mutmaßlichen Tätern.

Die Stuttgarter Polizei hat angekündigt, das Geschehen im Blick haben zu wollen. „Wir werden heute Abend präsent sein“, sagte ein Sprecher der Polizei am Donnerstagnachmittag auf Nachfrage.




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