Nach regierungskritischen Protesten Bereitschaftspolizei auf Teheraner Versammlungsplatz stationiert

Von red/AP 

Die iranischen Machthaber rüsten sich nach regierungskritischen Protesten am Samstag auf weitere Kundgebungen. Iranische Zeitungen nennen das späte Eingeständnis des Abschusses des ukrainischen Passagierflugzeugs eine „Schande“ und „unverzeihlich“.

Iranische Studenten demonstrieren vor der Amirkabir Universität in der Innenstadt nach einer Trauerfeier für die Opfer des Flugzeugabsturzes. Foto: dpa/Rouzbeh Fouladi
Iranische Studenten demonstrieren vor der Amirkabir Universität in der Innenstadt nach einer Trauerfeier für die Opfer des Flugzeugabsturzes. Foto: dpa/Rouzbeh Fouladi

Teheran - Nach ersten Protestkundgebungen gegen die iranische Regierung am Samstagabend ist für Sonntag eine weitere Demonstration angekündigt. Als Reaktion auf entsprechende Aufrufe gingen auf dem Teheraner Platz Vali-e Asr Bereitschaftspolizei und Polizisten in zivil in Stellung. Auf dem Platz wurde ein großes schwarzes Banner mit den Namen der 176 bei dem Abschuss der ukrainischen Passagiermaschine am Mittwoch getöteten Menschen enthüllt.

Sicherheitskräfte hatten am Samstagabend Versammlungen an Teheraner Universitäten mit Einsatz von Tränengas aufgelöst, die als Mahnwachen für die Opfer des Absturzes begannen, dann aber in Protest gegen die Führung umschlugen, die tagelang die Verantwortung für den Absturz bestritten hatte. Erst am Samstag wurde eingeräumt, dass aus Versehen eine Luftabwehrrakete auf das Passagierflugzeug abgefeuert worden sei. Viele Insassen waren Iraner und iranischstämmige Kanadier.

Der britische Botschafter Robert Macaire wurde bei einer der Kundgebungen festgenommen. Er habe nicht gewusst, dass es eine politische Demonstration werden würde, erklärte er. „Kann bestätigen, dass ich in keiner Weise an irgendeiner Demonstration teilgenommen habe“, schrieb er auf Twitter. „Bin zu einer Veranstaltung gegangen, die als Mahnwache für Opfer der #PS572-Tragödie (Flugnummer der ukrainischen Passagiermaschine) angekündigt wurde. Normal, dass ich die letzte Ehre erweisen wollte - einige der Opfer waren Briten.“ Nach fünf Minuten sei er gegangen, als einige begonnen hätten, Parolen zu skandieren. Diese richteten sich auch gegen den Obersten Führer, Ajatollah Ali Chamenei.

Trump drückt Sympathie und Unterstützung für Demonstranten aus

Der Botschafter wurde nach eigenen Angaben eine halbe Stunde, nachdem er die Versammlung verlassen hatte, festgenommen. In iranischen Medien hieß es, er sei verdächtigt worden, zu den Protesten ermutigt zu haben. Das Londoner Außenministerium erklärte, ein Grund für die Festnahme sei dem Botschafter nicht genannt worden. Außenminister Dominic Raab sagte, die Verhaftung sei eine „flagrante Verletzung des internationalen Rechts“ gewesen.

US-Präsident Donald Trump drückte Sympathie und Unterstützung für die Demonstranten in Teheran aus. Er rief per Twitter die iranische Regierung auf, Menschenrechtsgruppen die Proteste beobachten zu lassen. Dem „tapferen, seit langem leidenden Volk“ Irans versicherte er, dass er an seiner Seite stehe. „Es kann kein weiteres Massaker an friedlichen Demonstranten geben, noch eine Internet-Abschaltung“, schrieb er. „Die Welt schaut zu.“ 

Nach den Massenkundgebungen bei den Trauerfeierlichkeiten für den bei einem US-Angriff getöteten General Ghassem Soleimani schien sich die Stimmung gegen die Führung der Islamischen Republik zu wenden. In den iranischen Medien war das Eingeständnis des Abschusses der Passagiermaschine am Sonntag das Hauptthema. „Ein Himmel voller Traurigkeit“ titelte die Hardliner-ZHeitung „Watan-e Emrus“. Bei der Zeitung „Hamschahri“ lautete die Schlagzeile „Schande“ und bei „Iran“ „Unverzeihlich.“ Die Verantwortlichen sollten um Entschuldigung bitten und zurücktreten.