Nach schwerem Crash in Fellbach Feuerwehr lobt Unfallzeugen

Nach dem Unfall haben Zeugen einem Schwerverletzten geholfen. Foto: Feuerwehr Fellbach/Alexander Ernst 9 Bilder
Nach dem Unfall haben Zeugen einem Schwerverletzten geholfen. Foto: Feuerwehr Fellbach/Alexander Ernst

Nach dem schweren Crash auf der B 14 haben sich einige Autofahrer hervorgetan – das ist nicht selbstverständlich. Ein Feuerwehrsprecher erklärt, wie man sich im Notfall verhalten sollte.

Rems-Murr: Phillip Weingand (wei)
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Fellbach - Ein riesiger Krach, ein durch die Luft fliegendes Auto, ein schwer verletzter Mann – bei solchen Situationen einen kühlen Kopf zu bewahren, ist gar nicht leicht. Doch die Fellbacher Feuerwehr ist voll des Lobes für einige Unfallzeugen, die sich nach dem schweren Crash auf der B 14 durch rasches und richtiges Handeln hervorgetan haben. „Das sieht man wirklich selten, dass Leute nicht nur das Smartphone herausholen, um zu filmen, sondern mit anpacken“, lobt Alexander Ernst, Sprecher der Feuerwehr Fellbach.

Am Samstagmittag war ein 73-Jähriger mit seinem Wagen auf der B 14 in Richtung Waiblingen unterwegs gewesen. Auf der Höhe der Ausfahrt Waiblingen-Süd lenkte er plötzlich nach rechts, schaffte das Ausfahren jedoch nicht mehr: Sein Wagen krachte gegen die Schutzplanke. Der Pkw kippte auf die Seite, der Senior wurde in dem Wagen eingeklemmt. Die Feuerwehr befreite den Schwerverletzten, ein Rettungshubschrauber brachte ihn in ein Krankenhaus. Die völlig verformte Leitplanke lässt die große Wucht des Aufpralls erahnen.

Immer wieder werden Gaffer zu einem Problem für Einsatzkräfte

Schon beim Anblick des fliegenden Autos habe ein Berufskraftfahrer den Notruf 112 gewählt, sagt Ernst – er sei jedoch nicht durchgekommen, obwohl die Leitstelle erst neulich Personal aufgestockt hatte. Ein anderer Zeuge habe den Notfall melden können. „Ein weiterer Autofahrer hat die Erste-Hilfe-Tasche genommen, dem Kraftfahrer Einweghandschuhe gegeben, und sie sind zu dem Unfallwagen hin.“ Einer der Helfer sei zu dem Verletzten vorgedrungen, andere hätten das auf die Seite gekippte Auto stabilisiert. „Die 112 wählen, die Unfallstelle absichern und möglichst mit dem Handy am Ohr versuchen, mit dem Verletzten zu sprechen und ihm zu helfen“ – so fasst Ernst das richtige Handeln im Notfall zusammen.

Dass Zeugen eines Unfalls zu Helfern werden, ist keineswegs selbstverständlich. Das haben viele Beispiele gezeigt, die sich in den vergangenen Jahren in der Region ereignet hatten. Immer wieder sah die Polizei es geboten, wegen Schaulustigen einzuschreiten und Anzeige zu erstatten. Etwa, als im Frühjahr vergangenen Jahres vor einem Supermarkt in Lörrach ein Mann nach einem medizinischen Notfall starb – und ein 40-Jähriger die Leiche fotografierte und die Bilder über Whats- App verbreitete. Auch nach einem tödlichen Zusammenstoß zwischen Affalterbach und Leutenbach Anfang Mai dieses Jahres mussten sich Einsatzkräfte mit Schaulustigen und Handyfotografen auseinandersetzen. Und bei einem Unfall Mitte Juni nutzte ein BMW-Fahrer bei Winterbach eine Rettungsgasse dafür, schnell am Stau vorbeizukommen.

Wer Unfallopfer fotografiert, riskiert eine harte Strafe

Seit Januar 2021 gelten in Deutschland härtere Strafen für jene, die Fotos oder Videos von Unfalltoten anfertigen. Das Strafgesetzbuch sieht dafür nun eine Geldstrafe oder gar eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren vor. Gaffer können sich ferner der unterlassenen Hilfeleistung oder der Behinderung von Rettungskräften schuldig machen – und auch das Gaffen selbst kann ein Bußgeld bis zu 1000 Euro nach sich ziehen, wenn es zu einer Anzeige kommt.

Laut der Hilfsorganisation Die Johanniter tauchen an einem Einsatzort in Deutschland im Durchschnitt 26 Schaulustige auf. Sie hat sich daher etwas gegen die Unfall-Handyknipser einfallen lassen: Einige Rettungs- und Krankentransportwagen, aber auch Rucksäcke von Sanitätern haben die Johanniter mit einem großen QR-Code bedruckt. Sobald jemand mit einem Smartphone ein Foto von dem Einsatz macht, blendet das Handy den Link zur Webseite gaffen-toetet.de ein – und darauf entsprechende Informationen zum richtigen Verhalten an Unfallstellen sowie der Rechtslage zum Gaffen und Fotografieren.

„Das Filmen und Fotografieren ist auch den Opfern gegenüber respektlos“, sagt Alexander Ernst. Ebenso beim Unfall in Fellbach habe es wieder Autofahrer gegeben, die langsam an der Unfallstelle vorbeifuhren und das Geschehen vom Steuer aus filmten oder fotografierten.




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