Nach schweren Turbulenzen Neue Chefin für Parkraum-Firma des Landes

Anja Müller übernimmt das in Turbulenzen geratene Landesunternehmen. Foto: Apcoa /Parking

Noch prozessiert der alte PBW-Chef gegen seinen Rauswurf. Doch Anfang 2024 bekommt die Parkraum-Gesellschaft des Landes eine neue Chefin – erstmals aus der Privatwirtschaft.

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Andreas Müller (mül)

Die von schweren Turbulenzen erschütterte Parkraumgesellschaft Baden-Württemberg (PBW) bekommt eine neue Chefin: Zum 1. Januar 2024 rückt die Managerin Anja Müller vom Parkraumunternehmen Apcoa Deutschland an die Spitze der Landesfirma. Dies erfuhr unsere Zeitung aus sicherer Quelle. Damit erhält die bisher von einstigen Beamten geführte PBW erstmals eine Geschäftsführerin aus der Privatwirtschaft. Beim ungleich größeren Unternehmen Apcoa firmiert Müller als „Director Operations“. Zu ihren wichtigsten Aufgaben dürfte gehören, Ruhe in die von internen Querelen geplagte Landesfirma zu bringen. Von dem für Landesbeteiligungen zuständigen Finanzministerium war zunächst keine Bestätigung zu erhalten.

 

Müller folgt auf den langjährigen Geschäftsführer Gebhard Hruby, der Ende 2022 zusammen mit seiner Assistentin abrupt abgelöst worden war. Ihm wurden schwere Pflichtverletzungen vorgeworfen, die er überwiegend zurückweist. Gegen seinen Rauswurf wehrt sich der aus der Finanzverwaltung stammende Jurist mit einer Klage vor dem Landgericht Stuttgart; dort ist Ende Januar eine Verhandlung terminiert. Es gilt als unwahrscheinlich, dass Hruby an die Spitze der PBW zurückkehrt.

Assistentin zu Unrecht rausgeworfen

Seine Assistentin hatte sich vor dem Arbeitsgericht Stuttgart gegen ihre fristlose Kündigung gewehrt. Die dafür angeführten Gründe ließ die Kammer nicht gelten. Die monierte Recherche in internen Mailkonten sei ebenso wenig zu beanstanden wie die tageweise Nutzung eines Dienstwagens, beides mit Rückendeckung des Geschäftsführers. Auf Anregung des Gerichts kam es zu einem Vergleich; die Frau scheidet mit einer erheblichen Abfindung aus.

Für die Verhältnisse bei der PBW, die „fast eine Behörde“ sei, hatte der Richter drastische Worte gefunden. „Jeder meint, er sei der Chef“. Das sei eines der zentralen Probleme der Firma gewesen. Besonders aus der Ebene der Bereichsleiter wurde massiv gegen Hruby opponiert – manche meinen intrigiert. Beim früheren Aufsichtsratsvorsitzenden der PBW, dem inzwischen pensionierten grünen Spitzenbeamten Uwe Lahl, hatte der Jurist hohe Wertschätzung genossen. Von der neuen Chefkontrolleurin, der Verkehrsstaatssekretärin Elke Zimmer (Grüne), bekam er offenbar weniger Rückhalt.

Noch amtieren zwei Interims-Geschäftsführer

Seit etwa einem Jahr wird die PBW von zwei Interims-Geschäftsführern geleitet. Der Name der neuen Chefin hat sich intern bereits herumgesprochen. Mit Spannung wird erwartet, ob sie die internen Gräben zuschütten kann. Müllers bisherige Firma Apcoa ist, gemessen an der Zahl der Parpkplätze, etwa zehnmal so groß wie die PBW.

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