„Zu schön“ kann das Daten manchmal sein. Zu schön, um wahr zu sein, aber auch irgendwie aufwühlend, spannend und toll. All das fängt Mary Summer in ihrem neuen luftig-leichten Deutschpop-Song ein. Wer den noch nicht kennt, hat ihn spätestens nach einmal Hören schon im Ohr, denn das eingängige Gitarren-Riff von Andy Newman versprüht Latin-Vibes und hat Ohrwurmpotenzial. Passend zum Sommer eben.
Neben „Zu Schön“ hat Mary Summer in den letzten zehn bis 15 Jahren um die 100 Songs geschrieben. Davon ließ sie ihre treuen Fans auf Soundcloud die besten aussuchen und packte sie in ein Album. Die LP erscheint am 23. August. Das Besondere daran: Es ist ein Doppelalbum, das aus einer deutschsprachigen LP und einer englischsprachigen EP besteht, die im Frühjahr 2025 erscheint. „Es ist wie bei meinen Wurzeln – gemischt“, sagt Mary mit einem Lächeln. Die deutschafrikanische Künstlerin singt auf ihrem neuen Album über die Liebe und die Erfahrungen, die man auf der Suche danach macht: „Schmetterlinge im Bauch sind unglaublich toll, aber sie können einen auch blind machen.“ So finden sich auch Zeilen über Love Bombing (zu Deutsch: Liebesbombardement) oder Future Faking (vorgespielte Zukunft) in ihren Liedern wieder.
Von der Bühne in Uhlbach auf die The Voice-Stage
Mary ist im malerischen Uhlbach bei Adoptiveltern aufgewachsen. Und die Sängerin weiß schon früh, wo es für sie hingehen soll: „Ich war als Kind schon total begeistert von diesem Beruf, ich wollte das unbedingt machen und habe es auch damals schon allen erzählt.“ Die Reaktion der pragmatischen Schwaben fiel eher verhalten aus, erinnert sich Mary Summer mit einem Schmunzeln. Doch sie beweist Biss und singt sich vom Schulchor über Dorffest-Auftritte bis auf richtige Gigs gegen Bezahlung. Als die Stimmen in ihrem Bekanntenkreis immer lauter werden, bewirbt Summer sich im Jahr 2015 schließlich bei der Castingshow „The Voice of Germany.“
„Ich fand eigentlich nicht, dass ich zu The Voice gehen sollte“, erzählt sie. Jeder Künstler habe sein eigenes Publikum und deshalb brauche man nicht miteinander zu konkurrieren, findet Mary. Trotzdem nimmt sie damals am Gesangswettbewerb teil und reflektiert: „Dort passiert wahnsinnig viel und das kann total überwältigend sein. Ich hätte mir bei The Voice einen Mental-Coach gewünscht.“
Obwohl Mary Summer zum ersten Mal spürt, wie hart das Musikbusiness sein kann, schafft sie es bis ins Halbfinale und bereut ihre Teilnahme am erfolgreichen TV-Format nicht. Sie habe in ihrer Zeit bei The Voice tolle Künstlerinnen und Künstler kennengelernt, zu denen sie heute noch in Kontakt steht, und sich einen Namen in der Musikbranche gemacht.
Mary in Blumentöpfen
Nach The Voice nimmt sich Mary erst mal eine Pause von der Musik und macht ihren Master in Wirtschaftspsychologie. Sie konzentriert sich auf ihre Arbeit als Sozialpädagogin und bietet in ihrer Privatpraxis im Stuttgarter Osten psychologische Beratung und Coachings an. Das ist nur eins ihrer vielen Herzensprojekte, die sie sich wie verschiedene Blumentöpfe vorstellt: „Ich muss das nicht alles gleichzeitig bedienen, ich kann das so gießen, wie es gerade kommt.“ Manchmal wachse es dann eher hier, mal eher dort. Aber alle Töpfe sind trotzdem immer da. „Und das sind auch sehr widerstandsfähige Pflanzen. Vielleicht Kakteen“, schiebt Mary lachend hinterher.
Ein weiterer Blumentopf ist der gemeinnützige Verein „Music for Life“, den sie 2011 für benachteiligte Kinder und Jugendliche ins Leben rief. Die Idee dahinter ist, in Armutsvierteln in Entwicklungsländern Musikprojekte anzubieten. Ihr Erfolgsrezept dafür, den Überblick über alle Töpfe zu behalten, sei ein gutes Zeitmanagement. Dabei plant Mary akribisch ein halbes Jahr im Voraus. „Man muss damit klarkommen, dass es manchmal viel sein kann. Ab und zu muss man umdenken, es läuft nicht immer alles nach Plan“, sagt sie.
Doch was ist überhaupt ihre Motivation dahinter, mit so vielen Herzensprojekten zu jonglieren? Der Grund dafür liegt weit zurück, als Mary Summers leibliche Mutter mit 23 Jahren starb. „Deswegen war mir immer klar, das Leben ist endlich. Und dass ich gut überlegen muss, wie ich meine Zeit nutze“, sagt die Künstlerin. „Irgendwie dachte ich immer, ich werde auch nur 23. So ist es nicht gewesen, aber so habe ich kalkuliert.“ Ihr Alter möchte sie allerdings nicht verraten. Mehr und mehr wendet sie sich wieder dem musikalischen Teil in ihrem Leben zu, schreibt Texte, die berühren und arbeitet als gebuchte Sängerin auf verschiedensten Events. 2022 tritt sie sogar bei den Stuttgarter Jazz Open als Opening Act für Stars wie Jessie J und John Legend auf. Und was steht als nächstes auf dem Plan?
Adele als Karrierevorbild
Heute und in Zukunft stellt Summer die Musik-Pflanze wieder entschieden in den Fokus, will sie düngen, trimmen und umtopfen. Die ersten Schritte in diese Richtung unternimmt sie mit ihrer kommenden LP. Irgendwann würde sie auch gern auf dem Montreux Jazz Festival spielen. Wovon Mary noch träumt? „Ich arbeite langsam, aber sicher, darauf hin, dass ich irgendwann auch mal eine Karriere wie Adele mache.“