Nach Tod eines Arztes RKH will Kinderarztpraxis übernehmen

Die Praxis wird mit Vertretern weiterbetrieben, bis eine Lösung gefunden ist. Foto: Ralf Poller/a/vanti

Der Mangel an Medizinern zeigt sich in Marbach. Dort kann eine Praxis nach dem Tod des bisherigen Inhabers nicht mehr weiterbetrieben werden.

Ludwigsburg: Oliver von Schaewen (ole)

In Marbach hinterlässt der Tod von Heiko Billing eine Lücke in der medizinischen Versorgung. Der beliebte Kinderarzt hatte vor nicht allzu langer Zeit die Praxis seines Mediziner-Kollegen Volker Tempel übernommen, der altershalber ausscheiden wollte. Da Heiko Billing aber schwer erkrankte und starb, kann die Praxis nicht mehr aufrechterhalten werden. Die Stadt Marbach will mit der RKH Kliniken Ludwigsburg-Bietigheim gGmbH einig werden. Ob die niedergelassenen Ärzte den Weg jedoch mittragen, ist wegen deren kritischer Haltung gegenüber der RKH noch offen.

 

Unbedingt in der Pflicht sieht sich wegen dieser Situation die Stadt Marbach. Der Bürgermeister Jan Trost spricht von einem viel zu frühen Tod des Mediziners. „Unser Beileid gilt seiner Frau und seinen acht Kindern sowie dem Personal der Arztpraxis.“ Es seien schon in den vergangenen Wochen viele Vertretungskräfte in der Praxis tätig gewesen. „Mir war die Schwere der Erkrankung bekannt, daher sind wir auch aktiv geworden.“ Die Stadt Marbach befürworte ausdrücklich den Ankauf und die Sicherung des Sitzes in Marbach durch die Kliniken, da es sonst keine Interessenten für die Übernahme des Standorts gegeben habe. Der Bürgermeister ging deshalb mit den Kliniken und den niedergelassenen Ärzten in einen offenen Austausch. „Ein Übernahmeangebot bestand mündlich.“ Eine schriftliche Einigung habe es hingegen nicht gegeben. Die Gespräche mit den niedergelassenen Ärzten hätten zwischenzeitlich geruht.

Die Marbacher Verwaltung sieht in der RKH-Übernahme den richtigen Weg

Ziel der Stadt ist laut Trost, dass der Sitz der Kinderarztpraxis in Marbach bleibt. Dies sei bei den bisherigen Gesprächen immer die Prämisse gewesen. Die Erben sollten zustimmen, aber es müsse jetzt auch eine Einigung zwischen der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) und den Kliniken geben, „was wir im Sinne der Familien sehr hoffen“. Die Gespräche mit den niedergelassenen Ärzten und der KV wegen der Übernahme seien noch nicht abgeschlossen, bestätigt Alexander Tsongas, Sprecher der RKH. Die ambulante Versorgung liege primär in den Händen der niedergelassenen Kinderärzte. Deshalb müssten sie auch über die Versorgung in Marbach und Umgebung entscheiden. Die RKH befürchte, dass sich die angespannte kinderärztliche Versorgung verschärfe.

Die RKH kauft auch Amtssitze von Hausärzten auf. Das führte im Frühjahr zu heftiger Kritik. Einige niedergelassene Ärzte warfen der RKH vor, sie wolle für sich ein neues Geschäftsfeld entdecken – auf Kosten der Hausärzte. Diese Absicht bestritt der RKH-Chef Jörg Martin. Und auch bei der Marbacher Kinderarztpraxis, so betont Kliniken-Sprecher Alexander Tsongas, bestehe seitens der RKH kein Konflikt. Arztsitze kaufe man nur, wenn es in die Gesamtstrategie passe, dies geschehe immer in Absprache mit den niedergelassenen Ärzten.

RKH will im Einklang mit den niedergelassenen Ärzten handeln

Die Praxis werde im Falle eines Aufkaufs in Marbach bleiben, verspricht Tsongas. Die RKH wolle sich mit den Käufen nicht neue Geschäftsfelder sichern. Stattdessen müssten die Kliniken in den nächsten Jahren zehn  bis zwanzig Prozent ihrer bisher stationär erbrachten Leistungen ambulant erbringen. „Diese Ambulantisierung stellt die Kliniken vor große Herausforderungen und wird sich nur gemeinsam mit den niedergelassenen Kollegen lösen lassen.“

Eine Stellungnahme für die niedergelassenen Kinderärzte lehnte deren Sprecher  Harald Rickert aus Bönnigheim mit dem Verweis auf die laufenden Gespräche ab.

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