Nach Tod von Autorin Der Spiegelberg-Horror soll weitergehen

Ein Bild aus besseren Tagen: Alfred und Tia Berger Foto: privat

Im Frühjahr ist die Spiegelberger Autorin Tia Berger überraschend gestorben. Ihr Mann Alfred sucht eine neue Co-Autorin, weil er die gemeinsame Buchreihe fortsetzen möchte.

Rems-Murr: Phillip Weingand (wei)

Eigentlich hätte alles gut werden können: Das Spiegelberger Autorenpaar Tia und Alfred Berger hatte es mit der Hilfe von Freunden und Unterstützern geschafft, eine ganze Reihe von Schicksalsschlägen zu meistern. Bis zum Frühjahr lief alles wieder besser für die beiden. Doch im Frühjahr ist Tia – bürgerlich Christiane – Berger gestorben, gerade einmal 41 Jahre alt. Ein Vierteljahr nach diesem Verlust blickt Alfred Berger nach vorne: „Es muss doch irgendwie weitergehen.“ Auch nach diesem erneuten Tiefschlag des Lebens hat er das Lachen nicht verlernt. Aufstehen, weitergehen, das kann er. Lange Jahre hatte Berger ein Drogenproblem, bei seiner dritten Therapie schaffte er vor Jahren mit der Hilfe eines Theaterprojekts den Absprung.

 

Autorin Tia Berger ist Ende Januar gestorben

Auch in der Corona-Zeit hatten die beiden gemeinsam eine schwere Krise durchgestanden. Erst waren Krimidinner, Theater- und Präventionsprojekte weggefallen, mit denen Berger einen guten Teil seines Geldes verdiente. Und dann, im August 2021, erlitt Tia, die als Hufpflegerin arbeitete, ein Aneurysma an der Bauchschlagader, eine Notoperation rettete ihr Leben. Obwohl es ihnen widerstrebte, fremde Hilfe zu erbitten, eröffneten sie damals eine Crowdfunding-Spendenkampagne – und wurden erhört. Freunde, Leser und Kunden steuerten etwas bei und halfen, den finanziellen Engpass zu überbrücken.

Für eine Zeit lang sah es so aus, als hätten die beiden es über den Berg geschafft. Doch dann kam alles anders: Ende Januar dieses Jahres klagte Tia über Beschwerden, ein hinzugerufener Notarzt checkte Puls, Blutdruck, Sauerstoffsättigung, konnte jedoch nichts finden. „Ich wollte sie noch überreden, in der Klinik ein MRT machen zu lassen“, erzählt Alfred Berger. Doch Tia entschied sich dagegen. Als Alfred Berger in der Nacht wach wurde, war es zu spät: Seine Frau hatte keinen Puls mehr. Berger berichtet, er habe noch vergeblich versucht, sie wiederzubeleben, während er auf den Notarzt wartete. „Er kam nach 20 Minuten – so lange braucht das, wenn man am Ende der Welt lebt.“

Da die Todesursache unklar war, wurde auch die Polizei eingeschaltet. Vermutlich starb sie an den Folgen ihres Aneurysmas oder einem Wiederauftreten; endgültig geklärt wurde dies nicht. Ihr Körper konnte erst Wochen später beerdigt werden, wieder mit der Hilfe von Freunden und ihren Kunden, die Alfred Berger mit der Bestatterrechnung halfen. „Ich habe einmal eine Sozialbestattung erlebt, so etwas wollte ich für Tia nicht“, sagt er. Für ihre würdige Bestattung schrieb und hielt auch er selbst eine Rede – er meint, es sei die schwerste Aufgabe seines Lebens gewesen. „Aber irgendwie musste ich wenigstens einmal in dieser Ehe das letzte Wort haben“, sagt er und lacht.

Jetzt muss der 60-jährige Berger das Leben als Alleinverdiener meistern. Sich um das Haus kümmern, ein neues Zuhause für Tias zwei alte Pferde finden, dazu kommen die Jobs als Geister-Stadtführer in Stuttgart und bei Theater-, Kunst- und Werkprojekten für Schüler. Langweilig wird ihm dabei bestimmt nicht. Dazu kommt noch seine große Leidenschaft für die abgründige Literatur: Die gemeinsame Buchreihe „Spiegelberg“, das wünscht sich Alfred Berger, soll auch nach dem Tod seiner Frau fortbestehen. In den sechs Bänden mit Sammlungen von Kurzgeschichten dunkler Fantastik hatte sich das Paar menschlichen und übersinnlichen Abgründen gewidmet. In den Episoden, die Titel wie „Eiszeit“ oder „Totwald“ tragen, geht es ganz und gar nicht zimperlich zu. Mal geht es um Zombies, dann wieder um seelische Abnormitäten und durchaus blutrünstige Morde. Tia Berger wurde auf dem Klappentext einmal als „Queen of Boshaftigkeit“ bezeichnet, ihr Mann als „Master of Pain“, Meister des Schmerzes.

„Ich trage meine Frau im Herzen immer bei mir“

„Viele der Geschichten spielen in Spiegelberg, weil wir durch die Umgebung und die Menschen inspiriert wurden“, erklärt Berger. Für ihre Horrorgeschichten wurden die beiden auch für einschlägige Preise nominiert und ausgezeichnet, die Bücher kamen im Eigenverlag und streng limitiert in unregelmäßigen Abständen heraus. Alle Bücher waren nummeriert. „Die Reihe war unser Kind“, sagt Berger. „Ich möchte sie nicht sterben lassen.“ Am liebsten würde er eine weibliche Co-Autorin finden: „Diese Mischung aus weiblicher und männlicher Schreibe hat sich bewährt.“

Tia hatte sich eher um die seelischen Abgründe gekümmert, er setzte tendenziell eher auf Splatter. Seine verstorbene Frau, ist er sich sicher, hätte nichts dagegen, die Reihe mit anderer Feder fortzusetzen: „Ich suche ja keinen Ersatz für sie – niemand kann Tia ersetzen. Aber wäre sie jetzt hier, würde sie sagen: Lebe dein Leben. Im Herzen trage ich sie immer bei mir.“

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