Nach tödlicher Bluttat in Stuttgart Nun sitzen vier Verdächtige hinter Gittern

Trauer und Betroffenheit am Wilhelm-Geiger-Platz nach der Bluttat am 10. Oktober Foto: Andreas Rosar/Fotoagentur Stuttgart

Die Ermittlungsgruppe Austria kommt mit der Aufklärung der Bluttat am 10. Oktober in Feuerbach gut voran. Der Tatort bleibt aber eine Problemzone.

Lokales: Wolf-Dieter Obst (wdo)

Stuttgart - Nach den tödlichen Messerstichen in Feuerbach am 10. Oktober hat die Ermittlungsgruppe Austria drei weitere Verdächtige gefasst. Ein Haftrichter hat die Männer im Alter von 19, 21 und 22 Jahren am Donnerstag in U-Haft geschickt. Dort sitzt bereits ein 24-Jähriger, der ebenso für den Tod des 22-jährigen Azad A. nahe dem Wilhelm-Geiger-Platz verantwortlich sein soll. Das Opfer war dort mit Stichwunden Passanten in die Hände gelaufen, über die Hintergründe war zunächst nichts bekannt.

 

Verdächtige polizeilich keine Unbekannten

Die drei Verdächtigen waren vor der Bluttat aus dem Raum Esslingen angereist. „Alle sind bereits polizeilich auffällig gewesen“, sagt Polizeisprecherin Elena Marino. Eine Verbindung zu ähnlichen Gruppengewalttaten wie in Nürtingen oder Plochingen sei aber nicht erkennbar. Im Februar 2020 waren Gruppen mit Messern und sogar Schusswaffen aufeinander losgegangen, es gab drei Schwerverletzte. Ob es im Feuerbacher Fall Aussagen der Verdächtigen gibt, werde „aus ermittlungstaktischen Gründen“ nicht bekannt gegeben, so Polizeisprecherin Marino.

Die Bluttat hat große Sorgen im Stadtbezirk ausgelöst. Polizei und Stadt betonen, dass der Platz kein Brennpunkt sei. Revierleiterin Alexandra Reymann erklärte im Bezirksbeirat, dass letztes Jahr von 99 Straftaten in Feuerbach-Mitte 35 am Wilhelm-Geiger-Platz stattgefunden hätten, davon zehn sogenannte Rohheitsdelikte. Der Platz sei „im Verhältnis zur Einwohnerzahl weder unter- noch überrepräsentiert“.

Aggressiv gegen die Polizei

Anwohner sind beunruhigt – was sich auch an den vielen Kerzen und Blumen für den Getöteten ausdrückt. Befremdlich wirkt für eine Mutter von Schülern des nahen Gymnasiums, dem eigentlichen Tatort, dass es drei Tage später eine Auseinandersetzung zwischen Jugendlichen und der Polizei am Wilhelm-Geiger-Platz gegeben habe. Von der Stadt bekam sie zur Antwort, dass dies nichts mit der Tat zu tun gehabt habe. Bei einer Fahndung in anderer Sache hätte sich „eine sehr aggressive Stimmung ergeben, welche die Landespolizei nur durch Hinzuziehung weiterer Kräfte auflösen konnte“.

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