Wegen tödlicher Hundeattacke Müssen Kangals auf die Liste der Kampfhunde?

Von kew/lsw 

Ein Hund der Rasse Kangal hat am Dienstag eine 72-jährige Passantin totgebissen. Der Bürgermeister von Stetten am kalten Markt, Maik Lehn, fordert nun, zu überprüfen, ob die großen Tiere in die Liste der Kampfhunde einzureihen sind.

Auf diesem Weg, einer kleinen Abkürzung in einem Teilort von Stetten am kalten Markt, hat sich der tödliche Angriff des Hundes ereignet. Foto: dpa
Auf diesem Weg, einer kleinen Abkürzung in einem Teilort von Stetten am kalten Markt, hat sich der tödliche Angriff des Hundes ereignet. Foto: dpa

Stetten am kalten Markt - Wegen des tödlichen Angriff eines Hundes der Rasse Kangal auf eine 72-jährige Passantin in Stetten am kalten Markt (Kreis Sigmaringen) schließt das Stuttgarter Innenministerium eine Neufassung der baden-württembergischen Kampfhundeverordnung nicht aus. Zunächst werde man den Ausgang der staatsanwaltlichen Ermittlungen abwarten, sagte der Ministeriums-Sprecher Renato Giliotti. „Es handelt sich ja um einen Einzelfall.“ Beim Erlass der Verordnung im Jahr 2000 habe der Kangal im Land „noch keine Rolle gespielt“.

Derweil forderte der Bürgermeister von Stetten am kalten Markt, Maik Lehn, eine Diskussion über die Gefährlichkeit der bis zu 80 Kilogramm schweren anatolischen Hirtenhunde. So werde die Rasse in Hessen und Hamburg bereits als gefährlich eingestuft, in anderen Bundesländern aber nicht. „Es erschließt sich den Mitbürgern nicht, warum das so unterschiedlich gehandhabt wird.“ Laut dem Statistischen Bundesamt sind in den vergangenen 20 Jahren acht Menschen in Baden-Württemberg von Hunden totgebissen worden – mehr als in jedem anderen Bundesland. Zu welchen Rassen die Hunde gehört haben, ist unbekannt. Oft habe es sich bei den Opfern um die Halter gehandelt.

Der Kangal kommt erst jüngst in Mode

Mit der Halterin in Stetten am kalten Markt habe es bisher keine Probleme gegeben, sagte Bürgermeister Lehn. Es habe lediglich Beschwerden über Geruchsbelästigungen gegeben. Auch das Sigmaringer Veterinäramt wies darauf hin, dass es bisher keine Anzeigen wegen der Hundehaltung eingegangen seien. Nachbarn berichteten jedoch davon, dass der Kangal schon häufiger ausgebrochen und als aggressiv bekannt gewesen sei. Alle Beschwerden seien folgenlos geblieben. Im Internet hatte die Halterin ihren Hund zum Kauf angeboten. „Im neuen Heim sollten keine Kinder und keine anderen Tiere sein. Er ist verschmust und braucht eine starke Hand“, hatte die ­43-Jährige ihr Tier beschrieben.

Frau lebte mit drei Hunden und 20 Katzen

Mittlerweile hätten Kriminaltechniker das Grundstück der Frau überprüft, die dort mit drei Hunden und mehr als 20 Katzen gelebt habe, sagte ein Polizeisprecher. Zu klären sei, wie sich das angekettete Tier habe losreißen können. Die Leiche des Opfers werde nun obduziert, die toten Hunde würden seziert. Erst als die Polizei den Kangal erschossen hatte, konnten sich Sanitäter um das Opfer kümmern. Auch die anderen Hunde wurden getötet.