Nach Auseinandersetzungen in Stuttgart So lief der erste Freitagabend mit gesperrter Freitreppe

Die Polizei zeigte nach den Vorkommnissen am vergangenen Wochenende verstärkt Präsenz. Foto: Lichtgut/Julian Rettig 7 Bilder
Die Polizei zeigte nach den Vorkommnissen am vergangenen Wochenende verstärkt Präsenz. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Nach den Unruhen am vergangenen Wochenende in Stuttgart, ist der erste Freitagabend, an dem die Freitreppe zwischen Königsbau und Kunstmuseum abgesperrt war, über die Bühne gegangen. So fällt das Fazit der Polizei aus.

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Stuttgart - Zur Geisterstunde ist der Spuk vorbei! Schoben sich noch kurz davor PS-schwere Protzer und niedliche Kleinfahrzeuge mit Autonummern von Göppingen bis Calw, von Pforzheim bis Tübingen oder gar dem schweizerischen Solothurn Stoßstange an Stoßstange laut brummend über die Theodor-Heuss-Straße, war von der Karawane kein einziges Blech mehr zu sehen, kurz bevor die Uhr Mitternacht schlug. „Das hätten wir so auch nicht gedacht“, sagte Polizeisprecher Jens Lauer und resümierte: „Kleiner Konflikte gibt es eigentlich immer. Aber für einen Freitag war das eine recht ruhige Nacht.“

Freitreppe zu bestimmten Zeiten gesperrt

Das Stuttgarter Sicherheitskonzept sei aufgegangen. Dazu gehörte die Freitreppe zum kleinen Schlossplatz an Freitagen und Samstagen sowie an Feiertagen zwischen 20 Uhr abends und sechs Uhr morgens zu sperren. Grund: die Auseinandersetzungen, die sich in der Samstagnacht vom 29. Mai 2021 zwischen der Polizei und jungen Menschen zutrugen. Es gehe nun darum, die Theatersituation und Ansammlung, wie sie an der Freitreppe entstehe, zu verhindern, so Lauer. „Den Provokateuren, die anstacheln, die Bühne nehmen.“ Die meisten seien friedlich. Und je mehr Gastronomie öffne, verteilten sich die Menschen besser, auch im Park sei das eher möglich.

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Nun also spannen sich jeweils zum Wochenende weiße Planen an Metallgittern über und unter der Treppe zwischen Königsbau und Kunstmuseum. Am Freitag postierten sich dazwischen drei Polizistinnen und Polizisten, weitere waren drum herum in der Stadt unterwegs, etwa die Stuttgarter Einsatzhundertschaft, zwei jeweils dreiköpfige Anti-Konflikt-Teams plus Jugendsozialarbeiter und Präventionsbeamte. „Sie sprechen die jungen Menschen an, wirken deeskalierend, klären auf“, so Lauer. Unter anderem, dass das Alkoholverbot nach wie vor an etlichen öffentlichen Plätzen gilt, obwohl die Lokale wieder öffnen dürfen. Indes war die Atmosphäre an diesem lauen Abend entspannt, sowohl am kleinen wie am großen Schlossplatz, auf der Königstraße und vor dem Opernhaus am Eckensee, obwohl Straße, Plätze und Grünflächen gut besucht waren. Da wurde gechillt, zu Musik aus der Box getanzt, gelacht.

Meinungen zur Maßnahme gehen auseinander

„Lächerlich“, fand eine Gruppe junger Frauen die Maßnahme. „Dann gehen die Jugendlichen halt woanders hin und machen was“, hieß es. Es sei doch verständlich , wenn alles auf einmal aufgemacht werde, dass alle in die Stadt strömten. „Besser wäre, früher, aber Stück für Stück zu öffnen. Die Jugendlichen waren nun monatelange eingesperrt gewesen, konnten keinen Sport machen, ihre Energie rauslassen – anders als die Fußballprofis, ungerechterweise. Für Junge ist das eine lange Zeit, klar, dass die nun Dampf ablassen.“

Manche sahen es anders. „Wenn es nicht anders geht“, so drei junge Männer. „Immer das Gleiche: Wegen ein paar Idioten, die Mist bauen, müssen alle anderen darunter leiden.“ Die Balinger waren seit langem wieder mal nach Stuttgart gereist. „Während der Ausgangssperre hat sich das wegen den paar Stunden nicht gelohnt.“ Zum Abschluss gab es daher ein Bild auf dem Handy – fotografiert vom Anti-Konflikt-Team. „Ich habe sie darum gebeten“, schmunzelte einer. „Wenn das schon mal möglich ist, muss man die Chance ergreifen.“




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