Nach Verfolgungsjagd in Stuttgart Wer hat den Polizeiunfall ausgelöst?

Demoliertes Polizeiauto an der B 27 – kein Einzelfall Foto: Fotoagentur Stuttgart/Andreas Rosar

Immer wieder flüchten Autofahrer vor Verkehrskontrollen – und versuchen dabei zumeist rücksichtslos zu entkommen. Ein trauriger Höhepunkt ist ein Unfall im Süden Stuttgarts – mit zwei schwer verletzten Beamten.

Lokales: Wolf-Dieter Obst (wdo)

Die Suche nach dem Fahrer eines Skoda Kamiq geht weiter. Am Dienstagnachmittag hatte er sich auf der B 27 bei Möhringen eine Verfolgungsjagd mit einer Streifenbesatzung geliefert – mit bösen Folgen für die Polizeibeamten. Der 30-jährige Fahrer und sein 50-jähriger Streifenkollege mussten schwer verletzt in ein Krankenhaus eingeliefert werden. Eine 21-jährige Auszubildende, die auf dem Rücksitz saß wurde leicht verletzt. An der Anschlussstelle Fasanenhof blieben ein Wrack und 85 000 Euro Schaden zurück. Der verfolgte Autofahrer aber konnte entkommen.

 

Was die Polizei bisher weiß

Nun ermittelt, auch aus Gründen einer gewissen Neutralität, nicht die Stuttgarter Polizei selbst, sondern die Verkehrspolizeiinspektion des Polizeipräsidiums Ludwigsburg. „Immerhin gibt es einige Ermittlungsansätze“, sagt der Polizeisprecher Steffen Grabenstein. Das Kennzeichen des gesuchten Skoda ist bekannt – doch ob dies letztlich zum Fahrer führen würde, war am Mittwoch zunächst unklar. „Die Kennzeichen waren nicht gestohlen, sie haben zum Fahrzeug gepasst“, sagt Grabenstein. Doch die Ermittlungen an der Adresse des Halters haben keine Klarheit gebracht. „Auch der Wagen selbst ist am Mittwoch noch verschwunden gewesen“, so Grabenstein.

Begonnen hatte alles am Dienstag kurz nach 16 Uhr – und zwar in der Heinestraße in Degerloch. Nach bisherigen Erkenntnissen waren die Beamten mit der Praktikantin stadtauswärts unterwegs, als ihnen ein grauer SUV der Marke Skoda auffiel, besetzt mit zwei Männern. „Es sollte eine rein verdachtsunabhängige Routinekontrolle werden“, sagt der Polizeisprecher.

Eigentlich eine Routinekontrolle

Doch offenbar stimmte das Bauchgefühl. „Und immer wieder passiert es, dass sich aus einem scheinbar nichtigen Anlass etwas Gravierendes entwickelt“, so Grabenstein. Der Fahrer des Skoda fühlte sich offenbar ertappt, legte ein waghalsiges Wendemanöver hin und raste über die Laustraße in Richtung Sonnenberg und weiter zur Bundesstraße 27 in Richtung SI-Centrum davon. Der 30-jährige Fahrer des Streifenwagens verfolgte den Skoda mit Blaulicht und Martinshorn – doch der fuhr weiter in Richtung Echterdinger Ei und Autobahn.

Offenbar war das Polizeiauto dem Flüchtenden dicht auf den Fersen. Und der reagierte mit einem unerwarteten Haken: Der Skoda fuhr unvermittelt die Rampe zur Abfahrt Fasanenhof hinauf. Der Polizist wollte folgen, doch bei hohem Tempo wohl zu spät. Der Streifenwagen kollidierte mit einem Fahrbahnteiler, drehte sich und blieb demoliert stehen. Der Skoda-Fahrer fuhr weiter – ob er nach der Ausfahrt sofort wieder auf die B 27 einfädelte oder zum Gewerbegebiet Fasanenhof nach links abbog, ist unbekannt. Hinweise an die Polizei werden erbeten über Telefon 07 11 / 68 69 - 230.

Die Verfolgungsjagd ist trauriger Alltag

Dabei gehören Verfolgungsjagden zum traurigen Alltag der Polizei in der Region – mit Verletzten und reichlich verbeultem Blech an Streifenwagen. Mitte Mai gab es jeweils mehrere Tausend Euro Schaden an Polizeiautos, als zwei 38 und 39 Jahre alte Fahrer in Leinfelden-Echterdingen und Kirchheim/Teck rigoros zu flüchten versuchten. Sie waren ohne Fahrerlaubnis unterwegs. Weitere Fälle gab es in Spiegelberg (Rems-Murr-Kreis), auf der A 8 zwischen Leinfelden und Vaihingen, erneut in Kirchheim/Teck, in Asperg (Kreis Ludwigsburg) und Holzgerlingen (Kreis Böblingen). Der Schaden: über 70 000 Euro.

Die in diesem Jahr bis dato spektakulärsten Fälle in Stuttgart spielten sich am Ostermontag auf der B 10 bei Hedelfingen ab. Dabei wurden zwei Streifenwagen beschädigt, ehe ein 32-jähriger Sportwagenfahrer mit gestohlenen Kennzeichen, ohne Führerschein und unter Drogen gefasst wurde. Im März konnte ein Beamter der Motorradstaffel nur mit Mühe verhindern, dass er in der Innenstadt von einem flüchtenden 22-jährigen Fahrer abgedrängt wurde. Leicht verletzt konnte er den jungen Mann festnehmen – der stand offenbar unter Drogeneinfluss.

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