Nach verheerendem Brand vor drei Jahren Bosch bekennt sich zum Standort Wernau

Statt eines Dachstuhls hat das generalsanierte Gebäude nun ein weiteres Vollgeschoss mit umlaufender Glasfassade. Foto: /Philipp Braitinger

Vor gut drei Jahren brannte es bei Bosch in Wernau lichterloh. Die Ursache ist bis heute nicht abschließend geklärt. In ein schwer beschädigtes Gebäude ziehen nach einer Generalsanierung nun wieder Mitarbeiter ein.

Noch sind nicht alle Umzugskartons ausgepackt. Derzeit wird das große, generalsanierte Gebäude auf dem Bosch-Werksgelände an der Junkerstraße wieder bezogen. Rund 20 Millionen Euro hat das Unternehmen in das Haus investiert, das bei einem Brand im März 2021 schwer beschädigt worden war. Weitere Investitionen sollen folgen. Bis zum Jahr 2028 will Bosch bis zu 100 Millionen Euro in den Wiederaufbau und die Modernisierung seines Standortes stecken. „Es ist viel in Bewegung“, sagt Josef Schneider. Er ist Projektleiter und zuständig für das Facility-Management bei Bosch.

 

Entwicklungsabteilung zieht in das Gebäude ein

Nach dem Brand war nicht mehr viel zu retten. Das Gebäude mit seinen 6000 Quadratmetern, in den 1940er Jahren gebaut, wurde schwer in Mitleidenschaft gezogen. Der Dachstock aus Holz fiel teilweise den Flammen zum Opfer. Das Löschwasser zerstörte die Einrichtung und die Technik in den Stockwerken darunter. Heute erinnert nichts mehr an die Katastrophe. „Man hat das Gebäude in den Rohbauzustand zurückgeführt“, berichtet Schneider. Was die genaue Ursache des Brands war, ist bis heute ungeklärt. Eine Vermutung ist ein technischer Defekt an einer Prüfeinrichtung.

Neben Büros und Besprechungsräumen ist die Entwicklungsabteilung mit ihren Laboren in dem generalsanierten Gebäude untergebracht. Die ersten Mitarbeiter sind bereits Mitte des vergangenen Jahres wieder eingezogen, als die Sanierung noch in vollem Gange war. In der Abteilung werden verschiedene Produkte unter anderem in Klimakammern bei unterschiedlichen Temperaturen und bei unterschiedlicher Luftfeuchtigkeit getestet. Sogar Schneefall kann dort simuliert werden. „Die Entwicklung ist ein dominanter Teil des Standorts“, erklärt Josef Schneider.

Womöglich entsteht nebenan ein Multifunktionsgebäude

Der ehemalige Dachstuhl des Gebäudes wurde nicht wieder aufgebaut. Im obersten Stockwerk gibt es stattdessen ein Vollgeschoss mit rundumlaufender Glasfassade, die einen Ausblick über die Stadt bis zur Teck ermöglicht. „Es ist jetzt ein Vollgeschoss mit toller Aussicht“, freut sich Falk Scheuber, der für das Baumanagement bei Bosch zuständig ist. Auch die abgebrannte Lagerhalle gibt es nicht mehr. Was auf der Freifläche geschehen soll, ist noch nicht ausgemacht. Vielleicht wird dort in den nächsten Jahren ein Multifunktionsgebäude gebaut. Aber in trockenen Tüchern ist das noch nicht. Weitere Änderungen stehen in der alten Lagerhalle an, die noch steht. Sie soll in den kommenden beiden Jahren zu einem weiteren Entwicklungsgebäude umgebaut werden.

Auf dem Firmengelände im Stadtkern kann zukünftig weitgehend auf Lagerflächen verzichtet werden. Damit werden zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Einerseits werden Flächen für die Modernisierung des Standortes frei. Andererseits müssen sich weniger Lastwagen durch Wernau quälen. Möglich wurde diese Entwicklung durch den Bezug einer neuen Lagerhalle im Neckartal.

„Wernau gibt es nicht ohne Bosch und Bosch gibt es nicht ohne Wernau“

In Wernau entwickelt, fertigt und vertreibt die Bosch Home Comfort Group (früher Bosch Thermotechnik) Wärmepumpen, Wärmepumpen-Hybridgeräte und Lüftungsgeräte für die Marken Bosch und Buderus. Darüber hinaus ist der Geschäftsbereich Power Solutions ansässig. Außerdem befindet sich ein Schulungszentrum für Handwerker auf dem fünf Hektar großen Werksgelände im Herzen der Stadt. Das Unternehmen ist der größte Arbeitgeber in Wernau. Für die Unternehmensführung ist die umfangreiche Investition in das Werksgelände somit auch ein Bekenntnis zum Standort Mitten in der Stadt. „Wernau gibt es nicht ohne Bosch und Bosch gibt es nicht ohne Wernau“, beschreibt der Standortleiter Michael Bühler die enge Verbindung zwischen Stadt und Unternehmen.

Eine Aufgabe des Standortorts sei nie in Erwägung gezogen worden – allerdings nicht allein aus Tradition. „Die Fertigung musste nach dem Brand so schnell wie möglich wieder laufen“, sagt Josef Schneider. Tatsächlich stand die Produktion in Wernau trotz des Großbrandes nur kurz still. Hinzu kamen finanzielle Erwägungen. Die Generalsanierung des beschädigten Gebäudes sei günstiger gewesen als ein Neubau.

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