Nach Wahl in Stuttgart Das sind die Pläne der neuen Bierkönigin

Die in Stuttgart gekürte Baden-Württembergische Bierkönigin Irina Hansmann (rechts) mit der Bierprinzessin Nina Witzemann Foto: Baden-Württembergischer Brauerbund/Frank Eppler
Die in Stuttgart gekürte Baden-Württembergische Bierkönigin Irina Hansmann (rechts) mit der Bierprinzessin Nina Witzemann Foto: Baden-Württembergischer Brauerbund/Frank Eppler

Irina Hansmann vertritt die 200 Brauereien im Land. Was sie vorhat, um das verstaubte Image des Männergetränks aufzupolieren.

Lokales: Daniela Eberhardt (ma)
WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Stuttgart - Irina Hansmann ist die neue Baden-Württembergische Bierkönigin. Die 31-Jährige aus Ettlingen im Kreis Karlsruhe hat die Jury im neuen Stuttgarter Brauhaus Schönbuch überzeugen können und wird die rund 200 Brauereien im Land vorerst bis Ende 2022 bei offiziellen Anlässen vertreten. Soweit also die Nachricht. Aber wie kommt eine junge Frau dazu, im Festtagsdirndl und mit der Hopfenkrone auf dem Kopf für Bier zu werben? „Das handwerklich hergestellte Naturprodukt aus Baden-Württemberg hat inzwischen einen enorm hohen Stellenwert in meinem Leben.“ So wird die gebürtige Karlsruherin in der Pressemitteilung des Brauerbunds zitiert. Das klingt irgendwie doch ein wenig gestelzt und einstudiert.

„Unglaubliche“ Freude auf Nebenjob

Wer aber mit Irina Hansmann spricht, glaubt ihr bald aufs Wort, dass sie sich „unglaublich“ auf den königlichen Nebenjob freut. Im bürgerlichen Leben ist die Immobilienfachwirtin bei der Wohnungsbaugenossenschaft Gartenstadt Karlsruhe beschäftigt – und zwar schon seit ihrer Ausbildung, die sie vor 15 Jahren begonnen hat. „Es ist total schön, hier zu arbeiten“, sagt sie. Und das nicht nur, weil bereits ihre Uroma und die Großeltern in der Siedlung zuhause waren. Die Gemeinschaft der Mieter, die teils über Generationen in den ursprünglich für Selbstversorger gebauten Häuschen mit großem Garten leben, begeistert die junge Frau, die von dem „guten Gefühl, nicht allein gelassen zu werden“ schwärmt.

Beim Stadtfest hinterm Zapfhahn

Was hat das nun mit Bier zu tun? Wenig und viel, denn auch das majestätische Amt auf Zeit erfordert viel Zugewandtheit. Irina Hansmann beschreibt sich als sehr neugierigen Menschen. „Ich will immer wissen, was dahinter steckt.“ Seit der Ausbildung hat sie dieses Wissen immer wieder anhand von Nebenjobs erweitert, und ist dabei nach und nach in der Bierbranche gelandet. „Ich habe Brauereiführungen gemacht und stehe quasi bei jedem Karlsruher Stadtfest hinterm Zapfhahn.“ Zum praktischen Zugang zum Thema kam das theoretische Interesse: Seit diesem Jahr darf sich Irina Hansmann Biersommelière nennen, wie übrigens zwei ihrer Mitbewerberinnen auch.

Dass eine Bierkönigin gewählt werden sollte, hat sie über die sozialen Medien mitbekommen. Ihre Bewerbung hat sie am ersten möglichen Tag eingereicht, gleich morgens um acht. Das war im Dezember 2019 – die Wahl sollte im Mai 2020 sein, wurde dann wegen Corona auf Oktober verschoben und erneut in den Sommer 2021. Die Zeit hat Irina Hansmann für ihre private Weiterbildung genutzt, sie hat mehr als 20 Brauereien besucht, war bei der Hopfenernte in Tettnang dabei und beim „Hopfen anweisen“. Ihre Kurzbeschreibung: „Von den Trieben, die aus der Wurzel wachsen, sucht man sich drei bis vier schöne aus und wickelt sie im Uhrzeigersinn um den Draht, den Rest rupft man weg.“ Da sage noch einer, nur die Weinköniginnen als Winzertöchter kennen sich in ihrem Metier aus.

Jeder Betrieb braut anders

Der Terminkalender der neuen Hoheit dürfte sich bald füllen – in Abstimmung mit dem Baden-Württembergischen Brauerbund, der seinen Sitz in Stuttgart hat. Sicher ist allerdings, dass dieses Jahr wegen Corona anders verlaufen wird, als sich Irina Hansmann das noch 2019 vorgestellt hat. Das trübt ihre Begeisterung nicht im Mindesten. „Es ist total spannend, wie jede Brauerei aus den gleichen Zutaten etwas völlig Anderes macht. Das möchte ich den Menschen näher bringen.“ Bei ihrem Vater habe das ganz gut geklappt, obwohl ihre Familie eigentlich keinen Alkohol trinke.

Künftig will sie ganz bewusst einen Großteil ihrer Freizeit im Namen des Biers verbringen: „Ich bin flexibel und setz mich gern hinters Steuer“. Vor allem aber will sie mit ihrem Wissen und ihrer verbindlichen Art dafür sorgen, dass das angestaubte Image des Männergetränks endlich der Vergangenheit angehört. „Bierkönigin zu sein ist mehr als ein Bier in die Kamera zu halten. Es ist das, was jede daraus macht.“

Mehrere Majestäten

Brauerbund
Irina Hansmann ist erst die zweite baden-württembergische Bierkönigin. Das Amt wurde erst vor kurzem vom hiesigen Brauerbund aus der Taufe gehoben, Hansmanns Vorgängerin wurde 2018 auf dem Volksfest von einer Jury zunächst für ein Jahr gewählt.

Brauerei
Stuttgarter Hofbräu hat die erste Württembergische Bierkönigin bereits 2002 gekrönt. Die Brauerei schreibt auf ihrer Homepage vom „Original“. Die aktuelle Württembergische Bierkönigin heißt Chiara Gairing, sie amtiert seit 2018 und noch bis Ende des Jahres als Chiara Liz I.




Unsere Empfehlung für Sie