Nach Warnigs Abschied Geheime Führung für Nordstream

Ein Bild aus besseren Tagen: Matthias Warnig mit seinem Chefaufseher Gerhard Schröder Foto: dpa/Stefan Sauer

Ende März ist Matthias Warnig als Chef der Pipeline-Firma Nordstream 2 in Rente gegangen. An seine Stelle tritt ein Gremium, dessen Mitglieder anonym bleiben – mit Bedacht.

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Andreas Müller (mül)

Wäre alles nach Plan gelaufen, dann hätte Matthias Warnig zum Abschied wohl einen großen Bahnhof bekommen. Viele Jahre seines Berufslebens hat der in Staufen bei Freiburg lebende Manager dem Bau der Nord-Stream-Pipelines gewidmet – erst der ersten, dann der zweiten. Doch für den engsten deutschen Putin-Vertrauten hat sich mit dem Ukraine-Krieg alles geändert. Die Röhren sind gesprengt, die im Schweizer Zug ansässige Firma steht unter der Aufsicht eines Sachwalters – und von Warnigs einstigem Ansehen ist auch nicht mehr viel geblieben.

 

Mit 67 Jahren ist der einstige Stasi-Agent nun in den Ruhestand gegangen; Ende März war planmäßig Schluss für ihn als Vorstandschef der Nordstream 2 AG. An jene Journalisten, die das noch interessierte, verschickte das Kommunikationsteam einige lobende Sätze. Auf Englisch hieß es, man würdige „die herausragende Führung und den unschätzbaren Beitrag von Matthias Warnig auf dem langen und herausfordernden Weg zum Aufbau einer grenzüberschreitenden Energieversorgungsinfrastruktur“. Bei allen künftigen Vorhaben wünsche man ihm viel Erfolg.

Die neuen Manager bleiben namenlos

Wer aber folgt Warnig nach? Immerhin besteht die Gazprom-Tochterfirma vorerst weiter und braucht damit wieder eine Führung. Dafür sei künftig ein Gremium zuständig, heißt es, nämlich ein „Management-Committee“ unter der Aufsicht des Sachwalters. Wer diesem im Einzelnen angehört, wird nicht verraten, genauso wenig wie die Gründe der Diskretion. Doch die liegen offensichtlich in den US-Sanktionen, mit denen Nordstream belegt ist; da will sich wohl niemand namentlich ins Visier bringen. Gesperrte Konten, gekündigte Verträge, abspringende Berater – am Ex-Chef Warnig kann man sehen, wie mühsam sich das Leben unterm US-Bann gestaltet.

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