Nachbarschaftstreff in Stuttgart-Feuerbach Ein Zentrum für Jung und Alt im Stadtbezirk

Von Georg Friedel 

Im Bezirksbeirat Feuerbach wurden Pläne für die Einrichtung eines Stadtteil- und Familienzentrums vorgestellt. Doch damit dieses Projekt ins Rennen um die Mittel aus dem Haushalt gehen kann, müsste ein entsprechender Antrag kommen.

Braucht der Stadtbezirk Feuerbach einen Nachbarschaftstreff? Der örtliche Bezirksbeirat führte diese Diskussion. Die Räume dafür stünden bereits zur Verfügung. Foto: privat
Braucht der Stadtbezirk Feuerbach einen Nachbarschaftstreff? Der örtliche Bezirksbeirat führte diese Diskussion. Die Räume dafür stünden bereits zur Verfügung. Foto: privat

Feuerbach - Die Planungen für ein Stadtteil- und Familienzentrum (SFZ) in Feuerbach konkretisieren sich. Am 26. Juni befasste sich der Jugendhilfeausschuss des Gemeinderats im öffentlichen wie im nichtöffentlichen Teil mit dem Projekt. In der jüngsten Sitzung des Bezirksbeirats stellten Alexander Vecellio und Bettina Horn-Kohl vom Jugendamt den aktuellen Stand der Planungen und Überlegungen für das geplante Stadtteilzentrum im Burgenlandzentrum den Mitgliedern des Gremiums vor. 14 solcher Einrichtungen, die hauptamtlich betrieben und über die Förderrichtlinien des SFZ finanziert werden, gebe es auf ganz Stuttgart verteilt bereits, sagte Vecellio, und zeigte die Standorte auf der Großleinwand: „Feuerbach ist allerdings noch ein weißer Fleck auf der Karte“, betonte der Mitarbeiter der Abteilung Jugendhilfeplanung mit Blick auf die Stadtkarte. Er erläuterte, die Familienzen­tren seien nichtkommerzielle und offene Räume, die sich vielerorts in Stuttgart als Orte der Begegnung bewährt hätten. Sie bieten meist stadtteilbezogene Angebote, Möglichkeiten für Begegnung, Treffs für Initiativen im Stadtteil, für Mütter- und Elterngruppen, aber auch mit Programmangeboten für ältere Menschen.

30 Prozent der Befragten waren mit den Treffmöglichkeiten nicht zufrieden

Elternbefragungen hätten ergeben, dass in Feuerbach solche Begegnungsstätten oder Treffmöglichkeiten für frischgebackene Mütter und Väter fehlen würden, sagt Bettina Horn-Kohl vom Beratungszentrum Jugend und Familie Feuerbach/Weilimdorf auf Nachfrage unserer Zeitung. So ergab eine Evaluation der Jugendhilfeplanung vom Oktober 2014, dass 30 Prozent der Befragten in Feuerbach und Weilimdorf „eher nicht oder gar nicht zufrieden mit den Treffmöglichkeiten“ seien. Das zeigt sich auch anderer Stelle: Wenn die Sozialpädagogin im Beratungszentrum im Rahmen von Willkommensbesuchen junge Väter oder Mütter, die neuen Familienzuwachs bekommen haben, in deren Heim aufsucht, kommt regelmäßig die Frage: „Wo bekomme ich Kontakt zu anderen Familien und Gleichgesinnten, wo gibt es Treffpunkte in der direkten Umgebung?“ Doch bisher herrscht in Feuerbach Fehlanzeige für eine solche wohnortnahe Infrastruktur. Dabei sei der Bedarf offensichtlich: „Das im vergangenen Jahr in Weilimdorf-Giebel eröffnete Familienzentrum wird sehr gut angenommen“, sagt Horn-Kohl. Dort seien die angeboten Kurse allesamt ausgebucht. „Auch in Feuerbach ist der Anteil junger Familien sehr hoch, viele ziehen auch neu hierher, weil sie in einem der örtlichen Unternehmen, Arbeit gefunden haben“, berichtet Horn-Kohl.

Räume im Burgenlandzentrum könnten genutzt werden

Umso wichtiger wäre ein adäquates Vor-Ort-Angebot: Im Burgenlandzentrum böte sich nun die Chance, den dortigen Treff zu einem echten Nachbarschaftszentrum auszubauen, sagte Vecellio bei der Projektpräsentation im Bezirksrathaus Feuerbach. Möglich wäre, so zählte der Jugendamtsmitarbeiter auf, ein offener Treff, ein Mittagstisch, Kurse für Eltern, Krabbelgruppen, Kreativ- und Freizeitangebote, eine Betreuungsgruppe für Demenzkranke, Seniorennachmittage sowie ein Willkommensraum für Flüchtlinge. Potenzielle Kooperationspartner gäbe es ebenfalls genügend. Vecellio nannte den Freundeskreis Flüchtlinge, das Richard-Bürger-Heim, das Behindertenzentrum, Kindertagesstätten, die Stadtteilbücherei, die Musikschule, das Seniorenzentrum oder die Lutherkirche. Ab 2018 könnte das Stadtteilzentrum eingerichtet werden, sagte er. Eine Vollzeitstelle wäre für den Betrieb notwendig und ein Trägerauswahlverfahren müsste eingeleitet werden. Doch damit dieses Projekt ins Rennen um die Mittel aus dem nächsten städtischen Doppelhaushalt gehen kann, müsste nun ein entsprechender Antrag aus den Reihen der Gemeinderatsfraktionen kommen, betonte Vecellio. Nur so könne ein entsprechender Gemeinderatsbeschluss zur Finanzierung des Stadtteilzentrums herbeigeführt werden.

Bei verschiedenen Fragen besteht noch Klärungsbedarf

Für SPD-Stadträtin Marita Gröger gibt es noch Klärungsbedarf: „Insgesamt scheint mir die geplante Zusammenführung von Stadtteilzentren und Begegnungsstätten ämterintern noch nicht ganz ausgereift zu sein“, sagt sie. Feuerbach selbst brauche einen Treffpunkt: „Das scheint klar zu sein und gibt auch die Sozialdatenlage her. Beim Burgenlandzentrum selbst ist aber das eine oder andere noch zu klären. Dann hoffe ich aber, dass dieser Ort nicht nur von einer Fraktion aufgegriffen wird“, meint Gröger.

Im Bezirksbeirat gingen die Meinungen auseinander: Während die Sprecher der Bezirksbeiratsfraktionen der SPD, Grünen und SÖS /Linke-Plus die Schaffung einer solchen Einrichtung grundsätzlich begrüßten, wurden vor allem aus den Reihen der CDU, Freien Wähler und der FDP auch Bedenken geäußert: „Brauchen wir in Feuerbach wirklich ein solches Stadtteilzentrum, wenn wir im Nachbarbezirk Weilimdorf bereits zwei haben?“, stellte Gabriele Heise (FDP) zur Diskussion. Im Übrigen sehe sie das Problem, dass man konkurrierenden Angeboten privater Träger, die es in Feuerbach durchaus gebe, damit das Wasser abgrabe.

Auch Dirk Teichmann (CDU) sieht dieses Problem: Was sei zum Beispiel mit dem „Zum Stäffele“, dem Ausbildungsrestaurant des CJD an der Wienerstraße. Dort gebe es einen Mittagstisch, den Senioren aus den umliegenden Wohngebieten gerne nutzen. „Graben wir dieser Initiative nicht das Wasser ab, weil wir nun ein Konkurrenzangebot schaffen?“ Vecellio hält diese Befürchtung für abwegig: „Es gibt keine Konkurrenz, wahrlich nicht, unser Angebot wird eher eine Ergänzung werden.“

Sonderthemen