Die mit Spannung erwartete Entscheidung für den Kandidaten ist gefallen: Die Freien Wähler schicken Marcel Musolf ins Rennen um das Amt des Esslinger Landrates. Der Bürgermeister von Bissingen setzte sich in einer fraktionsinternen Abstimmung am Donnerstagabend gegen Thomas Matrohs, Bürgermeister von Deizisau, durch. „Wir sind überzeugt, dass wir einen hervorragenden Bewerber haben, der auch für andere Fraktionen wählbar ist aufgrund seiner Erfahrungen in Kommune und Kreistag sowie aufgrund seines offenen, verbindenden und sachorientierten Politikverständnisses“, betont der Fraktionsvorsitzende Bernhard Richter.
Die bislang mit 28 Mitgliedern stärkste Fraktion im Esslinger Kreistag steht laut Richter nun „voll und ganz“ hinter dem Bewerber aus den eigenen Reihen – Marcel Musolf gehört dem Gremium seit zehn Jahren an. Mit ihm habe man sich für einen ausgewiesenen Verwaltungsfachmann entschieden, „der sein Handwerk versteht und dies in Bissingen sowie hier im Kreistag bereits bewiesen hat“, erklärt der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Frank Buß und lobt Marcel Musolf in den höchsten Tönen: Er sei „in der Lage, parteiübergreifend die Menschen zusammenzubringen und gute Lösungen für die anstehenden Herausforderungen zu entwickeln“. Außerdem sei er mit „Herzblut im Landkreis fest verankert und vernetzt“. Wie die Freien Wähler betonen, sei „eine kooperative Grundhaltung, aber auch eine gewisse Distanz und Unabhängigkeit von der Landesregierung gerade bei der Position des Landrats wichtig“.
Einst jüngster Bürgermeister im Land
Marcel Musolf selbst geht mit breiter Brust den nächsten Karrieresprung an: Mit gerade mal 25 Jahren wurde er 2011 zum Bürgermeister der gut 3500 Einwohner zählenden Gemeinde Bissingen an der Teck gewählt und damit zum jüngsten Amtsinhaber im Land. Der Diplom-Verwaltungsfachwirt, der an diesem Freitag seinen 39. Geburtstag feierte, könnte nun der jüngste Landrat in Baden-Württemberg werden. Heinz Eininger war 44 Jahre alt, als er im Jahr 2000 das Amt antrat. Zum 1. Oktober verabschiedet sich der CDU-Mann in den Ruhestand. Seinen Nachfolger wählt der neue Kreistag am 26. Juli. „Dieser Aufgabe würde ich mich gerne mit Herzblut und großer Leidenschaft stellen“, sagt Marcel Musolf.
Wie er in einer Mitteilung verkündet, wolle er den Landkreis Esslingen zukünftig „mit klarem Kompass, einer nachhaltigen Ausrichtung und der Bereitschaft für neue Wege führen“. Transparente Kommunikation und „eine Beteiligungskultur auf Augenhöhe“ seien ihm dabei zentrale Anliegen. Die anstehenden Herausforderungen im Kreis, wie die soziale Teilhabe und Integration, die medizinische Versorgung, die Wirtschafts- und Mobilitätsförderung, können seiner Ansicht nach „nur mit einer starken Landratsamtsmannschaft, digitalen Fortschritten und einem engen Schulterschluss mit den Städten und Gemeinden bewältigt werden“.
Gespräche mit anderen Fraktionen
Mit Marcel Musolf steht damit der zweite Kandidat für den Landratsposten fest. Zuvor hatte die CDU-Kreistagsfraktion den Horber Oberbürgermeister Peter Rosenberger nominiert. Der hat sich bereits bei den Grünen vorgestellt und stößt dort durchaus auf Akzeptanz. Musolf, der nach der Kommunalwahl am 9. Juni mit weiteren Fraktionen ins Gespräch kommen will, muss dort erst noch Überzeugungsarbeit leisten. „Grundsätzlich“, betont die Grünen-Fraktionsvorsitzende Marianne Erdrich-Sommer, „sollten Bewerber nach ihrer Eignung beurteilt werden, nach Empathie und Sach- und Fachkenntnis und nicht in erster Linie nach Parteizugehörigkeit.“