InterviewSkispringerin Carina Vogt „Jetzt will ich Olympia 2018 nur noch genießen“

Von Jochen Klingovsky 

Carina Vogt aus Schwäbisch Gmünd landet bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang auf Rang fünf und sagt angesichts der Umstände im Interview: „Mehr war einfach nicht drin.“

Diesmal nur Fünfte bei Olympia: Carina Vogt Foto: dpa
Diesmal nur Fünfte bei Olympia: Carina Vogt Foto: dpa

Pyeongchang - Im Interview erklärt die Skispringerin Carina Vogt, warum bei ihrem Auftritt bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang nicht mehr drin gewesen ist als der fünfte Platz.

Frau Vogt, Sie hatten im ersten Durchgang extremes Pech mit dem Wind, mussten fünf Minuten in eisiger Kälte auf dem Turm warten. Hat Sie das eine bessere Platzierung als Rang fünf gekostet?
Wir haben ja bei den Männern vor zwei Tagen schon gesehen, was passieren kann, wussten also, auf was wir uns einstellen müssen. Es war halt nur irgendwann schweinekalt da oben, das Gefühl im Körper war weg. Aber es macht es auch nicht besser, wenn ich mich jetzt darüber aufrege. Deshalb tue ich das auch nicht.
Was denkt man, wenn die Ampel einfach nicht grün werden will?
Nicht viel. Man spürt nur, wie man komplett auskühlt. Und es ist nicht angenehm, wenn man das Gefühl verliert, das Blut abgedrückt wird und man meint, die Füße sind weg. Da helfen dann auch keine Decken, die einem um die Schultern gelegt werden. Aber Skispringen ist nun mal eine Outdoor-Sportart, da gehört so etwas mal dazu und man muss damit klarkommen. Simon Ammann hat das vor zwei Tagen während des Springens der Männer ein bisschen besser hinbekommen als ich heute.
Wie war ihr Sprung im Kühlhaus Olympia?
Eigentlich noch in Ordnung für diese Umstände, vielleicht sogar ganz gut. Mehr war einfach nicht drin.
Sie waren nach dem ersten Durchgang Sechste. Hatten Sie danach noch Hoffnung?
Im zweiten Durchgang habe ich natürlich schon versucht, noch mal irgendwie nach vorne zu kommen, und ich habe ja auch noch einen Platz gutgemacht. Die Freude war groß, dass der zweite Sprung so gut gelungen ist, obwohl die Bedingungen wieder nicht ganz gepasst haben. Letztlich kann ich mit meiner Leistung zufrieden sein, da ich genau das gezeigt habe, was ich mir zuvor erarbeitet hatte. Um mehr zu erreichen, hätte ich halt auch ein bisschen Glück haben müssen.
Wie sehr freuen Sie sich über die Silbermedaille von Katharina Althaus?
In Maren Lundby, Katharina Althaus und Sara Takanashi standen heute die ersten drei des Gesamtweltcups auf dem Podest, sogar in der richtigen Reihenfolge eins, zwei, drei. Das sagt eigentlich alles. Die drei haben sich diese Position über die Saison erarbeitet, haben deshalb verdient die Medaillen geholt. Natürlich freue ich mich am meisten für Katharina Althaus und hätte es ihr auch gegönnt, dass sie Maren Lundby noch überholt. Leider hat es nicht ganz gereicht, aber mit 21 Jahren eine Silbermedaille bei Olympischen Spielen zu holen, damit kann man, glaube ich, ganz zufrieden sein.
Wie kam die Unterstützung des Männer-Teams bei Ihnen an?
Dass die Jungs da waren, hat mich erstens sehr überrascht und zweitens sehr beeindruckt. Andreas Wellinger kam sogar vor dem Wettkampf zu uns in den Container und hat uns viel Spaß gewünscht, dabei konnten wir ihm dann endlich persönlich zu seinem Olympiasieg gratulieren. Dazu, dass das ganze Männer-Team uns nach dem Wettkampf gratuliert und sich mit uns gefreut hat, kann ich nur sagen: Hut ab, da bekomme ich Gänsehaut! Denn es zeigt die Anerkennung, die wir inzwischen von den Jungs erhalten. Ich freue mich schon jetzt auf die WM im nächsten Jahr in Seefeld, wenn wir wieder gemeinsam springen dürfen.
Vor vier Jahren sind Sie in Sotschi direkt nach dem Wettkampf abgereist, nun bleiben Sie noch eine Woche in Pyeongchang. Welche Wettkämpfe wollen Sie besuchen?
Skispringen, Nordische Kombination, Bob – ich will die Leute, die ich kenne, auch endlich mal anfeuern. Ich hoffe, dass sie ein bisschen mehr Glück haben als ich heute.
Und sonst?
Will ich die Spiele eigentlich nur genießen. Ich habe bisher vom olympischen Flair noch gar nichts mitbekommen, weder hier noch 2014 in Sotschi. Es war bisher immer nur alles auf den Wettkampf ausgerichtet, dabei haben wir weder nach links noch nach rechts geschaut. Das werden wir nun ändern.