InterviewNachgefragt Sommerzeit ist Bakterienzeit

Von Jana Stäbler 

Allgemeinmediziner Rainer Merk erklärt, warum es in seiner Praxis auch im Sommer nicht langweilig wird.

Rainer Merk. Foto: Stäbler
Rainer Merk. Foto: Stäbler

Leonberg - Im Winter schniefen alle in ihre Taschentücher und im Bus hustet uns ­jeder zweite Sitznachbar an, während im Sommer alle gesund und munter ins Freibad stürmen. Oder wie verhält sich das aus der Sicht eines Arztes?

Sommer bedeutet meist vor allem eins: ­Ferien. Wie viel hat ein Allgemeinmediziner denn da überhaupt noch zu tun?
Also langweilig wird mir bei der Arbeit sicher nicht. Unsere Belegschaft ist in den Ferien aber auch reduziert. Deswegen gibt es trotzdem immer was zu tun. Wobei es für die Patienten im Sommer angenehmer ist: Sie müssen nicht ewig warten, sondern kommen zügig an die Reihe.
Mit welchen Krankheiten haben Sie zu tun?
Es ist falsch, zu glauben die Menschen würden im Sommer weniger schnell krank. Klar, die meisten Grippeviren machen uns eher im Winter zu schaffen, aber gerade Magen-Darm-Erkrankungen sind typisch für den Sommer. Die hohen Temperaturen sind für Bakterien ein Traum und sie können sich viel leichter verbreiten. Es gibt aber auch Krankheiten, die das ganze Jahr über auftreten können wie Herz- und Kreislauf-Beschwerden.
Passieren im Sommer mehr Unfälle als im Winter, weil Menschen mehr unternehmen?
Es gleicht sich ganz gut aus. Im Winter rutschen die Leute aus und ziehen sich Platzwunden zu. Im Sommer sind es eher Schnittwunden – vor allem Gartenarbeit ist da eine gefährliche Freizeitbeschäftigung. Auch beim Sport ist es ausgewogen. Während sich die Leute im Winter beim Skifahren verletzen, gibt es bei Sonnenschein wieder mehr Rad- und Motorradunfälle.
Inwieweit sind Sonnenstiche ein Thema?
Es kommt gelegentlich vor, Sonnenbrände ebenfalls. Letztens kam ein Patient, der sich im Solarium die doppelte Strahlenportion gegönnt hat. Das kann auch draußen am Badesee passieren. Sonnenstiche unterschätzt man oft. Wir auf der Nordhalbkugel sind einfach eher an kühleres Wetter gewöhnt. Gerade beim Sport sollten wir vorsichtig sein und ­viel trinken. Aber so wie ich das mitbekomme, herrscht da eine ganz gute Vernunft bei den Menschen. Die wissen schon, was ihnen gut tut



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