Nachgehakt Stadt und Kreis machen Imagewerbung – wie passt das zu den leeren Kassen?

Ob Stadtführung, Nachhaltigkeitskampagne oder Energiesparkommissar – die Stadt Ludwigsburg wirbt an Litfaßsäulen. Foto: Sabine Arnbruster

Die Stadt Ludwigsburg wirbt mit Plakaten für sich selbst, der Landkreis postet auf Social Media ein Imagevideo. Es gibt Erklärungen, wie das trotz des aktuellen Sparzwangs möglich ist.

Ludwigsburg: Sabine Armbruster (sar)

Nicht wenige Ludwigsburger haben sich im vergangenen Jahr über eine regelrechte Plakatierwut der Stadt gewundert. An Bushaltestellen und Litfaßsäulen wurden eigene Veranstaltungen – von den Nachhaltigkeitstagen über eine interreligiöse Dialogtour bis zur Schrittchallenge – ebenso beworben wie die Ludwigsburg-Umfrage.

 

Und auch fürs bessere Image des nach seiner Neugestaltung umstrittenen Arsenalplatzes soll gesorgt werden. Unter anderem mit Aufstellern, die erklären, warum er „der ideale Platz ist“ und warum man sich beim Belag für Sand und Splitt statt Gras entschieden hat. Und auch der Landkreis Ludwigsburg wirbt aktuell für sich – mit einem kurzen Imagefilm, der jetzt auf Instagram, Facebook und LinkedIn gepostet wurde.

Wie passt das zu dem Sparzwang angesichts leerer Kassen? Ein Sparzwang, durch den unter anderem der Zuschuss für die Notrufsäulen der Björn-Steiger-Stiftung gestrichen und der Mietkostenzuschuss für drei Vereine annulliert wurde.

Video ist Ausschnitt eines zehn Jahre alten Films

Das Landratsamt und die Stadt wehren sich gegen den Eindruck, Geld werde leichtfertig für Werbung ausgegeben – und erklären sich.

Wie ein Sprecher des Landratsamts mitteilt, handelt es sich bei dem Video um einen Ausschnitt des Imagefilms, der bereits vor zehn Jahren auf Initiative des damaligen Landrats Haas und in Zusammenarbeit mit der Filmakademie Ludwigsburg entstanden sei. „Die Kosten des Films lagen im niedrigen sechsstelligen Bereich und wurden zu mehr als der Hälfte von Unternehmen aus dem Landkreis getragen.“

Mit der Wiederverwertung des Films wolle man den Landkreis als lebenswerte Region präsentieren, Interesse bei Besucherinnen und Besuchern wecken und ein positives Gesamtbild des Landkreises vermitteln. Ob auch der Ausschnitt dafür geeignet ist, darüber kann man geteilter Meinung sein.

 Dass man das Fragment nun auf Social Media präsentiert, liegt laut dem Sprecher daran, dass Teile des Films nicht mehr aktuell seien und auch angesichts der Haushaltssituation keine Neuauflage anstehe. „Ein generelles Budget für Imagekampagnen gibt es nicht; wir fahren auch keine solche Kampagne. Vielmehr versuchen wir – gerade im Hinblick auf die Haushaltssituation – auf eigene Gestaltungen und auf die Werbung über die sozialen Netzwerke zu setzen oder mit dem zu arbeiten, was wir schon haben“, so der Sprecher weiter.

„Zahlen nichts oder nur wenig für Plakatierung“

Die Stadt Ludwigsburg lässt zu den zahlreichen Plakatierungen wissen: „Im Rahmen eines neuen Werbekonzessionsvertrags haben wir als Stadt seit 2025 die Möglichkeit, in einem bestimmten Umfang kostenlos bzw. sehr günstig auf Litfaßsäulen und an Buswartehäuschen für städtische Themen/Veranstaltungen zu werben. Diese Möglichkeit haben wir genutzt.“

Auf den 62 Litfaßsäulen im Stadtgebiet könne die Stadt beispielsweise immer dann ihre Themen spielen, wenn die Flächen nicht anderweitig belegt seien – jeweils zehn Tage lang ohne Aushangkosten. Dass die Plakate zum Teil deutlich länger und sogar über das Veranstaltungsdatum hinaus hängen, sei der Stadt nicht berechnet worden, so eine Sprecherin.

„Das heißt, es fallen nur die Druckkosten und gegebenenfalls externe Grafikkosten an. Die Druckkosten liegen für 70 Stück A1-Plakate bei 144 Euro netto.“ Für die Möglichkeit, an Buswartehäuschen zu werben, zahlt die Stadt pro Fläche und Kalenderwoche 27 Euro. Insgesamt seien so im letzten Jahr stark 1600 Euro an Kosten angefallen, heißt es.

Werbung an einem Buswartehäuschen. Foto: Sabine Armbruster

Außer der Werbung für eigene Veranstaltungen habe man noch unterschiedliche Themen im Rahmen der Klimaneutralitätskampagne unter dem Motto „Lust auf...“ gespielt. Hier seien rund 15.000 Euro für die Bewerbung unterschiedlicher Inhalte ausgegeben worden, von denen jedoch 90 Prozent vom Land finanziert worden seien.

„Die Kommunikation stellt beim Thema Klimaneutralität einen wesentlichen Beitrag dar, um die Menschen in Ludwigsburg für das Thema zu sensibilisieren und auf die städtischen Angebote hinzuweisen“, so die Stadtsprecherin. Und Holger Heß, zuständig für Stadtentwicklung, Klima und Internationales, betont, man habe bewusst kein Horrorszenario im Hinblick auf den Klimawandel schaffen, sondern Menschen dazu animieren wollen, sich für den Klimaschutz zu engagieren.

Allerdings, räumt er ein, sei es schwierig festzustellen, ob die Plakate wirken. „Wer sich bewirbt, schreibt ja nicht rein: ‚Ich habe die Werbung gesehen.’“ Aber das für die Aktion vorgesehene Geld sei so schnell wie noch nie ausgeschöpft gewesen. Man habe die Werbung schon im September einstellen müssen.

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