Nachhaltige Energie in Weil der Stadt Photovoltaikanlage am Sägeweg ist erst der Anfang
Auf einer ehemaligen Deponiefläche an der Würm entsteht jetzt eine Anlage zur Stromerzeugung per Sonnenenergie – zwei weitere sollen folgen.
Auf einer ehemaligen Deponiefläche an der Würm entsteht jetzt eine Anlage zur Stromerzeugung per Sonnenenergie – zwei weitere sollen folgen.
Die vielen Radfahrer, die auf dem Sägeweg zwischen Weil der Stadt und Schafhausen unterwegs sind, können auf ihren Touren in den kommenden Monaten beobachten, wie die erste große Photovoltaik-Anlage auf einer freien Fläche in der Stadt entsteht. Am Dienstag haben sich Vertreter der Stadt und der Energieversorger vor Ort ein Stelldichein gegeben, und auch der Landrat Roland Bernhard (parteilos) war zum offiziellen Spatenstich auf dem Gelände eines ehemaligen Auffüllplatzes unweit der Würm gekommen. Hatte es doch das Landratsamt möglich gemacht, dass diese Pilotanlage errichtet werden kann, ohne zuvor einen Bebauungsplan zu erstellen.
Jürgen Katz, Erster Beigeordneter der Stadt und zugleich Geschäftsführer der Energie Weil der Stadt EnWdS, erklärte, dass im Vorfeld sämtliche umweltrelevanten Daten, etwa zum Naturschutz, erhoben worden sind. Über einen Zeitraum von drei Jahren hinweg werde die Anlage als Pilotprojekt mit Blick auf die ökologischen Aspekte wissenschaftlich begleitet. Die Solarmodule werden auf Ständer gestellt, sodass die Versiegelung des Bodens gering sei. Dadurch kann die insgesamt 2,3 Hektar große Fläche mit Schafen beweidet und das Gras gemäht werden.
Die Anlage selbst, die im kommenden Sommer in Betrieb gehen soll, wird mit einer installierten Leistung von etwa 2100 Kilowatt-Peak circa 2000 Megawattstunden (MWh) Strom jährlich produzieren. Dies entspricht laut den beteiligten Unternehmen – neben der EnWdS sind das die Energie Calw und die Schwarzwald nature GmbH, die sich auf erneuerbare Energien spezialisiert hat – dem Jahresverbrauch von 573 Haushalten mit je drei Personen. Gegenüber konventionell erzeugtem Strom könnten mit der PV-Anlage rund 900 Tonnen CO2 eingespart werden, hieß es dazu.
Horst Graef von der Energie Calw EnCW, die an der EnWdS beteiligt ist, stellte die rhetorische Frage, wie es zu schaffen ist, dass bis 2030 die privaten Haushalte mit grünem Strom versorgt werden können. Die Antwort liefert er hinterher: Im Moment gebe es schon immer mehr grünen Strom, dieser werde aber nicht lokal erzeugt. Mit der neuen Anlage werde in und für Weil der Stadt Strom gewonnen. Dieser werde immer wichtiger, etwa auch für die Wärmeerzeugung und für die E-Mobilität. Er stellte auch die Frage in den Raum, ob die Kunden bereit seien, mehr zu zahlen für regional produzierten Strom, dessen Herkunft Weil der Stadt heißt.
Der Landrat Roland Bernhard beglückwünschte die Stadt dazu, dass sie mit der EnWdS einen eigenen Energieversorger geschaffen habe, der grüne Energien anbiete und auf dem Weg sei, sie auch regional zu produzieren. Allerdings, so gab er zu bedenken, „sind wir der drittdichteste Kreis im Land und haben nicht die ganz großen freien Flächen“. Deswegen gelte es mit Blick auf die Landwirtschaft gut abzuwägen, wo solche Freiflächenanlagen errichtet werden können. Der Landkreis ist mit seinen Eigenbetrieben selbst in Sachen Solarstrom aktiv und betreibt etwa auf den Kreismülldeponien große Freiflächenanlagen, die laut Energiebilanz des Jahres 2022 rund 2220 Megawattstunden Strom produzierten. Natürlich schaut man auch, wo noch PV-Anlagen auf Dächern installiert werden können, sagte der Bürgermeister Christian Walter (parteilos) dazu. Vieles sei schon geschehen. Doch beim Aspekt Schnelligkeit müsse man auch auf Freiflächen gehen, so Walter. Dabei verzichte die Stadt bewusst, dies auf rein landwirtschaftlich genutzten Flächen zu tun. „Dieses hier“, sagte er mit Blick auf die jetzt entstehende Anlage am Sägeweg, „kann ehrlichweise nur der Anfang sein, weitere werden folgen, an denen arbeiten wir schon.“
Tatsächlich hat die Stadt bereits zwei weitere Flächen für PV-Anlagen im Visier: Eine soll auf dem städtischen Gelände eines ehemaligen Tennisplatzes im Stadtteil Hausen entstehen. Dazu hat der Gemeinderat das Bebauungsplanverfahren auf den Weg gebracht. Der erforderliche Umweltbericht ist in Auftrag gegeben worden. Gleiches gilt auch für eine weitere Anlage im Stadtteil Schafhausen am Stubenberg, wo auf einem städtischen Wiesengrundstück Solarmodule installiert werden sollen wie jetzt am Sägewerk ebenfalls mit der Maßgabe, Bodenversiegelung zu vermeiden und eine Beweidung durch Schafe zu ermöglichen.
EnWdS
Betreiberin und Eigentümerin der neuen Freiflächen-PV-Anlage am Sägeweg ist die „Energie Weil der Stadt“ (EnWdS), ein vor zwei Jahren gegründetes Energieunternehmen.
Aufteilung
Der Großteil des Energieunternehmens (51 Prozent) gehört Weil der Stadt. Zudem ist die „Energie Calw“ (EnCW) mit 49 Prozent beteiligt. Zu dieser Unternehmensgruppe gehört auch die Schwarzwald nature GmbH, die die Photovoltaik-Anlagen plant und umsetzt.