Nachhaltige Mode Müllers Siegel für Öko-Textilien droht Fehlstart

Von Kerstin Ruchay 

Mit dem grünen Knopf will Bundesentwicklungsminister Gerd Müller die Nachhaltigkeit in der Textil- und Modeindustrie voranbringen. Firmen, die sich für das staatliche Siegel qualifizieren verpflichten sich, 50 soziale und ökolokische Kriterien sein. Doch das Zertifikat stößt auf Skepsis.

Bundesentwicklungsminister (CSU) will mit dem staatlichen Siegel grüner Punkt Verbrauchern auf den ersten Blick signalisieren, dass Kleidung fair und nachhaltig produziert wird. Foto: dpa
Bundesentwicklungsminister (CSU) will mit dem staatlichen Siegel grüner Punkt Verbrauchern auf den ersten Blick signalisieren, dass Kleidung fair und nachhaltig produziert wird. Foto: dpa

Stuttgart - Mit dem grünen Knopf soll nach den Plänen von Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) noch in diesem Sommer nachhaltig produzierte Kleidung gekennzeichnet werden. Doch dem Projekt droht ein Fehlstart. Kritik an dem staatlichen Siegel kommt von Kai Nebel von der Hochschule Reutlingen. „Wie will der Staat die Einhaltung der Standards kontrollieren – etwa bei einer Kette wie H&M mit rund 2500 Zulieferern?“ Fraglich sei auch, ob sich kleine Firmen eine Zertifizierung leisten könnten oder nur Modekonzerne. „Wir haben von allem zu viel, vor allem zu viel Kleidung“, so der Experte für Textilforschung. Mit einem Umweltsiegel könnten Menschen ihr Gewissen beruhigen – und weiter jede Woche etwas Neues kaufen, sagte er. Verbraucher in Deutschland kaufen laut Greenpeace im Schnitt jedes Jahr 60 neue Kleidungsstücke.

90 Prozent der Kleidung stammt aus Südostasien

Die Kritik, Firmen könnten die Bedingungen in den Produktionsstätten nicht kontrollieren, lässt Müller nicht gelten. 90 Prozent unserer Kleidung stammten noch immer aus Südostasien. „16-Stunden-Schichten in stickigen Fabriken, kein Brandschutz, Kündigung bei Schwangerschaft, Einsatz gefährlicher Chemikalien und Hungerlöhne müssen endlich der Vergangenheit angehören“, sagte er unserer Zeitung.

Laut Müller sollen Verbraucher mit dem Zertifikat auf den ersten Blick erkennen, dass Kleidung sozial und ökologisch nachhaltig produziert wird. „Es gibt zwar schon Siegel, aber es ist nicht immer klar, wofür sie stehen“, so ein Sprecher Müllers. Einige konzentrierten sich auf Umweltstandards, andere auf soziale Arbeitsbedingungen.

Um den grünen Knopf zu erhalten, müssen Firmen fast 50 soziale und ökolokische Kriterien einhalten. Unabhängige Prüfstellen wie der Tüv oder das Deutsche Institut für Normung sollen testen, ob die Unternehmen sie einhalten. Nur Firmen, die die Kriterien erfüllen, werden zertifiziert.