Nachhaltiger Karneval Bio-Konfetti mit Saatgut findet großen Anklang

Von Sina Götz 

Nach den Karnevalsumzügen geht das große Aufräumen in den Städten los. Dass das Fastnachtstreiben auch nachhaltig geht, beweist ein Kassler Start-up mit Bio-Konfetti.

Mit dem nachhaltigen Konfetti wird gleichzeitig Saatgut verstreut. Foto: Sofrin Photography
Mit dem nachhaltigen Konfetti wird gleichzeitig Saatgut verstreut. Foto: Sofrin Photography

Kassel - „Warum nicht einfach mal das Schöne mit dem Nützlichen verbinden?“, das haben sich Katja Filippenko, Philip Weyer und Christoph Timborn gefragt und das Start-up „Saatgutkonfetti“ gegründet, das nachhaltiges Konfetti produziert und vertreibt. Weyer und seine Kommilitonin Hannah Hartmann studierten an der Kunsthochschule in Kassel, als ihnen die Idee zum nachhaltigen Karnevalstreiben kam.

26 heimische Pflanzenarten verstecken sich in Konfetti

Denn der Karneval liegt den Gründern im Blut. Weyer kommt ursprünglich aus Köln und ist verrückt nach Karneval. „Die Jungs sind gerade auf dem Rosenmontagsumzug“, erklärt Filippenko am Telefon. Sie selbst muss sich heute um das Geschäft kümmern. Ihr nachhaltiges Konfetti haben die Narren den Dreien buchstäblich aus der Hand gerissen. Denn ihr Konfetti unterscheidet sich maßgeblich von herkömmlichen: das Konfetti des Kassler Start-ups ist kompostierbar und kann sogar im Kampf gegen das Artensterben und gegen den Klimawandel helfen. „In unserem Konfetti verstecken sich 26 unterschiedliche Pflanzenarten“, erklärt die Gründerin. Das genaue Verfahren möchte Filippenko nicht verraten, doch sie erklärt, dass das Saatgut in eine Stärkemischung gepresst wird und durch natürliche Farbstoffe seine für Konfetti typische Farbe erhält. Wer dann also das Konfetti in die Luft wirft, sät gleichzeitig heimische Samen.

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Unter den 26 Samen, aus denen das Konfetti besteht, finden sich verschiedene Wildkräuter, Gräser und Blumen – darunter ist unter anderem das Saatgut von Gänseblümchen, Löwenzahn und Feld-Thymian. „Alles regionale Pflanzen“, erklärt Filippenko . Zudem sind alle Arten Lichtkeimer, die sich unter den verschiedensten Bedingungen entwickeln können. „Die Pflanzen brauchen Licht und die passenden Witterungsbedingungen“, sagt Filippenko . Damit die Pflanzen wachsen, eignet sich besonders nasses Wetter.

Das Start-up finanzierte sich durch Crowdfunding

Die diesjährige Karnevalszeit dürfte also die perfekten Bedingungen für das Saatgut liefern. Finanziert hat sich das Start-up im vergangenen Jahr über ein Crowdfundingprojekt. „Das hat super funktioniert und es war eine Bestätigung für uns, dass wir mit unserer Idee richtig liegen“, erklärt Filippenko . Ihr Bio-Konfetti sehen die jungen Unternehmer vor allem als Kommunikationsmittel, um auf das Artensterben und den Klimawandel aufmerksam zu machen. Und ihre Idee, das Feiern mit einer guten Tat zu verknüpfen, findet Anklang. Unter anderem hat in diesem Jahr der Bund Deutscher Karneval-Jugend eine große Bestellung bei ihnen aufgegeben.

Stadt Stuttgart als erster Großkunde

Auch die Stadt Stuttgart hat ihren Teil dazu beigetragen, dass das Start-up heute so gut läuft. Beim letztjährigen Sommerfestival „Stuttgart am Meer“ orderte die Stadt über 1000 Tütchen des Konfettis. „Das war unsere erste Großbestellung“, erinnert sich Filippenko .

Das Konfetti kann man übrigens in ausgewählten Geschäften in Köln, Hamburg, Leipzig, München und Kassel kaufen. In Stuttgart gibt es derzeit noch keinen Laden, der das nachhaltige Konfetti anbietet. Geht es nach den Gründern, soll sich dies aber ändern. „Wir sind immer auf der Suche nach Läden, die unser Produkt anbieten wollen“, sagt sie. Solange es noch keine Anlaufstelle gibt, müssen die Stuttgarter aber nicht auf das nachhaltige Konfetti verzichten. Auch auf der Homepage des Start-ups kann das umweltschonende Konfetti bestellt werden.