Nachhaltiges Bauen Was sich beim Hausbau lohnt

Energieeffiziente Häuser in Esslingen: Es kommt nicht nur auf den Energieverbrauch, sondern auch auf die Baumaterialien an. Foto: imago//Werner Dieterich

Wärmepumpen, Fotovoltaik, Solarthermie: Bei der Energieversorgung von neuen Eigenheimen sind die Trends eindeutig. Auch bei der Materialauswahl lohnt sich ein Blick auf die Energiebilanz – denn das kann sich später doppelt lohnen.

Stuttgart - Ein Haus, in dem fast keine Energie zum Heizen nötig ist? Als im Oktober 1990 der Bau des ersten Passivhauses in Deutschland begann, war die Zahl der Skeptiker groß. Denn schließlich hat die Behaglichkeit in den eigenen vier Wänden ziemlich viel mit der Raumtemperatur zu tun: Wer es angenehm warm hat, fühlt sich wohl – und Wärme zu erzeugen kostet nun einmal Energie. Würde man also frieren im Haus der Zukunft? Doch das bis ins kleinste Detail ausgetüftelte Vierfamilienhaus in Darmstadt-Kranichstein hat es seinen Kritikern gezeigt: Es bewährte sich über Jahrzehnte.

 

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Nun ist der Anteil echter Passivhäuser im Neubau zwar heute immer noch gering. Doch die dahinterstehende Technik ist zunehmend zum Standard im Neubau geworden – etwa was Lüftungssysteme, die inzwischen überwiegende Dreifachverglasung oder auch das Vermeiden von Wärmebrücken angehe, heißt es beim Umweltbundesamt. Energiesparende Technik würde bei der Planung eines Eigenheims eine zunehmend wichtige Rolle spielen, sagt Michael Bauer, Experte des Planungs- und Beratungsunternehmens Drees & Sommer aus Stuttgart. Durch hohe Energiestandards könne der Neubaubereich auch zur Erreichung der Klimaziele beitragen.

Wärmepumpe: ein Drittel Energie, 100 Prozent Wärme

Wärmepumpen und Solarthermieanlagen für Heizung und Warmwasser sowie Fotovoltaikanlagen zur Stromerzeugung – diese Systeme seien hinsichtlich der Energieversorgung neuer Eigenheime vor allem gefragt, sagt Experte Bauer. „Nur damit schafft man den vorgeschriebenen Anteil regenerativer Energieerzeugung.“ In Baden-Württemberg werden Solaranlagen sogar gesetzlich verankert: Ab 1. Mai 2022 gilt eine Solarpflicht für Neubauten.

Während Fotovoltaik- und Solarthermieanlagen direkt auf die Energie der Sonne zurückgreifen, nutzen Wärmepumpen die natürliche Wärme der Erde und der Luft. Die Idee ist naheliegend: In nur wenigen Metern Tiefe ist der Boden nämlich immer relativ warm. Und auch die Außenluft kann Heizenergie liefern. Dazu wird ein Kältemittel entweder durch den Boden oder einfach ins Freie geleitet. Dort nimmt es die Wärme der Umgebung auf und verdampft zu Gas. Die Wärmepumpe verdichtet dieses Gas und heizt es dadurch weiter auf. Ein Wärmetauscher nimmt die Hitze auf und gibt sie ans Warmwassersystem und Heizung weiter. „Um 100 Prozent Wärme für die Beheizung eines Gebäudes gewinnen zu können, benötigt die Wärmepumpe lediglich zwischen 25 und 35 Prozent Strom als Antriebsenergie“, sagt Sven Kersten von der Energie-Agentur NRW. Die restlichen 65 bis 75 Prozent sind Umweltwärme.

Noch einen Vorteil haben Wärmepumpen hierzulande. „Heute haben wir bereits über 50 Prozent regenerativen Strom in unserem Stromnetz“, sagt Michael Bauer. „Um die Klimaziele zu erreichen, wird dieser Anteil weiter steigen, so dass strombetriebene Heizsysteme zukünftig immer CO2-neutraler betrieben werden können.“ Dies verschaffe Wärmepumpen einen strategischen Vorteil.

Manche Baumaterialien sind echte Klimasünder

Durch den hohen Energiestandard in Deutschland sei es aber zunehmend wichtig, nicht nur den Energieverbrauch im Betrieb zu beachten, sondern „auch die sogenannte graue Energie der verbauten Materialien bei der CO2-Bilanz zu berücksichtigen“, erklärt Experte Bauer. Denn schließlich sei ein Haus mit niedrigem Energiebedarf nicht automatisch auch ökologischer und gesünder. Daher würden nachwachsende Rohstoffe wie Holz zunehmend in den Fokus der Häuslebauer rücken – und damit der Fertigbau, denn Holz könne sehr gut bei der Vorfertigung verarbeitet werden.

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Holz gelte als wichtiger Baustoff der Zukunft, bestätigt Thomas Billmann, Modernisierungsberater bei der Bausparkasse Schwäbisch Hall. „Es hat hervorragende Dämmeigenschaften, ist vielseitig einsetzbar und zählt zu den nachwachsenden Rohstoffen. Außerdem bindet Holz CO2.“ Wie nachhaltig Holz als natürlicher Baustoff ist, hängt aber auch davon ab, aus welchem Land und welcher Art des Anbaus das Holz stammt und wie es verarbeitet wurde.

Worauf es beim Dämmmaterial ankommt

Im Bereich der Dämmung gebe es zudem ökologische Alternativen zu den klassischen Polystyrolplatten, die sich bereits heute als großes Entsorgungsproblem entpuppen: „Hanf, Schafwolle, Flachs und Stroh sind umweltfreundliche Alternativen“, so Billmann. So würden etwa Flachsfaserplatten bei der Herstellung 15-mal weniger Energie verbrauchen als konventionelle Dämmplatten. Allerdings kosten sie auch deutlich mehr. Rund ein Fünftel mehr an Material- und Verarbeitungskosten müssten Bauherren einplanen, wenn sie konsequent auf nachhaltig Baumaterialien setzen wollen. „Ein Teil dieser Mehrkosten kann aber durch staatliche Förderprogramme wieder eingespart werden“, sagt Billmann.

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Langfristig kann sich eine solche Investition aber selbst ohne staatliche Förderung durchaus rechnen, denn gesundes Wohnen und die Verwendung nachhaltiger Materialien seien wichtige Zukunftsthemen, die auch den künftigen Wert einer Immobilie mitbestimmten, so Drees-&-Sommer-Experte Bauer. Das ist bei der Auswahl des Energiesystems genauso: Hier gilt aktuell die Ölheizung als Auslaufmodell. Perspektivisch dürfte das auch für andere fossile Heizsysteme wie Gasheizungen gelten, meint Bauer. „Sind solche Energiesysteme verbaut, kann das den Wiederverkaufswert einer Immobilie negativ beeinflussen.“

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